Gericht

Schmallenberger stiehlt EC-Karte: „Brauchte Geld für Drogen“

In Bad Fredeburg wurde gegen einen 37-Jährigen verhandelt, der wegen einer möglichen Brandstiftung im Franz-Stock-Haus (Foto) bereits in Untersuchungshaft sitzt. Angeklagt war er in diesem Fall wegen Betrugs. 

In Bad Fredeburg wurde gegen einen 37-Jährigen verhandelt, der wegen einer möglichen Brandstiftung im Franz-Stock-Haus (Foto) bereits in Untersuchungshaft sitzt. Angeklagt war er in diesem Fall wegen Betrugs. 

Foto: Laura Handke

Schmallenberg.  Der 37-Jährige hebt Geld ab und überweist sich rund 1000 Euro. Er sitzt in U-Haft, weil er den Brand im Franz-Stock-Haus gelegt haben soll.

Ein 37-jähriger Bad Fredeburger wird in Handschellen und Fußfesseln vom Polizeibeamten in den Verhandlungssaal geführt. Er sitzt seit Januar in Untersuchungshaft, weil er den Brand im Franz-Stock-Haus gelegt haben soll (wir berichteten).

Anklage wurde bisher nicht erhoben - der Fall soll vor dem Landgericht noch verhandelt werden. Jetzt stand der 37-Jährige wegen einer anderen Sache vor Gericht: Und zwar, weil er eine EC-Karte gestohlen, damit Geld abgehoben und sich mit gefälschten Überweisungsträgern Geld überwiesen haben soll. Insgesamt rund 1322 Euro.

Mann brauchte Geld für Drogen

In der Verhandlung zeigte sich der Angeklagte schuldbewusst, auch Tränen flossen. „Ich weiß, dass ich das alles nicht hätte machen dürfen“, räumte er ein. Das erste mal seit langem stehe er nicht unter Einfluss von Drogen. „Die Kreditkarte habe ich gestohlen, um Geld für Drogen zu haben.“

Auch Richter Ralf Fischer erlebte den Mann anders: „Ich kenne Sie. So klar habe ich Sie noch nie erlebt.“ Eine Entschuldigung sei das nicht. Trotz des Drogenkonsums sei der Angeklagte „voll schuldfähig“ gewesen.

Weitere zehn Monate muss der Mann nun ins Gefängnis. Die Verhandlung wegen der Brandstiftung steht noch aus.

Erster Drogenkonsum in der Kindheit

Vor Gericht gab der Angeklagte auch einen Einblick in seine persönliche Geschichte: „Mit acht Jahren habe ich das erste Mal Drogen genommen. Ich hatte sie von Älteren, ich habe in einer Pflegefamilie gewohnt“, sagte er. Danach sei er nie wieder davon los gekommen: Marihuana, Amphetamine, Kokain und auch Alkohol hätten ihn sein Leben lang begleitet.

„2010 war ich für drei Monate in Therapie und drogenfrei. Danach ging es wieder los“, erinnerte er sich. Im Bundeszentralregister haben sich über die Jahre 15 Einträge gesammelt: schwerer Diebstahl, Unterschlagung, Computerbetrug, Sachbeschädigungen, Körperverletzungen, Fahren ohne Fahrerlaubnis, Beleidigung, Hausfriedensbruch, Nötigung, Bedrohung.

„Ein unbeschriebenes Blatt sieht anders aus“, betonte Richter Ralf Fischer. „Mir ist auch klar, dass das viel mit den Drogen zu tun hat.“

Auch jetzt sei das wieder der Grund, warum der Angeklagte eine neue Straftat beging - in seiner Bewährungszeit. „Ich brauchte das Geld. Ich wusste, dass der Mann seine EC-Karte und seinen PIN im Portemonnaie aufbewahrt. Dann habe ich 300 Euro abgehoben“, schilderte er.

Alles, was der Automat hergab. Fünf Überweisungsträger füllte er danach noch aus, fälschte die Unterschrift, und überwies Geld auf sein Konto.

Positive Entwicklung in Haft

Auch seine Bewährungshelferin bestätigte: „Ich habe ihn in Haft positiv erlebt: freundlich und reflektiert. Vorher waren kaum Gespräche möglich.“ In ihren Augen sei der 37-Jährige aber auch nicht stabil genug, um aus der Haft entlassen zu werden. „Die Inhaftierung war ein wichtiger Schritt und konnte ihn etwas wach rütteln.“

Im Gefängnis arbeitet der Angeklagte zurzeit in der Wäschekammer. „Ich habe auch schon zwei Drogenscreenings abgegeben. Beide negativ“, sagte er. „Ich mache viel Sport, habe Kontakt zu einer Suchtberaterin aufgenommen und fühle mich klarer“, so der Angeklagte. Er bricht in Tränen aus. „Ich wollte das nicht. Es tut mir leid.“

Vor einer Strafe könne ihn die Reue aber nicht bewahren: „Ich spüre, dass bei Ihnen eine Erkenntnis gekommen ist“, so Fischer. „Aber es gibt zahlreiche Vorstrafen, die Tat wurde in der Bewährungszeit begangen und die Therapie haben sie auch nicht freiwillig begonnen.“

Verurteilt wurde der 37-Jährige zu einer Haftstrafe von zehn Monaten, statt der von der Staatsanwaltschaft geforderten fünf Monate. „Das wäre angesichts der Umstände nicht vertretbar“, so Fischer. Er gab dem Angeklagten noch mit auf den Weg: „Ich wünsche Ihnen wirklich von Herzen, dass Sie noch die Kurve kriegen.“

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