Selbstversuch

Schnauben wie ein Pferd

Volontär lernt Trompete spielen

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Meschede.   Volontär Stefan Meinhardt lernt Trompete. Feuerwehr-Musikzug verspricht: In sechs Stunden zum ersten Lied.

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In sechs Stunden zum ersten Lied: Das verspricht der Musikzug der Freiwilligen Feuerwehr in Meschede. Ein Selbstversuch.

Als ich den Proberaum des Musikzugs betrete, begrüßen mich Werner Kotthoff und Volker Hammer. Die beiden haben mir bereits ein ganzes Arsenal an Instrumenten aufgebaut: Die Blechbläser Tuba, Baritonhorn, Horn, Posaune und Trompete sowie aus der Abteilung Holz ein Saxophon und eine Klarinette.

Zunächst einmal kein Ton

In dieser Reihenfolge führt mich der Musikalische Leiter des Jugendorchesters, Volker Hammer, auch durchs Programm. Eine Sache treibt er mir gleich von vornherein aus: „Versuch nicht die Backen aufzupusten, sondern die Lippen möglichst breit zu ziehen.“

Als Vorübung, bevor ich ans Mundstück darf, soll ich zunächst Schnauben wie ein Pferd. Kein Problem. Mit den Lippen am Blech wird es da schon schwieriger. Zunächst entlocke ich der Tuba nicht mehr als ein windiges Seufzen. „Du bist zu angespannt“, sagt mein Lehrer.

„Wir müssen dich müde kriegen.“ Tatsächlich: Je länger ich es versuche, desto mehr fällt die Körperspannung ab und siehe da: Ein Ton! Als nächstes soll ich stoßweise in das Mundstück pusten und schaffe es, mehrere gleich hohe abgehackte Töne zu „spielen“. So arbeiten wir uns durch die einzelnen Instrumente.

Viel Freude und Leid

Am Ende der ersten Stunde soll ich mich für ein Instrument entscheiden. Ich wähle die Trompete, weil sie zum einen am besten zu transportieren, aber auch gut zu dämpfen ist. Mit einem Spezialaufsatz höre ich mich selbst über Kopfhörer, meine Nachbarn aber nicht. Das wird sie freuen.

Wir verabschieden uns nach einer Stunde. In der Hand halte ich die Tasche mit meinem Leihinstrument. Wir werden noch viel Freude und Leid miteinander haben.

Dämpfer will nicht richtig funktionieren

Nach ein paar Wochen treffe ich Volker zur zweiten Stunde. In der Zwischenzeit habe ich zweimal kurz geübt, doch der Dämpfer wollte nicht richtig funktionieren. „Hast du mal die Batterien ausgewechselt?“, fragt mich mein Lehrer. Hätte man drauf kommen können.

In der zweiten Einheit soll ich wieder zunächst einen einzelnen Ton zustande bringen. Die ersten Töne sind sehr hoch. Das liegt an meiner Anspannung. In einer neuen Übung soll ich die Töne „fallen lassen“ ­­­– also mit einem hohen Ton beginnen und auf einem tieferen enden. Es klappt: Je müder meine Gesichtsmuskeln werden, desto tiefer werden die Töne, die ich dem goldenen Bläser entlocke.

Wohin mit der Flüssigkeit?

Nach und nach arbeiten wir uns vor: Ich lerne, wie ich – ohne die Ventile zu greifen – nur durch die Lippenspannung, verschieden hohe Töne produzieren kann. Dabei merke ich, dass mir tiefere Töne deutlich schwerer fallen, hier ist totale Gelassenheit in den Gesichtsmuskeln gefragt.

Dann endlich: Volker zeigt mir, wie man die Ventile benutzt. Durch das Drücken werden Klappen innerhalb des Instruments geöffnet, so dass die Luft einen längeren Weg zurücklegen muss. Das ändert die Tonhöhe. Etwas anderes, was ich über Blasinstrumente lerne, ist, dass sich beim Spielen Flüssigkeit im Inneren sammelt. Der warme Atem kondensiert und wird flüssig. Dafür gibt es eine extra Klappe, die man zum „Entwassern“ öffnen kann. Das ist nicht appetitlich, aber nützlich.

Erfolgreich: Drei Lieder am Ende

Dadurch, dass ich seit ein paar Jahren Gitarre spiele, sind mir Noten zum Glück nicht unbekannt. So schaffen wir es, dass ich in der dritten Stunde eine Notenreihe vom Blatt spielen kann. Das fühlt sich gut an, ich hatte nicht mit so einem schnellen Lernerfolg gerechnet.

In der vierten Stunde legt Volker mir einen Zettel mit zwei Zeilen Noten hin. „Probier es doch mal zu spielen und ob du das Lied erkennst.“ Ich beginne die Töne nacheinander aus der Trompete zu pressen – ohne einen Schimmer, welches Lied sie ergeben sollen. Volker löst auf: „Wir sagen euch an den lieben Advent.“

Sechste und letzte Unterrichtsstunde

Ich merke, dass es schwieriger wird. Am Ende der Zeilen geht mir die Luft aus. Zum Trompetespielen gehört auch zu wissen, wann es Zeit ist, Luft zu holen. Mit Volkers Hilfe klappt es besser. In der nächsten Stunde nehmen wir noch „Jingle Bells“ hinzu.

Dann die sechste und letzte Unterrichtsstunde. Volker ist zufrieden: „Unser Ziel war ein Lied nach sechs Stunden, jetzt haben wir sogar drei.“

Auch ich bin ein wenig stolz auf meinen Lernerfolg. Ich würde gerne weitermachen und mehr lernen, aber leider muss ich das geliehene Instrument wieder abgeben.

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