Radtourismus

Ruhrtalradweg: Eine der teuersten Baustellen des Jahres 2019

Bauleiter Michael Klauke (links) und Bürgermeister Christoph Weber präsentieren den Plan für die Verlegung des Radwegs an der Ruhr.

Bauleiter Michael Klauke (links) und Bürgermeister Christoph Weber präsentieren den Plan für die Verlegung des Radwegs an der Ruhr.

Foto: Jürgen Kortmann

Freienohl.   Eine der teuersten Baustellen des Jahres im Stadtgebiet Meschede wird es in Freienohl geben. Das trifft nicht bei allen auf Verständnis.

Das wird eine der teuersten und aufwändigsten Baustellen dieses Jahres: In Freienohl kommt der Ruhrtalradweg dorthin, wo er dem Namen nach auch eigentlich verlaufen sollte – direkt an die Ruhr. Die Stadt rechnet mit Baukosten von 600.000 Euro, damit der Radweg künftig unter der Ruhrbrücke her verlaufen wird. Damit wird auch eine große Gefahrenstelle im Ort beseitigt.

Bisher verläuft der Radweg vom Eisenbahntunnel parallel zur Ruhr bis zur Straße Am Ruhrufer. An der Kreuzung komme es „regelmäßig zu dramatischen Situationen“, sagt Bürgermeister Christoph Weber: Denn an der Kreuzung kommen die Autos direkt aus der Kurve vom Breiten Weg heruntergefahren – Radfahrer müssen sich beeilen, um hier sicher über die Straße zu kommen. Für Weber ist hier „eine der größten Schwachstellen im Verkehr im Stadtgebiet“.

Umgehungsstraße der Autobahn

An der Straße selbst lässt sich nichts ändern. Sie ist offiziell auch Umgehungsstraße der Autobahn, und muss ausreichend Autoverkehr aufnehmen können. Den Bau einer großen Rampe von der Ruhrbrücke hinunter in die Straße Im Ohl ist verworfen worden: Viel zu aufwändig und keine Erleichterung für Radfahrer. „Wir haben alle Trassen geprüft“, sagt Bauleiter Michael Klauke. Auch eine Verlegung des Radweges auf die Mittelinsel in der Ruhr: Dort aber hätten viele Flächen gekauft und eine komplette Brücke für Radfahrer gebaut werden müssen.

Die Stadt greift stattdessen jetzt zu der einzigen kreuzungsfreien Lösung, bei der sich Autofahrer und Radfahrer gar nicht erst begegnen können. Der Ruhrtalradweg wird verlegt: Auf städtischem Grund wird der Radweg künftig auf 100 Metern direkt an der Ruhr entlang herführen.

Verlauf der Ruhr wird verlegt

Auch der Landesbetrieb Straßenbau nennt dies die „Vorzugsvariante“. Unter der Ruhrbrücke wird für Radfahrer eine Gitterrost-Konstruktion gebaut, um an dem Brückenpfeiler herumfahren zu können. Außerdem wird in dem Zuge auch auf 130 Metern der Verlauf der Ruhr verlegt und der Fluss dabei gleichzeitig weiter renaturiert: Bislang fließt die Ruhr hier durch den ersten und zweiten Brückenbogen hindurch, künftig dann durch den zweiten und dritten Bogen.

Inzwischen ist die größte Hürde für die Umsetzung genommen: Die so genannte wasserrechtliche Genehmigung durch die Kreisverwaltung als Fachbehörde für den Bau liegt vor. Denn es gab die Befürchtung, der Steg für die Radfahrer könnte viel zu häufig unter Wasser stehen – und der neue Radweg damit nicht genutzt werden.

Hohe Fördergelder

Das hat ein Fachbüro inzwischen aber ausgeschlossen. Es hat Pegelstände der letzten elf Jahre hochgerechnet: Im Durchschnitt wäre ein Steg demnach im Jahr zwischen 1,2 und 2,5 Tage überflutet gewesen – und auch eher selten im Sommer. Fachbereichsleiter Heinz Hiegemann sagte deshalb im Bezirksausschuss: „Wir können das Bauwerk völlig gefahrlos bauen. Es steht nicht pausenlos unter Wasser.“ Der Bau als Gitterrost wiederum ermöglicht als technische Lösung, dass das Wasser auch hindurchlaufen könnte.

Gelegenheit ist günstig

Für die Stadt ist die Gelegenheit günstig: Es gibt hohe Fördergelder sowohl für Gewässer-Renaturierung als auch für Mobilität. In dieser Kombination kommt Meschede in die Lage, dass 75 Prozent der Gesamtkosten gefördert werden. Der Förderbescheid von der Bezirksregierung ist inzwischen im Rathaus eingetroffen.

Weber betont: „Wir müssen die Chance nutzen, die uns über Fördermöglichkeiten eröffnet werden.“ Er kennt durchaus Kritik aus Freienohl an den Kosten: Denn für das Geld, das hier an der Ruhr investiert wird, wäre auch ein Küppelturm zu bauen. Er hält den Vergleich für unfair: „So hart es auch klingt: Es gibt keine Fördertöpfe, aus denen wir einen Turm bauen könnten.“ Zumal: Die Stadt werde sich ja auch mit 100.000 Euro am Küppelturm beteiligen.

Für bessere Gewässer sorgen

Die Europäische Union verpflichtet die Staaten, bis 2027 für bessere Gewässer zu sorgen. Also auch an der Ruhr. Jenseits der Ruhrbrücke ist die Renaturierung bereits erfolgt. Der Ruhrtalradweg soll in einem zweiten Bauabschnitt 2020 dann in der Verlängerung künftig komplett durch die Ruhrauen entlangführen – von der Eisenbahnbrücke bis zu der Langelbrücke.

Bahn will Radfahrer durch den Ort schicken

Bei der Deutschen Bahn laufen gegenwärtig bereits die Planungen für die Tunnel-Sanierungen auf der Oberen Ruhrtalbahn. Dabei wird auch der Freienohler Eisenbahntunnel neben dem Ruhrtalradweg saniert. Die Bahn will während der Bauphase Radfahrer über die Bahnhofstraße durch den Ort fahren lassen.

Das lehnt die Stadt Meschede ab: Es sei zu gefährlich. Ziel der Stadt ist es gerade, zu erreichen, dass Radfahrer trotz des Baustellenverkehrs den Radweg weiter nutzen können: „Da laufen konstruktive Gespräche mit der Bahn“, so Fachbereichsleiter Heinz Hiegemann.

Der Freienohler Tunnel soll in den Jahren 2023 bis 2026 saniert werden.

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