Justiz

Rentner stalkt Schmallenbergerin (25) und landet vor Gericht

Der Angeklagte musste sich vor dem Amtsgericht in Bad Fredeburg verantworten.

Der Angeklagte musste sich vor dem Amtsgericht in Bad Fredeburg verantworten.

Foto: Jürgen Kortmann

Schmallenberg.  Beim Einkauf habe sich der damals 66-Jährige „total verliebt“: Es folgen Einbrüche und Sachbeschädigungen und ein Urteil vor dem Amtsgericht.

Blind vor Liebe? Zumindest blind vor den Folgen seines Handelns war ein 67-jähriger Schmallenberger, weshalb er sich kürzlich vor dem Amtsgericht in Bad Fredeburg verantworten musste. Der Vorwurf: Zweimaliger Hausfriedensbruch und einmalige Sachbeschädigung. Was anfangs nicht weiter spektakulär klingt, gleicht bei genauerer Betrachtung doch dem Vorwurf des Nachstellens oder Stalkings.

Einbruch in Kindergarten

Beim Einkaufen habe sich der Rentner im Frühjahr 2019, wie er selber erklärte, in eine Verkäuferin verliebt. Er 66 Jahr alt, sie 25. „Ich war richtig verliebt, was sollte ich machen?“, bittet der Rentner vor Gericht um Verständnis. Doch auf die Avancen des Rentners geht die Verkäuferin nicht ein. Was den damals 66-Jährigen nicht davon abhält, um die Gunst der jungen Dame zu kämpfen, ihr sogar nachzustellen. Er findet ihre Adresse heraus und bricht nachts gegen 22.30 Uhr in einen Schmallenberger Kindergarten ein, um von dort aus in die Wohnung der Verkäuferin zu blicken. Das Ganze wiederholt er ein zweites Mal.

Richter Ralf Fischer: „In ihrem Liebeswahn sind sie hier in Persönlichkeitsrechte eingedrungen.“ Er wisse selber nicht, was ihn da geritten habe, sagt der Angeklagte. Es tue ihm Leid, es sei ein Fehler gewesen. Ein Fehler, den er am 19. März diesen Jahres wiederholte. Denn der Angeklagte vermutete die Verkäuferin in der Wohnung eines anderen Mannes. Auch hier stellte er der jungen Frau nach und warf mit Steinen an die Jalousie des Zimmers, in der sie sich vermutlich mit dem Mann befand. „Total bescheuert“, wie der Rentner einräumt: „Aber alles, was in der Anklage steht, stimmt so.“

Krankhafte Züge

Das Verhalten habe krankhafte Züge, so Fischer, denn ein Einzelfall sei es nicht. Auch in den 90er Jahren habe der Schmallenberger bereits einer Frau nachgestellt: „Hier besteht psychiatrischer Handlungsbedarf.“ Der Rentner, laut eigener Aussage seit 20 Jahren in einer festen Beziehung, machte deutlich, dass solche Taten nicht noch einmal vorkommen werden, er sich auch auf psychiatrische Gespräche einlassen werde.

Während die Staatsanwaltschaft mit den Worten „Liebe macht zwar blind, schützt aber vor Strafe nicht“ 90 Tagessätze a 50 Euro forderte, bat der Anwalt des Angeklagten auch aufgrund der Reue seines Mandaten um Nachsicht. Es sei eine Fehlreaktion gewesen, der Angeklagte habe seinen Kopf verloren. Unter Tränen erklärte der 67-Jährige: „Ich sehe ein, dass ich einen Fehler gemacht habe.“

Aufgrund der vorherigen Delikte sei eine Einstellung des Verfahrens nicht möglich, so Richter Fischer, weshalb es im Urteil auf eine Strafe von 70 Tagessätzen a 30 Euro hinauslief. Es sei ein „sehr gnädiges Urteil“, so Fischer, denn die Forderung der Staatsanwaltschaft sei sicher nicht überzogen gewesen. Doch das Alter des Angeklagten, sein Einkommen und die Reue vor Gericht würden sich mildernd auf das Urteil auswirken: „Und ich gebe ihnen einen ganz heißen Tipp: Schauen sie, ob sie ein oder zwei Gespräche mit einem Psychologen suchen, denn ganz normal war dieses Verhalten nicht.“

So ist die gesetzliche Lage

Im deutschen Strafgesetzbesuch wurde der Straftatbestand der „Nachstellung“ im März 2007 eingeführt.

Zuvor wurden Verhaltensweisen des Nachstellens, zum Beispiel Bedrohung, Hausfriedensbruch, Sachbeschädigung, Körperverletzung oder Beleidigung über andere Straftatbestände geregelt.

Im März 2017 wurde dann das Gesetz zur Verbesserung des Schutzes gegen Nachstellung verabschiedet.

Damit wird der Täter nicht mehr nur dann bestraft, wenn das Nachstellen Folgen beim Opfer hat, sondern schon dann, wenn die Tathandlungen zu Folgen hätten führen können.

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