INTERVIEW

Professor spricht über die Rolle der Wahlplakate in Meschede

Wie aussagekräftig sind Wahlplakate wirklich? Politikwissenschaftler Prof. Tim Spier hat unsere Fragen beantwortet. Foto: Nicolas Greißner

Wie aussagekräftig sind Wahlplakate wirklich? Politikwissenschaftler Prof. Tim Spier hat unsere Fragen beantwortet. Foto: Nicolas Greißner

Meschede.   Vor der jeder Wahl gehören die Plakate der Kandidaten zum Stadtbild. Ein Experte verrät, wie wichtig gute Wahlwerbung ist.

Jedes Ereignis hat ein Erkennungsmerkmal, vor Wahlen sind es die Plakate. Mit ihnen werben die Parteien, meist mit kurzen, aber aussagekräftigen Sprüchen. Dazu ein freundliches Gesicht - so ist es üblich. Doch auffällig ist: Immer mehr Plakate haben in diesem Wahlkampf keinen Inhalt, lediglich Gesicht und Partei werden gezeigt.

Vorangetrieben wird diese Art der Werbung hauptsächlich von den Volksparteien, CDU und SPD. Während Dirk Wiese noch dazu auffordert am 24. September die SPD zu wählen, verzichtet Patrick Sensburg auf jegliche Art von Aussagen. Wir haben Politikwissenschaftler Prof. Dr. Tim Spier befragt, was dahinter steckt.

Was ist der Grund dafür, dass einige Parteien völlig auf Inhalt verzichten?

Ein Plakat ist zunächst ganz grundsätzlich kein Medium, das sich für die Darstellung komplexer politischer Inhalte eignet. Aber auch in Schlagworten und Slogans kann man natürlich eine inhaltliche Position vermitteln.

Hierbei muss man aber zwischen zwei Arten von Plakaten unterscheiden: Die der bundesweiten Wahlkampagne, die meist in einem knackigen Satz oder Slogan Themen ansprechen, und die, die nur die Direktkandidaten bekannt machen sollen. Hier geht es eher darum, dass die Bevölkerung in der Region mit der Person des Kandidaten ein Gesicht verbindet. Inhalte sind da zweitrangig.

Geht es auch ohne Plakat?

Die Wahlkampfforschung hat häufig schon demonstriert, dass Plakate kaum jemanden zur Wahl einer bestimmten Partei „überreden“. Wichtig ist hingegen, dass die Bürger mitbekommen, dass Wahlen anstehen und sich entsprechend über ihre Wahlentscheidung Gedanken machen. Zusammen haben die Plakate also eine mobilisierende Wirkung. Interessanterweise wirkt es sich übrigens negativ für eine Partei aus, wenn sie ganz auf Plakate verzichtet. Man muss also schon dabei sein.

Können Wahlplakate auch nach hinten losgehen?

Man muss immer bedenken, welche Zielgruppe die Plakate ansprechen sollen. Die Ersteller der Plakate sind in der Regel Profis, wissen genau, wen und was sie erreichen wollen, und testen dies auch mit den Mitteln der Marktforschung. Ein inhaltsleeres Plakat könnte also durchaus gewollt sein. Schlechte Plakate können aber definitiv nach hinten losgehen, wenn sie selbst Thema in der öffentlichen Debatte werden, weil sie zum Beispiel unfreiwillig komisch sind.

Stören inhaltsleere Plakate den Wähler oder ist alles gut, solange das Gesicht sympathisch wirkt?

Die Hauptwirkung der Plakate liegt in der Mobilisierung der eigenen Wähler und der Bevölkerung insgesamt. Für Inhalte gibt es deutlich bessere Wahlkampfmittel, etwa Programme, TV-Runden oder Reden. Gesichter sind allerdings nicht unwichtig: Die Forschung hat festgestellt, dass die physische Attraktivität von Kandidaten sich tatsächlich positiv auf ihre Wahlchancen auswirkt, auch wenn das nur ein kleiner Effekt von Wahlkämpfen ist.

Wird der Trend zu Plakaten ohne Inhalten stärker?

Ich sehe im Augenblick eigentlich bei allen Parteien zumindest den Versuch, mit einfachen Slogans einige grundlegende Inhalte zu transportieren. Ob das immer besonders gut gelingt, darüber lässt sich streiten. Aber ich sehe noch keinen Trend zur kompletten Inhaltslosigkeit.

Wenn Sie selbst ein Plakat gestalten könnten, wie würde dies aussehen?

Ich bin eigentlich ganz froh, dass ich Politikwissenschaftler bin, und kein politischer Marketingstratege. Aber wenn ich so etwas gestalten müsste, dann würde ich versuchen, den inhaltlichen Kern der Partei zu kommunizieren. Themen wie Wohlstand und Sicherheit für die Union, soziale Gerechtigkeit für die SPD. Und vielleicht auch mal ein lustiges oder überraschendes Plakat bringen, das Aufmerksamkeit gewinnt. Viel mehr geht mit Plakaten kaum.

>>> Zur Person

  • Prof. Dr. Tim Spier, geboren 1975, ist ein deutscher Politikwissenschaftler. Seit 2012 ist er Juniorprofessor für Politikwissenschaften in Siegen mit dem Schwerpunkt „Politisches System der Bundesrepublik Deutschland“.
  • In den Jahren 2003 bis 2006 promovierte der Wissenschaftler an der Universität Göttingen. Seine Dissertation, welche den Titel „Die Wählerschaft rechtspopulistischer Parteien in Westeuropa. Eine Untersuchung der so genannten Modernisierungsverlierer-These“ trägt, schloss Spier mit Bestnote ab.
  • Ein weiteres Forschungsfeld Tim Spiers ist die empirische Wahlforschung.

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