Beruf

Tagung Meschede: Eltern verhindern, dass Mädchen MINT wählen

Fachtagung „Mädchen können alles werden“ an der FH Meschede.

Fachtagung „Mädchen können alles werden“ an der FH Meschede.

Foto: Christian Klett.  

Meschede.   Mädchen zieht es immer wieder in die schlecht bezahlten Frauenberufe. Wie Eltern gegensteuern sollten, zeigt eine Tagung an der FH Meschede.

„Mädchen können alles werden“ - so lautet das Motto des regionalen Girls’-Day-Netzwerkes. Tatsächlich aber beschränken sich junge Frauen immer noch auf wenige, schlecht bezahlte Berufe mit geringen Aufstiegsmöglichkeiten. Warum das so ist und was sich ändern muss - dazu hat Dienstagnachmittag eine Fachtagung in der FH stattgefunden, mit Multiplikatoren, die junge Leute auf dem Weg in Beruf und Ausbildung begleiten. Das wichtigste Ergebnis: Eltern sind viel wichtiger, als sie denken.

Regelrecht erschrocken habe er sich, so sagte Dr. Stefan Brämer von der Uni Magdeburg, der mehrere Studien zur Berufswahl begleitet hat, darüber, „wie fest verankert Geschlechtsstereotype immer noch sind, selbst in scheinbar modernen Familien und bei nach außen aufgeklärten Unternehmern.“

Keine fachlichen Probleme

Mädchen hätten kaum Probleme fachlich mit den Jungs in technischen Fächern mitzuhalten, aber sie zögen die klassischen Männerberufe nicht mal in Erwägung. „Mädchen gucken als erstes, ist das ein Frauenberuf, erst dann zählten Interesse und Prestige.“ Mit den bekannten Folgen: Frauen verdienen weniger, haben geringere Rentenansprüche und weniger Einfluss.

„Es ist eine wichtige Aufgabe der Eltern, da gegenzusteuern“, so Brämer. Denn schon mit sechs bis sieben Jahren stellten sich die Weichen. „Da verlieren wir die Mädchen für die MINT-Berufe.“ Später sei es ein großes Problem, dass Eltern, die ganze Bandbreite der heutigen rund 360 Ausbildungsberufe nicht mehr kennen, aber zusammen mit der übrigen Familie die entscheidenden Ratgeber für die Berufswahl sind. Erst dann folgen die persönlichen Stärken und Schwächen, also das berufliche Selbstkonzept und Praktika.

Die Teilnehmer der Fachtagung plädierten dafür:

1.Dass Eltern Kinder in alle Bereiche des Alltags einbeziehen, mit Mädchen wie mit Jungs schrauben, bohren oder Glühlampen reparieren und sie auf Technik im Alltag hinweisen und so neugierig machen.

2.Eltern sollten sich für ihre Kinder über neue Berufe informieren. „In den 20 Jahren seit der eigenen Berufswahl hat sich viel getan.“

3.Sie sollten die Mädchen ermutigen, Praktika in verschiedenen Berufsfeldern zu machen.

4. Und Eltern sollten Mädchen in ihren Interessen unterstützen, gerade wenn sie sich für Frauen-untypische Berufe entscheiden wollen.

Die demografische Entwicklung und der Fachkräftemangel kommt den jungen Frauen entgegen. Bei den Arbeitgebern habe sich schon viel getan, sagte auch Cornelia Homfeldt von der Arbeitsagentur. Aber auch die könnten Mädchen eher begeistern, so Brämer, wenn sie ihnen zu Vorträgen weibliche Vorbilder schickten.

>>>HINTERGRUND

Das regionale Girls’Day-Netzwerk lädt alle Eltern für Mittwoch, 6. März, um 18.30 Uhr ins BIZ, Brückenstraße 10 in Meschede zu einem Infoabend Berufsorientierung ein. Anmeldung bis zum 28. Februar unter Tel. 02931/944126.

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