Cyber-Angriff

Handynummer von Dirk Wiese ins Internet gestellt

SPD-Bundestagsabgeordneter und Regierungsbeauftragter für Russland: Dirk Wiese.

SPD-Bundestagsabgeordneter und Regierungsbeauftragter für Russland: Dirk Wiese.

Foto: dpa Picture-Alliance

Meschede.   Bei dem Hacker-Angriff auf Bundestagsabgeordnete ist auch Dirk Wiese (SPD) betroffen. Seine Handynummer steht jetzt im Internet.

Vom Cyber-Angriff auf Bundesabgeordnete ist mindestens ein heimischer Politiker betroffen. Die Handynummer von Dirk Wiese (SPD) kursiert seitdem im Internet. Patrick Sensburg (CDU) weiß noch nicht, ob er betroffen ist. Carlo Cronenberg (FDP) sind keine Daten entwendet worden.

Seine Handy-Nummer - das ist nach jetzigem Stand das einzige, was von Dirk Wiese privat ins Internet gestellt wurde. Für ihn ist zumindest diese Veröffentlichung allerdings unbedeutend: „Ich hatte die Nummer schon im Wahlkampf 2013 auf einem Flyer veröffentlicht, sie ist kein Geheimnis.“

Regierungsbeauftragter für Russland

Weitere Daten sind offenbar nicht abgegriffen worden. Das könnte folgenden Grund haben: Wiese ist Regierungsbeauftragter für Russland, „und daher gilt bei mir ohnehin erhöhte Vorsicht.“ So öffnet der Briloner keine beispielsweise unbekannte Mails und vermeidet im Internet unbekannte Freundschaftsanfragen. Bei der Sicherheit verlässt er sich wie seine Kollegen auf Fachleute - und rechnet mit weiteren Maßnahmen zur Datensicherheit.

Der CDU-Bundestagsabgeordnete Dr. Patrick Sensburg konnte noch nicht sagen, ob auch Daten über ihn veröffentlicht worden sind. Die Abteilung für IT-Sicherheit des Bundestages und das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik als nationale Cyber-Sicherheitsbehörde würden ermitteln.

Nur Alltags-Korrespondenz unverschlüsselt

Das Büro von Sensburg im Bundestag war, wie andere, im Herbst durch eine, wie er sagt „pfiffig gemachte Phishing-Mail“ von einem Ausspähangriff betroffen: Dabei sei ein Rechner seines Büros lahmgelegt worden, der anschließend von der IT-Sicherheit wiederhergestellt werden musste. Noch sei unbekannt, ob dabei Daten abgeflossen seien – „die Veröffentlichungen jetzt könnten eine Spätfolge aus diesem Ausspähangriff sein“, mutmaßt er.

„Natürlich könnte ein Brief zum Beispiel im Zusammenhang mit der Reister Orgel veröffentlicht werden“, sagt Sensburg: Solche Alltags-Korrespondenz würde unverschlüsselt gespeichert. Geheimnisvolles stehe da nicht drin.

Vor einer Veröffentlichung zum Beispiel seiner Handynummer macht er sich keine Sorgen – die Nummer besitze er schon seit 1998, er habe sie seinerzeit auch schon seinen Studenten als Notfallnummer herausgegeben: „Die Nummer ist noch nie missbraucht worden.“ Was aber bleibe nach solchen Hackerangriffen, sei vergleichbar mit dem, was Opfer von Einbrüchen kennen: „Ein ungutes Gefühl, dass jemand da war.“

Geheimes nur auf Papier

Sorgen um eine Veröffentlichung vertraulicher, geheimer oder streng geheimer Daten aus seiner Arbeit im Parlamentarischen Kontrollgremium der Geheimdienste hat Sensburg nicht: „Das wird nicht auf dem Rechner gespeichert.“

Unterlagen, die er als Vorsitzender des Ausschusses für Wahlprüfung, Immunität und Geschäftsordnung kennen muss, behält er nicht in seinem Büro: „Die habe ich nur auf Papier.“

Bundestag ist transparent

Nicht das Rechner-Netzwerk im Bundestag sieht der Abgeordnete als Problem. Vertrauliches sei da nicht zu holen: „Der Bundestag ist ja transparent in seiner Arbeit.“ Das Problem seien vielmehr mobile Endgeräte, die auch mit dem Bundestag verbunden seien: „Je mehr Geräte, umso anfälliger ist ein System.“

Und darüber könnten Hacker eben schon zum Beispiel an private Kontodaten von Abgeordneten oder Ministerialbeamten gelangen: „Darüber müssen sich alle Gedanken machen, die in der Öffentlichkeit stehen. Das haben wir in den letzten Jahren vernachlässigt.“

Denkbar, aber Spekulation sei, dass hinter dem neuen Ausspäh-Angriff russische Hacker-Kollektive stecken könnten, sagt Sensburg. Dass könnte dann erklären, warum nach ersten Medienberichten nur die AfD im Bundestag vom Ausspähen nicht betroffen sein soll: Die AfD unterhalte enge Kontakte nach Russland.

Vom FDP-Abgeordneten Carlo Cronenberg (FDP) sind keine Daten veröffentlicht worden. „Auch mein Rechner ist nicht gehackt worden“, erklärt er. Cronenberg forderte eine harte Bestrafung der Täter. Zugleich kritisierte er die Bundestagsverwaltung: „Dort wird mit uralter Technologie gearbeitet“; das sei nicht mehr zeitgemäß.

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