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Rollentausch: Polizei in Meschede mit Sicht von Einbrechern

Ein ganz schwerer Fehler: Keiner im Haus, aber das Fenster auf Kipp hinterlassen. Einbrecher brauchen zum Öffnen nur Sekunden, weiß Werner Hengesbach.

Foto: Jürgen Kortmann

Ein ganz schwerer Fehler: Keiner im Haus, aber das Fenster auf Kipp hinterlassen. Einbrecher brauchen zum Öffnen nur Sekunden, weiß Werner Hengesbach. Foto: Jürgen Kortmann

Meschede.   Unterwegs mit einer Sonderstreife der Polizei: Die nimmt Häuser aus der Sicht von Einbrechern unter die Lupe - mit alarmierendem Ergebnis.

Ungewöhnlicher Rollentausch: Die Polizei nimmt in Meschede ein Wohnviertel genauer unter die Lupe – aber aus der Sicht von Einbrechern. Nachher steht fest: Vielerorts wird es Verbrechern zu leicht gemacht. Kleinigkeiten könnten manches erschweren.

Das Wohngebiet

„Brennpunktorientierte Kriminalprävention“ heißt so eine Aktion der Polizei eigentlich. Bei der Kreispolizeibehörde mag man die Bezeichnung nicht: „Wir haben in Meschede keine Brennpunkte“, sagt Sprecher Sebastian Held. Man hat das kurzerhand in „Präventivstreife“ umbenannt. Es gibt zwar keine Brennpunkte, aber eben Straßen, an denen durchaus eingebrochen wird.

Dreimal zum Beispiel in der letzten dunklen Jahreszeit rund um die Hückeler Höhe im Norden, erinnert der Bezirksbeamte Werner Hengesbach. In Uniform schauen sich die Polizisten bei einer Sonderstreife die Gegend an. Oliver Milhoff vom Kriminalkommissariat Vorbeugung wechselt im Rahmen der Präventionswoche „Riegel vor“ die Seite: Er betrachtet alles mit Einbrecher-Augen.

Ds Prominenten-Haus

Leichte Beute: Das Wohnhaus eines Mescheder Prominenten. Den Spruch „Jesus hat geholfen“, liest man darin. Gegen Einbrecher reicht das aber nicht. Hier ist zwar in einbruchssichere Fenster investiert worden.

Aber auch die sollte man eben nicht auf Kipp stehen lassen, wenn niemand im Haus ist.

Auch abschließbare Griffe an Fenstern und Türen sind vorhanden – eigentlich vorbildlich. Dumm nur, dass die Schlüssel alle drin stecken. „Leichtsinnig“, so das Urteil von Oliver Milhoff. Im Briefkasten hinterlässt er einen Zettel, dass die Polizei heute Sicherheitsmängel festgestellt habe: „Doch wer könnte es morgen sein?“

Die Grundstücke

Die Polizei betritt auch die Grundstücke, schaut hinter den Häusern nach. Es ist morgens, das Wohngebiet weitgehend menschenleer. Niemand bemerkt die Uniformierten, die sich auffällig umschauen. Viele Grundstücke sind klein und von hohen Hecken umgeben: Das verschafft Privatsphäre.

Einbrecher lieben das ebenfalls. Sie sind auch nicht zu sehen: „Das ist herrlich zum Kundschaften. Sind sie einmal hinter dem Haus, haben sie alle Zeit der Welt“, so Milhoff. Gleich am ersten Haus findet er hinter der Hecke wieder ein auf Kipp stehendes Fenster: Geschützt gegen Blicke, kein Einbruchsschutz – „in zehn Sekunden ist man hier drin“, so der Profi.

Die Täter

Ein Hausbesitzer, der noch nichts gegen Einbruchsschutz unternommen hat, gesteht: „Ich habe manchmal schon ein mulmiges Gefühl“ – wegen der Autobahn in der Nähe. Die Polizei unterscheidet: Einbrecher, die über die Autobahn anreisen, sind überörtlich tätig. Sie kommen schnell, verziehen sich genauso schnell. Sie laden auch größere Sachen aus den Wohnungen in ihre Fahrzeuge.

