Corona-Krise

Schmallenberger Schüler sind schon genervt von Maskenpflicht

Markus Kaiser unterrichtet Sport und Mathe am Schmallenberger Gymnasium. Was er über die Maskenpflicht und den zukünftigen Sportunterricht denkt. 

Markus Kaiser unterrichtet Sport und Mathe am Schmallenberger Gymnasium. Was er über die Maskenpflicht und den zukünftigen Sportunterricht denkt. 

Foto: Alexander Lange

Schmallenberg.  Um einen Schluck zu trinken, müssen sie die Klasse verlassen. Welche Regeln noch am Gymnasium gelten und welche Probleme es im Bus gab.

Es ist ein denkwürdiger Start in ein Schuljahr voller Ungewissheit. Neue Lehrer, neue Klassenräume, neue Stundenpläne - sie alle rücken in den Hintergrund. Denn über allem steht die Maskenpflicht. Maske im Bus, Maske auf den Gängen, Maske in der Klasse. „Ja, die Maske wird vermutlich einen Einfluss auf den Unterricht haben“, sagt Elke Winekenstädde, Schulleiterin des Schmallenberger Gymnasiums.

Sämtliche Türen sind mit Hinweisschildern beklebt. Es geht um das richtige Tragen der Masken, Sicherheitsabstände und Desinfektionsmittel. Das Treppenhaus ist mit Klebeband in zwei Laufrichtungen unterteilt, hinzukommen extra ausgeschilderte Ein- und Ausgänge. In den Klassen müssen die Schülerinnen und Schüler Maske tragen - rund um die Uhr. Die Lehrer müssen es nicht. Für sie ist mit Klebeband der Bereich markiert, indem sie zu den Schülern den 1,5-Meter-Sicherheitsabstand einhalten. In dem Bereich braucht es keine Maske. Aus Solidarität tragen trotzdem einige Lehrer eine Maske.

Begeisterung hält sich in Grenzen

Markus Kaiser unterrichtet Sport und Mathe am städtischen Gymnasium. Ihm bleibe nichts anderes übrig, als sich an die Vorgaben zu halten: „Grundsätzlich freue ich mich aber, dass es wieder losgeht. Wir müssen das Beste aus der Situation machen.“

Die Begeisterung in seiner Klasse hält sich dafür in Grenzen. Auf die Frage, ob sie lieber in kleineren Klassen, dafür ohne Maske unterrichtet werden wollen - so wie es vor den Ferien war - lautet die kollektive Antwort „Ja!“.

Während Max die Maske „einfach nur nervig“ findet, hat Finja sich „irgendwie dran gewöhnt“ und Verständnis für die Pflicht. Jona „schwitzt total, vor allem noch bei diesem Wetter“, Alisha stört die Maske bei der Verständigung: „Ich erkenne die Mimik gar nicht, das ist schlecht für die Verständigung. Und dann beschlägt die Brille ständig, man sieht nichts und versteht nichts.“

Unruhe entsteht vor allem dann, wenn die Schüler etwas trinken wollen. Dafür müssen sie sich melden, mit ihrer Trinkflasche vor die Tür gehen, die Maske absetzen, einen Schluck trinken und wieder hereinkommen. „Auf diese Regelung haben wir uns für die ganze Schule geeinigt“, sagt Winekenstädde. Abgesetzt wird die Maske nur an der frischen Luft und auch nur dann, wenn die Mindestabstände eingehalten werden können.

Leere Schulbusse

In den Schulbussen sei es am Morgen auch leerer gewesen. Knapp ein Viertel der Schüler, die sonst mit dem Bus gefahren sind, seien gelaufen oder von Eltern gefahren worden. Hendrik: „Meine Mama wollte einfach nicht, dass ich mit dem Bus fahre, dann hat sie mich lieber gebracht.“ „Ungewöhnlich“, fand Maja die Busfahrt: „Ich komme von Fleckenberg, es war die ganze Fahrt ein komisches Gefühl. Man erkennt viele Leute mit der Maske auch gar nicht.“

Wie der Sportunterricht ablaufen werde, das könne Klassenlehrer Kaiser noch gar nicht sagen: „Wir können die Umkleiden ja zum Beispiel gar nicht nutzen.“ Man werde eine Lösung finden. Wie die aussehe, sei offen.

Einen Sonderfall gibt es in der 6a, hier trägt niemand eine Maske. „Denn einer der Schüler ein eingeschränktes Hörvermögen“, sagt Co-Klassenlehrer Jonas Ivo: „Wenn wir durch die Maske reden, versteht er uns nicht, zudem ist er darauf angewiesen, vieles von den Lippen zu lesen.“ Zusätzlich werde ein Mikrophon herumgereicht, um die Stimmen zu verstärken: „Wir haben dann probiert, die Schüler möglichst weit auseinander zu setzen, das klappt auch ganz gut.“

Zehn Minuten Extra-Pause

„Ja, es kommen viele Fragen“, sagt Schulleiterin Elke Winekenstädde. Alle Vorgaben umzusetzen sei schwierig, weil die Gegebenheiten von Schule zu Schule auch anders seien. In jeder Doppelstunde gebe es zumindest zehn Minuten Extra-Pause, um sich auf dem Schulhof der Maske zu entledigen, um durchzuatmen: „Ob und wie das alles funktioniert, das können wir auch erst nach ein paar Wochen abschätzen.“ Die landesweite Testphase laufe jetzt bis Ende August, dann sehe man weiter. Bei aller Extraanstrengung müsse man auch sehen, dass es um die Gesundheit aller gehe, dass die Situation für alle Beteiligten schwierig sei.

200 Masken vom Land

200 Masken seien vom Land geliefert worden, die sollen aber nur anlassbezogen „oder in Notfällen“ genutzt werden, sagt Winekenstädde. In einem Elternbrief habe sie empfohlen, dass jeder Schüler täglich drei Masken mitbringen möge, um diese auch regelmäßig zu wechseln: „Aber ohne Maske habe ich hier auch niemanden gesehen. Die Schülerinnen und Schüler sind wirklich sehr diszipliniert und machen gut mit, das ist schön zu sehen.“

Widersacher gebe es bislang keine: „Es müssen alle dahinterstehen und das tun sie auch. Aber wenn sich jemand mehrmals widersetzt, dann machen wir ihn drauf aufmerksam. Und wenn er sich dann nicht an die Maskenpflicht hält, dann lassen wir ihn auch abholen oder schicken ihn nach Hause.“

Neue Hitzefrei-Regelung und Abschlussfahrt der Q2

Wegen des heißen Wetters, der hohen Temperaturen und der Maskenpflicht weitete das Ministerium die Hitzefrei-Regelung auf die Schüler der Sekundarstufe II aus. Wenn die Temperaturen in den Räumen auf mehr als 27 Grad steigen, können damit auch Oberstufenschüler hitzefrei bekommen.

Die Abschlussfahrt der Q2 des städtischen Gymnasiums zum Bodensee findet nach aktuellem Stand statt. Los geht es am 24. August.

Wie es um die digitale Ausstattung an Schmallenbergs Schulen bestellt ist, lest ihr hier.

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