Stadtgespräch

Schmallenbergerin startet Musikschule als Herzensprojekt

Agnetha Bräutigam führt ihre eigene Musikschule

Foto: Peter Beil

Agnetha Bräutigam führt ihre eigene Musikschule Foto: Peter Beil

Schmallenberg.   Im Tonstudio ihres Vaters Tom Astor betreibt Agnetha Bräutigam eine Musikschule. Die 31-jährige Schmallenbergerin hat noch einige Ideen parat.

Die Tom-Astor-Musikschule war ihre Idee: Für das junge Unternehmen ist Agnetha Bräutigam zurück ins Sauerland gekommen. In der Kernstadt führt die 31-Jährige nun die Musikschule, die nach ihrem Vater benannt ist. Im Stadtgespräch erklärt Agnetha Bräutigam, wie wichtig der Name bei der Gründung war, wie sie sich trotzdem ein eigenes Image aufgebaut hat und welche Ideen sie noch im Kopf hat.

Was bedeutet Ihnen die Musikschule?

Agnetha Bräutigam: Die Musikschule ist eine Herzenssache für mich. Ich wollte immer, dass die Räume hier erhalten bleiben und weiter von Musik erfüllt sind. Ich bin hier aufgewachsen, habe hier an der Bar gesessen, wenn mein Vater im Studio aufgenommen hat.

Welche Rolle spielt der Name „Tom Astor“ für das Unternehmen?

Die Authentizität der Räume kommt durch ihn, dadurch, dass hier kreativ gearbeitet und Erfolge erzielt wurden und auch noch werden. Er hat gerade sein neues Album hier produziert. Ich glaube das spüren die Kinder, wenn sie hier reinkommen. Natürlich hat der Name den Start der Musikschule erleichtert, aber mittlerweile haben wir uns ein eigenes Image als junges und modernes Unternehmen aufgebaut.

Was macht dieses Image aus?

Ich habe von vorneherein das Konzept gehabt, dass wir hier nicht mit Leistungsdruck oder strikt nach Lehrbuch arbeiten, sondern jedes Kind individuell motivieren. Und es ist sehr schön zu beobachten, wie sie sich entwickeln. Unsere musikalische Ausrichtung ist weniger klassisch, als modern. Das bedeutet wir unterrichten Pop, Rock und Jazz. Die Schüler lernen von Anfang an Songs zu spielen, die sie gerne hören.

Offensichtlich fühlen sich die Schüler hier wie zuhause.

Ja, sie kommen rein und legen sich auf’s Sofa. Dabei haben sie sehr viel Respekt voreinander und achten auch auf Einrichtung und Instrumente. Diese Atmosphäre ist uns sehr wichtig. Die Kinder sollen sich hier nicht fühlen wie in der Schule. Sie dürfen auch mal mit schlechter Laune kommen und ihren Stress hier abladen.

Sehen Sie die Gefahr, dass erste Erfolge den Schülern schnell zu Kopf steigen?

Im Gegenteil – sie sind alle sehr selbstkritisch, gerade die Jugendlichen sind schon sehr auf ihre Fehler fixiert. Vor allem im Gesang sind viele gehemmt. Nach Auftritten müssen wir sie eher auffangen. Da würde ich mir manchmal schon eher wünschen, den ein oder anderen wieder auf den Teppich holen zu müssen.

Wie wichtig ist Ihnen selbst die Musik?

Musik ist mir unglaublich wichtig, aber mehr davon umgeben zu sein als sie selbst zu machen. Mein Freundeskreis besteht quasi nur aus Musikern. Ich brauche gute, handgemachte Musik und habe auch ein geschultes Gehör, aber ich bin selbst nie Musikerin geworden wie mein Vater und mein Bruder. Ich spiele ein bisschen Gitarre, bin aber schnell mal frustriert, wenn es sich nicht gut anhört. (lacht)

Sie führen nicht nur die Musikschule, sondern machen im Anschluss an das Studium auch eine Ausbildung zur Psychotherapeutin – wie klappt das nebeneinander?

Darauf habe ich mich ganz gut eingependelt. Dadurch, dass ich hier mein eigener Chef bin, kann ich mir meine Zeit frei einteilen und lernen, wenn ich will. Ich finde, dass zur Psychotherapie eine gewisse Lebenserfahrung nötig ist, deshalb habe ich dabei keine Eile und lasse mir Zeit.

Was bedeutet Ihnen Schmallenberg?

Ich bin nach der Gründung der Musikschule aus Köln wieder hierhergezogen. Das war erst gar nicht so geplant, aber irgendwann habe ich mir eingestanden, dass ich wohl doch wieder hier wohne. (lacht) Das Sauerland ist ein Ruhepol für mich. Ich gehe gerne wandern und habe drei Pferde, bei denen ich sehr gut runterkommen kann. Ich bin ansonsten sehr aktiv, habe immer viele Ideen im Kopf.

Aktuell sind das welche?

Ich habe noch viel vor in der Musikschule – ich will zum Beispiel gerne ein Jugendferiencamp organisieren und Kinder aus sozial schwächeren Familien Zugang zum Musikunterricht verschaffen.

Soll die Musikschule weiter wachsen?

Das gar nicht mehr zu sehr, ich will die jetzige familiäre Atmosphäre auf jeden Fall erhalten. Eigentlich kann es genauso weiterlaufen wie jetzt – überschaubar und erfolgreich.

>> STUDIUM IN BUDAPEST UND WUPPERTAL

  • Agnetha Bräutigam hat 2006 ihr Abitur am Gymnasium der Benediktiner in Meschede gemacht. Im Anschluss war sie ein halbes Jahr lang Missionarin auf Zeit in Indien.
  • In Budapest und Wuppertal studierte sie Psychologie, aktuell befindet sich die 31-Jährige in der Therapeuten-Ausbildung und betreibt die Tom-Astor-Musikschule.
  • 5 Lehrer unterrichten dort rund 70 Schüler – nicht nur Kinder und Jugendliche, sondern auch Erwachsene.

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