Unfälle

Schon 210 Führerscheine im Hochsauerlandkreis eingezogen

Dieser Senior ist 89 Jahre alt – und er fährt weiter Auto. Nach Unfällen mit Senioren werden regelmäßig die Forderungen laut, Älteren das Fahren doch zu verbieten.

Foto: Rolf Vennenbernd

Dieser Senior ist 89 Jahre alt – und er fährt weiter Auto. Nach Unfällen mit Senioren werden regelmäßig die Forderungen laut, Älteren das Fahren doch zu verbieten. Foto: Rolf Vennenbernd

Meschede.   Die Polizei stuft die ungewöhnlichen Unfälle mit Senioren in Meschede als „zeitlichen Zufall“ ein. Der Seniorenbeirat lehnt Fahrverbote ab.

Für die Polizei sind die ungewöhnlichen Unfälle mit Senioren in Meschede „ein reiner zeitlicher Zufall“, so ihr Sprecher Holger Glaremin: Es gebe keine Häufung an Unfällen, an denen ältere Menschen beteiligt seien. Am Freitag war ein 87-jähriger Autofahrer auf den Gleisen am Bahnhof gelandet, weil er Gas und Bremse verwechselt hatte, am Dienstag war ein 77-Jähriger erst in einer Garageneinfahrt mit seinem Auto zum Stillstand gekommen, nachdem er den Fuß unterm Pedal eingeklemmt hatte. In sozialen Netzwerken kam sofort die Forderung auf, Älteren doch den Führerschein zu entziehen oder sie zu Überprüfungen zu schicken.

Die Polizei

Die Polizei führt genau Statistik, wer im Hochsauerlandkreis Unfälle verursacht. Hauptverursacher sind weiterhin junge Menschen. „Senioren spielen keine übergeordnete Rolle“, sagt Holger Glaremin.

Bis einschließlich September hatten sich 85 Unfälle unter Beteiligung von Senioren (in der Polizei-Statistik ab 65 Jahren aufwärts) ereignet. 2015 waren es insgesamt 110, im Jahr 2016 insgesamt 132.

Der Seniorenbeirat

„Je nach Wetterlage“, kritisiert Manfred Breider, Vorsitzender des Seniorenbeirats in Meschede, komme die Forderung immer mal wieder auf, dass Ältere den Führerschein abgeben sollten. Breider hält nichts davon: „Wir sind freie Bürger. Ein 90-Jähriger, der sich fit fühlt, wird zu Recht protestieren, wenn er nicht mehr Auto fahren soll.“

Zumal: „Ich habe nicht den Eindruck, dass in Meschede nennenswert viele Unfälle passieren.“ Das Alter allein dürfe nicht das Kriterium dafür sein, ob jemand Auto fahren dürfe. Breider setzt auf die Freiwilligkeit, die eigenen Seh- und Reaktionsfähigkeiten überprüfen zu lassen – auch hier, unabhängig vom Alter.

Der Ex-Fahrlehrer

Karl-Josef Hein ist selbst 77 Jahre. Er weiß aus 42 Jahren als Fahrlehrer in Meschede aus Erfahrung: „Fehler, wie die Handbremse anzuziehen, können jedem passieren.“ Auch er ist deswegen ein Gegner davon, dass Ältere den Führerschein abgeben müssten. Auch er setzt auf Freiwilligkeit: „Man muss seine Schwächen bewusst analysieren.“ Und er setzt viel auf die modernen Assistenzsysteme in Autos. Diese seien auch nicht, um mit dem Vorurteil aufzuräumen, für Ältere zu kompliziert: „Dafür gibt es Menschen, die einen darin einweisen. Man muss nur Rat auch annehmen.“

Die Führerscheinstelle

Dass Senioren ihren Führerschein freiwillig abgeben, komme „nur äußerst, äußerst selten vor“, sagt Martin Reuther, Sprecher der Kreisverwaltung. Die Führerscheinstelle ist zuständig auch für die Entziehung von Führerscheinen.

Es ist ein konstant hohes Niveau: In diesem Jahr sind bereits 210 Führerscheine zurückgefordert worden (2016: 171, 2015: 188, 2014: 284, 2013: 234, 2012: 210). Aber: Die Gründe sind vielschichtig – da spielen Alkohol und Rauschgift genauso eine Rolle wie zu viele Punkte in Flensburg oder gesundheitliche Gründe. Die Straßenverkehrsbehörde wird tätig, sobald ein Anfangsverdacht vorliegt, dass bei einem Fahrer die „Kraftfahrtauglichkeit“ nicht mehr gegeben ist. Dann können ärztliche Unterlagen angefordert oder eine amtsärztliche Untersuchung angeordnet werden. Die äußerste Konsequenz ist die Führerschein-Entziehung.

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