Medizin

Schmallenberger Mediziner wirbt für die Organspende

Der Ausweis zeigt an, welche Organe man nach seinem Tod  spenden möchte.  In Deutschland ist die Bereitschaft ihn auszufüllen sehr gering.

Foto: Caroline Seidel

Der Ausweis zeigt an, welche Organe man nach seinem Tod spenden möchte. In Deutschland ist die Bereitschaft ihn auszufüllen sehr gering. Foto: Caroline Seidel

Schmallenberg.   Jeder sollte sich aktiv für oder gegen die Organspende entscheiden müssen, das fordert Dr. Hans-Georg Grobbel. Warum, erklärt er im Interview.

Mehr als 10 000 Menschen standen zum Ende des vergangenen Jahres auf der Warteliste für ein Spenderorgan. Die traurige Realität ist, dass nicht alle rechtzeitig eines bekommen. Durch Aufklärung will Dr. Hans-Georg Grobbel etwas dazu beitragen, dass sich mehr Menschen zur Spende bereiterklären. Ihn selbst hat kein geringerer als der Bundespräsident dazu motiviert.

Haben Sie selbst einen Organspendeausweis?

Dr. Hans-Georg Grobbel: Ja, ich habe den alten Papierausweis 2010 erneuert durch eine Plastik-Karte. Damals hat Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier seiner Frau eine Niere gespendet. Das fand ich toll und habe mir selbst einen Ausweis angeschafft beziehungsweise ihn erneuert.

Ich war im Fredeburger Krankenhaus selbst Transplantationsbeauftragter. Das Problem ist, dass wir in Deutschland viel zu wenig Spender haben und die Zahlen seit 2011 um etwa 40 Prozent gesunken sind. Es sterben täglich etwa drei Menschen, die gerade auf ein Organ warten.

Als Spender kommen Menschen in Frage, die hirntot sind – vielleicht haben viele Angst, dass im Ernstfall für sie nicht wirklich alles getan wird, wenn sie als Spender in Frage kommen.

Diese Angst ist irrational. Denn es ist gerade so, dass potenzielle Spender sehr gut intensivmedizinisch versorgt werden müssen. Denn der Kreislauf muss aufrechterhalten werden, damit die Organe, die später entnommen werden, durchblutet bleiben.

Und die Diagnose des Hirntods ist sattelfest. Dafür gibt es strenge Vorschriften und es müssen zwei Mediziner unabhängig voneinander den Hirntod feststellen. Die Diagnose ist für Angehörige sehr schwer zu akzeptieren, weil der Patient noch rosig aussieht und sich sein Brustkorb bewegt. Tatsächlich ist er aber tot. Diese Situation ist für Angehörige umso belastender, wenn sie dann noch entscheiden sollen, ob derjenige Organspender sein soll oder nicht. Ein weiterer wichtiger Grund, selbst vorzusorgen.

Was genau bestimmt man mit dem Ausweis?

Zunächst ist er ein rechtliches Dokument, an das sich alle Ärzte halten müssen. Man kann darauf verzeichnen, ob man Organe spenden möchte oder nur bestimmte – und man kann auch festlegen, dass man auf keinen Fall Spender werden will. Wenn jemand dieser Auffassung ist und im Gegenzug auch nie ein Organ empfangen will, muss man das auch akzeptieren. Grundsätzlich sind die meisten Menschen aber bereit zu helfen.

Warum gibt es dann trotzdem zu wenig Spender?

Aktuell haben wir in Deutschland die Entscheidungslösung. Das heißt die Menschen müssen sich zu Lebzeiten selbst für die Organspende entscheiden oder ihre Angehörigen müssen es im Notfall tun.

In anderen Ländern ist man da fortschrittlicher. Dort ist jeder ein potenzieller Organspender, es sei denn er widerspricht ausdrücklich. Ohne diese Regelung kommen wir wohl auch in Deutschland nicht wesentlich weiter. Die Leute beschäftigen sich nicht gern mit dem eigenen Tod, es ist ein Tabu-Thema.

Sie sind eigentlich Orthopäde in Schmallenberg, setzen sich aber für die Aufklärung auf Feldern wie Organspende und Reanimation ein. Wie kommt das?

(lacht) Mann muss auch mal über den eigenen Tellerrand schauen. Diese Themen sind einfach wichtig, deshalb mache ich mich gerne stark dafür und werde demnächst bei einem Vortrag über die Organspende informieren. Die Spendebereitschaft ist aus meiner Sicht auch ein Akt der Solidarität und Nächstenliebe.

>>>HINTERGRUND

Zu einem Vortrag über das Thema Organspende lädt Dr. Hans-Georg Grobbel für Samstag, 2. Juni, um 10 Uhr ins Alexanderhaus ein.

Immer am ersten Samstag im Juni findet der jährliche Tag der Organspende statt, der zur Aufklärung über das wichtige Thema beitragen soll.

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