Coronavirus

Schon 5500 Menschen im Hochsauerlandkreis in Quarantäne

Rund 5500 Menschen sind im Hochsauerlandkreis in Quarantäne, über 3900 davon sind Schüler. Betroffen sind vor allem die weiterführenden Schulen.

Rund 5500 Menschen sind im Hochsauerlandkreis in Quarantäne, über 3900 davon sind Schüler. Betroffen sind vor allem die weiterführenden Schulen.

Foto: Thorsten Lindekamp / Funke Foto Services GmbH

Meschede/Hochsauerlandkreis.  Im Hochsauerlandkreis sind 5500 Menschen in Corona-Quarantäne. Bei Schutzmasken bleibt ein Restrisiko, so das Kreisgesundheitsamt in Meschede.

Inzwischen sind jetzt rund 5500 Menschen im Hochsauerlandkreis in Corona-Quarantäne. Bei der Kreisverwaltung in Meschede kümmern sich nun 90 bis 100 Menschen allein um die Nachverfolgung von Kontakten – inklusive Soldaten der Bundeswehr.

Dr. Peter Kleeschulte, Leiter des Kreisgesundheitsamtes, hat die Erklärung für die rapide gestiegene Quarantäne-Zahl. Sie seien eindeutig auf die Schulen zurückzuführen: „Wir haben ja keine vermehrten Ausbrüche an Schulen! Wir haben nur ein oder zwei positiv getestete Schüler oder Lehrer – mit einem Riesen-Konglomerat an Kontaktpersonen. Da ist ein Verhältnis manchmal von bis zu 1:160!“

Auch Lüften ist keine vollkommene Lösung

Bei den weiterführenden Schulen ziehe die Quarantäne so breite Kreise, weil die Schüler dort nicht in einem Klassenverband sind, sondern mehrere Kurse mit mehreren Lehrern besuchen.

Hinzu komme, dass in Fachräumen auch mal beengt gearbeitet werde: „Deshalb schießen unsere Quarantänezahlen so nach oben.“

Die Schulen übermitteln dem Kreisgesundheitsamt die Kontakte, wenn dort ein Kind positiv getestet ist: „Wenn eine Mutter sagt, das Kind habe schon beispielsweise am Mittwoch Symptome gehabt und war noch in der Schule, dann brauchen wir immer die Kontakte zwei Tage vor Symptombeginn – also bräuchten wir die Kontakte seit Montag. Wir setzen dann die Kontakte unter Quarantäne.“

Häufig höre man von Eltern: „Aber mein Kind hat doch einen Mund-Nasenschutz aufgehabt!“ Dieser Schutz, stellt Kleeschulte klar, senkt zwar das Infektionsrisiko auf 60, 70 Prozent, aber er senke eben nicht das Risiko, in Quarantäne zu gehen – es bleiben ja immer 30 bis 40 Prozent Restrisiko. Und auch das Lüften sei nicht die vollkommene Lösung: Die Aerosole bleiben schließlich nicht unten am Boden, sondern bewegen sich und breiten sich aus.

Um die Arbeit des Kreisgesundheitsamtes zu unterstützen, wurde bei der Kreisverwaltung kontinuierlich Personal auch umgeschichtet. Manche Tätigkeiten hat das Gesundheitsamt inzwischen auch herunter fahren müssen, zum Beispiel werden keine Schuleingangsuntersuchungen mehr gemacht. Kleeschulte sagt: „Wie lange diese Form der Nachverfolgung bei weiterhin schnell steigenden Zahlen zu bewältigen und sinnvoll ist, das ist eine politische Frage. Hinzu kommt, dass wir uns in den nächsten Wochen und Monaten sicher sehr intensiv mit Impfstrategien auseinandersetzen müssen. Das wird auch sehr personalintensiv.“

Kritik an Fluggesellschaften

Kritik äußert Kleeschulte an dem Verhalten von Fluggesellschaften in der Corona-Krise. Sie hätten nur unzureichend Daten von Fluggästen weitergegeben, so die Erfahrung mit den Reiserückkehrern:

„Die melden uns einen positiven Fall, geben uns aber nicht weiter, auf welchem Sitzplatz der saß. Da konnten wir die Sitznachbarn auch nicht ermitteln.“

Die Fluggesellschaften seien aber dazu verpflichtet, unabhängig von einer Pandemie, Daten zu erheben und sie auf Anfrage weiterzugeben: „Das hat kaum geklappt. Stellen Sie sich vor, wir hätten einen Ebola-Fall: Da ist man auf Gedeih und Verderb auf diese Informationen angewiesen!“ Das Gesundheitsamt habe aber keine Handhabe: Man habe das Problem weitergegeben, höre aber auch von anderen Gesundheitsämtern gleiche Kritik.

>>>HINTERGRUND<<<

Die Corona-Statistik verzeichnet am Donnerstag (Stand 9 Uhr) 42 Neuinfizierte und 38 Genesene im Hochsauerlandkreis.

Der Hochsauerlandkreis muss einen weiteren Todesfall vermelden: Nach stationärer Behandlung starb am Montag ein 88-jähriger Mann aus Schmallenberg. Insgesamt sind es damit 34 Sterbefälle in Verbindung mit einer Corona-Infektion.

Stationär werden aktuell 42 Personen behandelt, davon acht intensivmedizinisch und davon werden vier Personen beatmet.

Die 7-Tage-Indizienz beträgt 160,1 (Stand: Donnerstag, 0 Uhr).

Insgesamt sind es damit aktuell 508 Infizierte, 2118 Genesene sowie 2660 bestätigte Fälle.

Es sind im Hochsauerlandkreis aktuell drei Krankenhäuser, zehn Pflegeeinrichtungen, acht Kindergärten und 42 Schulen bzw. vereinzelte Klassen und Stufen betroffen.

Über 3900 Schüler, Lehrkräfte und Schulpersonal befinden sich in Quarantäne.

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