Schnade

Schnadezüge führten zu Exzessen und wurden verboten

Ein Bild vom Schnadegang 1994.

Ein Bild vom Schnadegang 1994.

Foto: Archiv Helmut Voß

Schmallenberg.   In Schmallenberg sind Schnadezüge von 1584 bis 1805 nachgewiesen. Später wurden sie verboten, weil die Grenzgänge zu Exzessen geführt hatten.

„Zu Zeiten, da es noch keine exakten Vermessungen und genauen Karten gab, kam es zwischen benachbarten Ortsgemeinden und Marktgenossenschaften hin und wieder zu Differenzen über den Verlauf der gemeinsamen Grenzen. Grenzbegehungen oder Schnadezüge (von Schneise, Schneide) dienten dazu, solche Streitigkeiten zu schlichten, indem man die Grenzlinien überprüfte und gegebenenfalls neu festlegte.“ So steht es noch heute auf der Infotafel des Schmallenberger Schnadesteins. Am heutigen Samstag findet der Schnadezug zum Stadtjubiläum statt - der 15. Zug der Neuzeit.

In den früheren Jahrhunderten gab es alle paar Jahre Schnadezüge. Manchmal benötigte man sogar zwei Tage. Der Schnadegang, mitunter auch „Schnadezug, Schnatgang oder Schnadgang“ genannt, war vor allem in Westfalen und Hessen ein wiederbelebter alter oder seit Jahrhunderten bestehender Brauch der Grenzbegehung. „Schnaot“, ist verwandt mit „Schneise“ und bedeutet Grenze. Früher dienten Waldschneisen, Bäche, Hecken, Gräben, Felsen, Hügel und Täler, Dämme und Gräben als Grenzmarkierung.

Bis zum 17. Jahrhundert nutzte man auch eigens angepflanzte Bäume, in die man mit der Axt ein Kreuz hineinschlug, dann ging man zur Verwendung von Grenzsteinen (Hütesteinen) über. Diese bestanden häufig aus einem anderen Material als die Steine aus der Umgebung.

Poaläsen/Stutzäsen

Das Stutzäsen auch Pohläsen genannt ist ein fester Brauch beim Schnadezug. Dabei wird man mit dem „Äs“ - mit dem Hintern - mehrmals kräftig auf den „Pohl“, den Stutzen, Grenzpfahl oder Stein, gestoßen. Es trifft vor allem diejenigen, die zum ersten Mal dabei sind. So soll sich der Schnadegänger die Art und Lage des Grenzsteines merken. Er erhält eine Urkunde und wird in den Kreis der Schnadebrüder aufgenommen.

Schnadezüge in Schmallenberg

In Schmallenberg sind Nachweise über Schnadezüge von 1584 bis 1805 vorhanden. Der letzte Schnadezug fand vermutlich im Jahre 1805 statt. 1817 nach der Einführung des Grundsteuerkatasters - wurden die Schnadezüge vom preußischen Innenministerium für nicht mehr notwendig erklärt. Weil sie außerdem zum Teil grobe Exzesse verursacht hatten, wurde sie 1841 offiziell verboten. Die Behörden wollten nun selbst für die Einhaltung der Stadt- bzw. Gemeindegrenzen sorgen.

Züge der Neuzeit

Im Zusammenhang mit der 725-Jahrfeier im Jahre 1969 wurde die Idee, Schnadezüge durchzuführen, wieder aufgegriffen und für den 6. September 1969 vom damaligen Bürgermeister Paul Falke (†) zum ersten Schnadezug der Neuzeit eingeladen. Ziel war es, die bestehende Freundschaft mit den Grenznachbarn zu erneuern, alt überliefertes Brauchtum zu pflegen und insbesondere bei der Jugend die Liebe zur engeren Heimat zu vertiefen.

Seit 1969 werden in Schmallenberg im regelmäßigem Abstand von drei Jahren, seit 1990 von vier Jahren, Schnadezüge durchgeführt.

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