Forstwirtschaft

Schmallenberg: Waldbauern setzen auf Fichte als Brotbaum

Wenn in Deutschland eine Fichte fällt, dann liegt das in jedem vierten Fall an Wetterschäden oder Schädlingsbefall. Im Sauerland gibt es in diesem Sommer viele Schäden durch Borkenkäfer. Foto:dpa/Oliver Berg

Wenn in Deutschland eine Fichte fällt, dann liegt das in jedem vierten Fall an Wetterschäden oder Schädlingsbefall. Im Sauerland gibt es in diesem Sommer viele Schäden durch Borkenkäfer. Foto:dpa/Oliver Berg

Schmallenberg.   Die Sauerländer Waldbauern sehen die Fichte weiter als ihren Brotbaum an – Experten weisen aber auch auf die Risiken der Art hin.

Sie ist nicht nur der Baum des Jahres in ganz Deutschland, sondern für die Sauerländer vor allem ihr sprichwörtlicher „Brotbaum“: die Fichte. Waldbauern aus dem Oberen Sauerland haben sich jetzt mit Experten des Landesbetriebs Wald und Holz NRW über die Zukunft der Fichte in ihren Wäldern ausgetauscht – denn der Klimawandel sorgt bereits jetzt an einigen Standorten für Probleme.

Die Fichte soll auf jeden Fall weiter ein wichtiger Teil der Waldbewirtschaftung im Sauerland bleiben – darin waren sich Waldbauern und Forstexperten bei ihrem Treffen im Regionalforstamt einig. „Die Fichte ist der wichtigste Holzlieferant in unserer Region“, sagte Dr. Bertram Leder, der beim Landesbetrieb Wald und Holz NRW zum Thema Waldbau forscht. „Es ist eine waldbauliche Herausforderung, mit ihr weiterzuarbeiten.“

Hohes Risiko bei reinen Fichtenkulturen

Denn das Sauerland gehört gar nicht zum natürlichen Verbreitungsgebiet der Fichte. Sie wurde in der Region aus wirtschaftlichen Gründen angebaut – und ist mittlerweile „für die Existenz vieler Forst- und Holzbetriebe unverzichtbar“, so Leder.

Das Problem: Die Fichte birgt auch ein hohes Risiko. Etwa ein Viertel der jährlichen Fichtennutzung in Deutschland sei gar nicht auf gewollte Fällungen zurückzuführen, sondern auf Schäden durch bestimmte Wetterlagen und Schädlingsbefall, machte Forstdirektor Hans von der Goltz deutlich.

Das Risiko von Schäden steige bei einseitiger Bewirtschaftung: In gleichaltrigen Monokulturen können zum Beispiel Stürme viel größere Schäden anrichten als in Mischwäldern. Schmerzlich zu spüren bekommen haben die heimischen Waldbauern das nach Kyrill.

Folgen der Erderwärmung

„Zum Risiko gehört auch der Klimawandel“, so Leder. Die Experten gehen für die Zukunft in etwa von folgender Rechnung aus: Steigt die durchschnittliche Jahrestemperatur um zwei Grad Celsius und sinkt der Niederschlag um zehn Prozent, dann wären ganze 50 000 Hektar an Waldfläche im Sauerland für die Fichte nicht mehr standortgerecht.

Probleme hat die Fichte schon jetzt an trockeneren Standorten wie etwa Südhängen. Die Strategie der Experten ist es deshalb, auf Mischwälder zu setzen und neue Arten anzupflanzen, die aufgrund ihrer Eigenschaften wahrscheinlich besser mit dem für die Zukunft erwarteten Klima klarkommen werden. Deshalb beschäftigen sich die Forstleute etwa mit Douglasien, Roteichen, Küstentannen, Weißtannen, Esskastanien und Schwarzkiefern.

Experte sieht Vorteile in Mischwäldern

„Ein bisschen Hellseherei ist schon dabei“, gibt Leder zu. Aus seiner Sicht sei es aber die richtige Strategie, um in Zukunft auch mit der Fichte weiter rentabel wirtschaften zu können. „Mischwälder haben wirtschaftliche, ökologische und gesamtgesellschaftliche Vorteile“, so Leder. Davon versucht er möglichst viele Privatwaldbesitzer zu überzeugen.

Die wiederum sind naturgemäß an einer ertragreichen Waldbewirtschaftung interessiert – und auch diejenigen, die offen für Mischwälder mit neuen Arten sind, fühlen sich in der Diskussion um die Fichte oft angegriffen.

Sie wollen die traditionelle Fichtennutzung im Sauerland keinesfalls ganz aufgeben. In diesem Punkt herrschte Konsens unter Waldbauern und Forstleuten.

>> VIELE FICHTEN IM PRIVATWALD

  • 30 Prozent der Bäume in den Wäldern Nordrhein-Westfalens sind in etwa Fichten – damit ist sie die häufigste Baumart im Land.
  • 70 Prozent aller Fichten in NRW stehen in Privatwäldern.
  • 66 Jahre sind sie im Schnitt alt.
  • 40 bis 50 Meter hoch kann ein Exemplar werden.
  • 800 Millimeter Niederschlag pro Jahr braucht eine Fichte mindestens, um gut zu wachsen, mindestens 450 Millimeter des Regens sollten aber während der Vegetationszeit fallen, um den Wasserbedarf zu decken.

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