Der Einbrecher aus der Drogenszene dagegen, zu Fuß unterwegs, schnappt sich nur, was schnell in seinen Rucksack oder die Sporttasche passt. Das wird jetzt wieder zunehmen, garantiert Oliver Milhoff: „Bald werden wieder Geschenke gekauft“ – und dann wissen die Einbrecher, das mit hoher Wahrscheinlichkeit wieder Unterhaltungselektronik zu finden ist. So was ist schnell wieder zu Geld zu machen.

Schnelles Geld wäre auch an einem anderen Haus im Viertel zu machen: Wieder keiner daheim, wieder ein Fenster auf Kipp, wieder eine hohe Hecke, hier auch niedrige Fenster ohne Einbruchsschutz mit bester Sicht in die Innenräume. Hinter dem Haus liegen teure Reifen mit teuren Felgen offen herum: Es wäre eine Sekundensache, sie einzuladen. Bezirksbeamter Werner Hillebrand sagt: „Das ist ganz schnell zu Geld zu machen.“

Die Tipps

Wozu raten die Experten? Ein Hund schreckt ab – der müsste aber auch herumlaufen. Nur ein Schild „Hier wache ich“ schreckt keinen ab: „Das weckt keine Emotionen“, sagt Sprecher Sebastian Held. Videokameras „schrecken ein wenig ab“, meint Oliver Milhoff – viele hätten aber eine schlechte Qualität, sie müssten auch hoch genug hängen, um nicht mit einem Stock abgeschlagen zu werden.

Eine Kleinigkeit hilft: Das Geflimmer eines TV-Simulators. Das Risiko ist Einbrechern zu groß, dass jemand zuhause sein könnte. Gewohnheiten sollte man überdenken: Bei jedermann liegt der Autoschlüssel offen auf dem Dielenschrank kurz vor der Haustür – „das wissen auch die Täter“, so Sebastian Held. Insbesondere die, die sich auf „Homejacking“ spezialisiert haben, also einbrechen und dann gezielt Autos mitnehmen. Auch das: Sekundensache.

Die Investitionen

Wenn Experte Oliver Milhoff investieren würde: Wofür? „In den Schutz der Terrassentür, in bessere Fenster, in bessere Beleuchtung“, sagt er sofort. Einem Ehepaar zollt die Polizei großes Lob. Dort ist das beherzigt worden. Viele Zapfen in den Fenstern und Türen bedeuten mehr Sicherheit: „Je mehr Widerstand Einbrecher finden, desto eher brechen sie ab“, weiß Milhoff.

Da gibt es insgesamt ein Umdenken: Die Mescheder Polizei bemerkt mehr Einbruchsversuche, aber weniger tatsächlich ausgeführte Taten – ein Indiz für besser geschützte Häuser und Wohnungen. Diesem Ehepaar sagt er: „Sie können in Ruhe schlafen.“ Genau das hatte beide zu ihrer Investition bewegt: Sie wollten vor zwei Jahren in Urlaub fahren, hatten aber ein schlechtes Gefühl – und schützten erst ihr Haus.

>>>HINTERGRUND<<<

Aufpassen mit Facebook-Postings. „Wer so dumm ist und postet, er sei jetzt 14 Tage auf Mallorca, der muss wissen: Das ist eine Spitzen-Informationsquelle für Einbrecher“, sagt Bezirksbeamter Werner Hengesbach.

Nachdenken sollte man auch über die Jalousien daheim: Sind die tagsüber unten, zeigt dem Einbrecher das „in Sekundenschnelle“, so Hengesbach, dass vermutlich niemand da ist und in Urlaub sein könnte. Sind sie abends oben und ist das Haus dunkel, gilt natürlich der gleiche Fall.

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