Mobilität

„Straßenbahn-Feeling“: Im Elektro-Bus durch Meschede

Uwe Schneider auf der Durchfahrt mit einem Elektro-Bus in Meschede. 

Uwe Schneider auf der Durchfahrt mit einem Elektro-Bus in Meschede. 

Foto: Ute Tolksdorf

Meschede.  Hat der Elektrobus im Sauerland eine Zukunft?  Uwe Schneider erläutert Daten und Fakten des futuristischen Gefährts.

Erstaunte Blicke folgen dem weißen, futuristisch aussehenden Bus, wo immer er auftaucht. Geräusche macht er fast keine, dafür hat er eine Art Fahrradklingel, um auf sich aufmerksam zu machen. Uwe Schneider zeigt in diesen Tagen den Null-Emissions-Bus der Firma Iveco den Busunternehmern in der Region. Der Ramsbecker hält die Handelsvertretung für die italienische Firma in Nordrhein-Westfalen, Hessen und Teilen Niedersachsens und hat den Bus gerade erst in Kassel vorgeführt. Er weiß: Im Linienverkehr auf den Überlandstrecken wird das Elektrofahrzeug hier in nächster Zeit wahrscheinlich noch nicht fahren. Auch wenn er überzeugt ist: „Den Elektrobussen gehört die Zukunft - vor allem im ÖPNV.“

Strecken im Sauerland sind zu lang

Gerade erst habe nämlich die EU eine neue Richtlinie verabschiedet, „die in 24 Monaten in nationales Recht umgewandelt werden muss.“ Demnach dürften für viele öffentliche Aufträge in Zukunft nur noch emissionsfreie oder saubere Fahrzeuge geordert werden. Dabei steht sauber für Erdgas und Hybrid - emissionsfrei sind nur Wasserstoff und der Elektro-Bus. Seit etwa einem Jahr habe der es auch zur Serienreife gebracht. „Davor waren das immer noch Prototypen.“ 500.000 Euro kostet so ein Gefährt, „doppelt so viel wie ein normales Diesel-Fahrzeug“, rechnet Schneider vor. Allerdings gebe es auch hohe Fördermittel: 80 Prozent der Kosten, die über dem normalen Preis liegen.

Mit dem Elektro-Bus zum Busbahnhof Meschede

„Doch im Sauerland lohnt er sich trotzdem noch nicht“, sagt Schneider. „Das ist ein reiner Stadtbus. Unsere Strecken sind zu lang.“ Im günstigsten Fall schafft der Bus 365 Kilometer bis zur nächsten Ladung, im ungünstigsten 280. Normale Linienbusse fahren hier aber bis zu 450 Kilometer am Tag. Auch das Aufladen kostet noch viel Zeit. Wieder gibt es einen ungünstigen Fall: bei 20 kW 18 Stunden, im günstigsten Fall bei 100 kW dauert das 3,5 Stunden, aber da komme noch keine öffentliche Ladesäule dran.

„Die Lade-Infrastruktur ist noch ein großes Problem“, schränkt Schneider ein. Und das obwohl der Bus sogar Energie zurückgewinnt. „Wenn ich bremse oder bergab fahre, lädt er wieder auf.“ Auch sonst achtet die moderne Elektronik darauf, dass der Fahrer vorausschauend und damit sparsam fährt, nach fünf Minuten im Stand schaltet er sich automatisch aus. Acht Batterien, sechs davon auf dem Dach, zwei im Heck treiben das Gefährt an, der Motor ist nur so groß wie ein Bierkasten. „Als Fahrer muss man sich kaum umstellen“, betont Schneider. Wer sich allerdings umstellen müsse, das sind die Werkstätten. Dort muss mit Hoch-Volt gearbeitet werden.

Der Bus schnurrt an ohne Schalt- und Motorgeräusche, ohne Ruckeln. „Straßenbahn-Feeling“ nennt das Schneider. Er soll von Meschede in den nächsten Tagen weiter nach Ulm zur nächsten Präsentation. Allerdings nicht mit Strom. „Das kling widersinnig, ich weiß“, gibt Schneider zu. Er lädt den Bus in Bestwig auf den Tieflader und fährt ihn mit Dieselantrieb nach Süddeutschland. Noch schafft der Elektro-Bus diese weiten Strecken nicht.

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