Corona

Sperrstunde ab 23 Uhr: Erste Stimmen Mescheder Gastronomen

Ein Gastwirt in Köln wirbt mit dem Slogan "Zeit nutzen! Schneller trinken!" Die Sperrstunde von 23 bis 6 Uhr stellt auch Mescheder Gastronomen vor eine riesige Herausforderung.

Ein Gastwirt in Köln wirbt mit dem Slogan "Zeit nutzen! Schneller trinken!" Die Sperrstunde von 23 bis 6 Uhr stellt auch Mescheder Gastronomen vor eine riesige Herausforderung.

Foto: Oliver Berg / dpa

Meschede.  Für Meschedes Wirte kam die Sperrstunde früher als vermutet. Ab dem 24. Oktober bleiben Restaurants und Kneipen von 23 und 6 Uhr geschlossen.

Die vom Land beschlossene Sperrstunde für die Gastronomie ab einem Inzidenzwert von 50 Infizierten pro 100.000 Einwohner in sieben Tagen gilt jetzt auch für den Hochsauerlandkreis.

Laut Jürgen Uhl, Pressesprecher des HSK, tritt die neue Regel ab Samstag, 24. Oktober, in Kraft. Am Freitag, 23. Oktober, dürfen die hiesigen Gastronomien noch einmal ohne Einschränkung öffnen.

Ob sich die Öffnung danach wirtschaftlich überhaupt noch lohnt, bezweifelt André Wiese, Inhaber des H1 am See, des Bibulus und des Postkellers in Meschede. „Die Situation jetzt ist noch fataler als damals. Mit den neuen Einschränkungen stehen hohe Betriebskosten verschwindend geringen Einnahmen gegenüber“, so Wiese, der durch die verschärften Regeln den Schwarzen Peter wieder einmal den Gastronomen zugeschoben sieht.

Verschiebung in privaten Raum

„Dabei ist mir hier nicht ein Fall bekannt, bei dem eine Gastronomie in eine Infektionskette verwickelt war, es gibt ja sogar offizielle Zahlen die beweisen, dass die Gastro nicht maßgeblich für die Verbreitung des Virus verantwortlich ist. Wenn sich jetzt wieder alle Zuhause treffen, verschiebt sich wieder nur alles in den privaten Raum.“

Besonders problematisch: Das Hauptgeschäft der Kneipen findet in der kalten Jahreszeit statt. „Da muss man jetzt nicht mehr drum herum reden. Ich kann mir nicht vorstellen, dass es im Frühling noch alle Kneipen gibt, die zurzeit noch geöffnet haben“, fasst André Wiese es zusammen.

Erste Absagen trudeln ein

Anna Kotthoff von „Kotthoff´s Theo“ wurde am Freitagmorgen wie so viele von der Nachricht überrumpelt, dass die Infektionszahlen im Hochsauerlandkreis über Nacht so enorm gestiegen sind. „Damit habe ich ehrlich gesagt erst nächste Woche gerechnet und hatte mir zunächst einen Plan für den Fall zurückgelegt, wenn wir die 35er-Grenze knacken“, berichtet die Wirtin.

Inzwischen sind bei ihr die ersten Absagen von Gruppen für das Wochenende eingetrudelt, darunter auch eine Tauffeier. „Wir müssen einfach schauen, wie sich die Lage die nächsten Tage entwickelt und dann reagieren. Meine Gäste sind zuletzt eh nur bis Mitternacht oder ein Uhr geblieben, da ist die Sperrstunde ab 23 Uhr nicht ganz so dramatisch. Aber noch gibt es ja nichts offizielles und wir wissen nicht, ob es noch weitere Einschränkungen gibt.“

Brazil schließt schon Freitag ab 23 Uhr

Dahingehend ist sich Dennis Kramer fast schon sicher: „Ich rechne auch noch mit dem Lockdown. Dass es die Sperrstunde geben wird, war absehbar und ich habe mir in den letzten Wochen schon Plan A bis D für diesen Fall zurechtgelegt“, so der Inhaber des Brazils, der bereits am Freitag um 23 Uhr schließen wird. Seine Bar trifft die Sperrstunde hart, ist sie doch bei Meschedes Nachtschwärmern beliebt. „Wir verdienen 60 bis 70 Prozent unseres Geldes nachts. Jetzt müssen wir uns aber mehr auf das Tagesgeschäft konzentrieren, werden zum Beispiel Frühstück und Waffeln anbieten.“ Um die wegfallenden Umsätze zu kompensieren, werden nun die Öffnungszeiten Brazils angepasst. Aus sechs Tagen werden künftig sieben Öffnungstage die Woche. Zudem ist ein Lieferdienst in Planung.

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