Landleben

So ist das Leben in einem Ort mit drei Einwohnern

Hiege in Schmallenberg hat lediglich drei Einwohner: Die Familie Stöber. Das Haus liegt sehr abgelegen mitten in der Natur.

Hiege in Schmallenberg hat lediglich drei Einwohner: Die Familie Stöber. Das Haus liegt sehr abgelegen mitten in der Natur.

Foto: Laura Handke

Hiege.   Ein Nachbarschaftsstreit - das ist in Hiege unmöglich. Denn dort wohnt nur die Familie Stöber. Zum nächsten Nachbarn sind es 15 Minuten Fußweg.

Ein Nachbarschaftsstreit - das ist im kleinen Hiege unmöglich. Auf der Hiege gibt es nämlich nur drei Einwohner – und die wohnen in einem Haus. Die drei Einwohner, das sind Josef, Marietta und Anja Stöber. Ihr Hof liegt abgelegen mitten in der Natur, es gibt einen Weg hin; und einen zurück. Aber langweilig wird den drei „Einwohnern“ nie, sagen sie.

Keine Nachbarn am Gartenzaun

„Hier ist eigentlich immer etwas los und es gibt immer etwas zu tun. Ansonsten haben wir sehr häufig Besucher und Gäste, die in unserer Ferienwohnung Urlaub machen“, sagt Anja Stöber und lächelt.

Die 32-Jährige ist in Hiege groß geworden und die Ruhe gewöhnt. Für Marietta Stöber war es zu Beginn eine Umstellung, gibt sie zu.

„Ich komme ursprünglich aus dem Münsterland und bin erst 1980 auf die Hiege gezogen. Am meisten gewöhnen musste ich mich daran, dass man den Nachbarn nicht mal eben etwas über den Gartenzaun zurufen oder sich auf einen Kaffee treffen kann“, sagt sie und lacht.

Die nächsten Orte oder Höfe sind gute 15 Minuten zu Fuß entfernt. „Es sei denn, man nimmt die Abkürzung über die Wiese, dann braucht man nur zehn, aber das machen wir eigentlich nie“, erklärt die 61-Jährige.

Hof ist zentral gelegen

Mittlerweile hat sie sich an die Ruhe gewöhnt - und genießt sie sogar. „Es ist wie Urlaub, wenn man nach einem stressigen Arbeitstag nach Hause kommt“, findet sie. Sie arbeitet in einem Café in Meschede.

Ihre Tochter Anja Stöber arbeitet als Raumausstatterin, Josef Stöber kümmert sich tagsüber um den landwirtschaftlichen Betrieb oder um die vorbeischauenden Jäger - denn er ist auch Jagdvorsteher.

Und eigentlich, da sind sich alle drei einig, liegen sie mit ihrem Hof sogar

„super zentral“. Egal ob nach Meschede, Bestwig oder Schmallenberg: „Von hier brauchen wir mit dem Auto fast überall gleichlang hin“, sagt Anja Stöber.

„Wir liegen sogar näher an der Autobahn als die Schmallenberger aus dem Zentrum und schaffen es mit dem Auto in einer Stunde nach Dortmund. Aber hier hat man dafür wenigstens immer seine Ruhe.“

Viele Vorteile: Ruhe und Rasen mähen am Sonntag

Das Leben in einem Ortsteil mit drei Einwohnern habe aber noch weitere Vorteile: „Die Enkelkinder können draußen immer spielen, wenn sie zu Besuch sind. Hier fahren kaum Autos - und theoretisch könnten wir hier auch sonntags um 12 Uhr den Rasen mähen - und niemanden würde es stören“, sagt Anja Stöber und lacht.

Sie lieben ihr Leben auf dem Land: Hiege ist für sie Heimat und Ruhepol zugleich. Die Ruhe und die Abgeschiedenheit, die Nähe zur Natur, das seien genau die Eigenschaften, die die Urlaubsgäste der Ferienwohnung schätzen. Viele kämen deswegen immer wieder, erklärt die Familie.

Ferienwohnung-Vermietung seit vier Jahren

Die Wohnung auf ihrem Hof vermieten sie seit ungefähr vier Jahren - das Angebot wird sehr gut angenommen, vier bis sechs Urlaubsgäste kann die Familie dort aufnehmen. „Wir haben alles selbst umgebaut - in Eigenleistung mit der Unterstützung der gesamten Familie“, erklärt Anja Stöber. Jetzt können die Gäste dort auf rund 75 Quadratmetern nächtigen.

Erst vor kurzem haben die letzten Besucher den Hof verlassen, die Enkelkinder verbringen immer den Montag bei Oma und Opa. Ansonsten sind die drei Einwohner von der Hiege unter sich. „Obwohl. Hier leben außer uns ja auch noch Katzen, ein Hund sowie Mastbullen und Mutterkühe“, witzelt Anja Stöber, als sie mit ihren Eltern am Küchentisch sitzt.

Dann geht es für Josef Stöber wieder in den Stall, der Rest der Familie widmet sich wieder den alltäglichen Arbeiten. Auf der Hiege geht alles seinen Gang. „Und über unser Leben hier sind wir einfach alle glücklich“,betont Anja Stöber.

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