Asylunterkunft

Schmallenberg: Asylbewerber sollen Valentinschule verlassen

Das Gebäude der ehemaligen Valentinschule soll nach dem Willen der Stadtverwaltung bald nicht mehr von Asylbewerbern bewohnt, sondern für die Kinderbetreuung genutzt werden.

Foto: Katrin Clemens

Das Gebäude der ehemaligen Valentinschule soll nach dem Willen der Stadtverwaltung bald nicht mehr von Asylbewerbern bewohnt, sondern für die Kinderbetreuung genutzt werden. Foto: Katrin Clemens

Schmallenberg.   Die Stadt Schmallenberg will Asylbewerber in kleineren Wohneinheiten unterbringen. Einige Bewohner der Dörfer kritisieren die Entscheidung.

Die Zahl der Asylbewerber im Stadtgebiet ist gesunken, deshalb ändert die Verwaltung ihr Unterbringungskonzept: Sie will die öffentlichen Gebäude für mittlerweile drängendere Aufgaben wie die Kinderbetreuung nutzen und bei der Unterbringung der Asylbewerber auf kleinere Wohneinheiten setzen.

Nach der Grundschule in Westfeld soll jetzt auch die Schmallenberger Valentinschule geräumt werden, um sie anderweitig zu nutzen. Die Stadt hat ihre Pläne bei mehreren Gelegenheiten öffentlich dargelegt und erntet dafür auch deutliche Kritik.

Bei einer Versammlung mit den Bewohnern der Valentinschule und ehrenamtlichen Helfern hat das Sozialamt vor Kurzem angekündigt, dass die Bewohner nach und nach umziehen sollen. „Eine ehemalige Schule kann immer nur behelfsmäßig genutzt werden, wir wollen gute Wohnverhältnisse für die Menschen“, sagt Carmen Oberstadt vom Sozialamt.

Wer wohin zieht, werde nach und nach geklärt, außerdem sollten Arbeitsverhältnisse, Schulen der Kinder, Familienverhältnisse und Nationalitäten bei der künftigen Unterbringung berücksichtigt werden. Wer bereits anerkannt sei, habe ja ohnehin die Möglichkeit, privat eine Wohnung zu suchen.

Schwierigkeiten bei Integration

Während Oberstadt von einem „einvernehmlichen“ Treffen in der Valentinschule spricht, geben die Ehrenamtlichen einen ganz anderen Eindruck wieder. Sie kritisieren, dass ausgerechnet zuerst im Zentrum gehandelt werde. „Ich habe den Eindruck, dass die Asylbewerber in der Kernstadt nicht gewollt sind“, sagt eine von ihnen.

„Es kann nicht sein, dass die Randgebiete wieder stärker belegt werden als die eigentliche Kernstadt“, meinte auch Rudolf Ewers von der BFS im Haupt- und Finanzausschuss. Rund 50 Asylbewerber kommen in diesen Wochen neu nach Schmallenberg, sie sollen über das gesamte Stadtgebiet verteilt untergebracht werden. Aus seiner Sicht sei die Integration in abgelegeneren Dörfern mit seltenen Anbindungen an den öffentlichen Nahverkehr viel schwieriger, sage Ewers.

„Die Schwierigkeit der Integration ist überall die gleiche“, hielt der Erste Beigeordnete Burkhard König dagegen. Außerdem gehe es darum, angemessenere Wohnformen zu finden. „Es kann nicht das Ziel sein, dass sie dauerhaft in den Asylunterkünften bleiben.“ Ein Umzug in kleinere private Wohneinheiten sei ebenfalls wichtig für die Integration.

Das Ziel der Stadt ist es, die Valentinschule ebenso wie die Westfelder Grundschule bald für andere Zwecke zu nutzen. Die Idee für die Valentinschule: Im ersten Obergeschoss könnte das Jugendamt untergebracht werden, denn im Rathaus herrscht Platzmangel, weil die Verwaltung seit Errichtung des Gebäudes deutlich gewachsen ist. Außerdem könnte die Volkshochschule zusätzlichen Platz bekommen, um die Nutzung des Schulzentrums in den Abendstunden zu verringern.

Engpass bei Betreuungsplätzen

Das Erdgeschoss könnte nach ersten Ideen der Verwaltung in Zukunft für Kindergärten und Kindertagespflege genutzt werden. Wie berichtet ist der Bedarf an Betreuungsplätzen in der Kernstadt stark angestiegen – so sehr, dass schon in diesem Sommer Ausweichmöglichkeiten her müssen und der Bedarf im Sommer 2018 voraussichtlich nicht mehr gedeckt werden könnte.

Dass diese Pläne erst einmal weiter verfolgt werden, dem stimmten die Mitglieder des Haupt- und Finanzausschusses zu, wenn auch mit einer vorherigen Mahnung von Franz-Josef Pape von der BFS: „Wir sollten nicht den Fehler machen, nicht eine gewisse Reserve an Plätzen für Asylbewerber vorzuhalten.“

>> RUND 120 FREIE PLÄTZE

  • 180 Asylbewerber leben circa derzeit im gesamten Schmallenberger Stadtgebiet, vor etwas mehr als einem Jahr waren es zeitweise bis zu 600 Personen.
  • 170 der bereits anerkannten Asylbewerber beziehen Arbeitslosengeld II.
  • 120 freie Plätze als Reserve gibt es nach Angaben von Sozialamtsleiter Ulrich Hesse derzeit in etwa in den städtischen Gebäuden.

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