Nachruf

Trauer um Pfarrer Wilfried Oertel

Wilfried Oertel (1947-2018).   

Wilfried Oertel (1947-2018).  

Foto: Katrin Koppe-Bäumer

Meschede.   Wilfried Oertel ist am Donnerstag nach kurzer schwerer Krankheit gestorben. Familie, Schüler, Kollegen und die Mescheder Bürgergemeinde trauern.

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Wilfried Oertel ist am Donnerstag nach kurzer schwerer Krankheit gestorben. Die Traurigkeit seiner Familie um den Pfarrer in Ruhe teilen ehemalige Schüler und Schülerinnen, Kollegen und Kolleginnen, Angehörige der bunten Bürgergemeinde Meschedes und ein großer Freundeskreis.

Auch Buchhändler und Bassist

71 Jahre wurde Wilfried Oertel alt. Drei Tage vor dem Reformationsfest 1947 wurde er in Erlangen geboren. Als Vikar in Gladbeck-Brack baute er mit anderen ein Jugendzentrum auf: die „Teestube Rosenhügel“, die noch heute existiert. Als Lehrender sammelte er erste Erfahrungen in den Evangelischen Jugendsozialseminaren für Lehrlinge und Gymnasiasten. Bevor er eine Pfarrstelle übernahm, gestaltete Oertel mit seinen vielseitigen Talenten und Interessen verschiedene Arbeitsfelder: Moderne partizipatorische Seniorenarbeit und Religionsunterricht an einem Gymnasium in Dorsten verband er mit kreativen Tätigkeiten wie Schafzucht, Weben und Landarbeit. Anschließend absolvierte er eine Ausbildung zum Buchhändler in Dortmund, weil Bücher sein großes Steckenpferd waren.

1991 mit Familie nach Meschede gezogen

1991 zog er mit seiner Familie nach Meschede. Hier übernahm er die Pfarrstelle des Schulreferenten im Kirchenkreis Arnsberg. Er unterrichtete Evangelische Religion am Städtischen Gymnasium und betreute lange Zeit auch die Hochschulgemeinde der Fachhochschule. Außerdem begleitete er organisatorisch und inhaltlich die Pfarrer und Pfarrerinnen, die Religionsunterricht erteilten. 2008 wurde er als Pfarrer entpflichtet, nahm aber weiterhin regen Anteil am kirchlichen Leben. Wilfried Oertel war Pädagoge mit Leib und Seele: In Schulen, Bildungsveranstaltungen und bei der Mescheder Kinderbibelwoche. Als Bassist der Kibiwo-Band dichtete er eingängige Lieder über Jesus und Jona. Immer mit einem Augenzwinkern, und immer nah am biblischen Wort, besonders an Jesus, dem jüdischen Mitmenschen.

Bürgerzentrum geschaffen

Jesus, der Jude, war Grund für Oertels Interesse an jüdischem Leben und jüdischer Kultur. Als evangelischer Theologe und als deutscher Bürger nahm er die Verantwortung an, sich mit deutscher Schuld an Millionen von jüdischen Menschen auseinanderzusetzen. Er war bereit Unrecht zu betrauern, dafür um Vergebung zu bitten und sich praktisch einzusetzen für Gespräche, aus denen Verständnis und Versöhnung unter den Religionen wuchs. Als Gründungsmitglied und Vorsitzender einer Mescheder Bürgerinitiative setzte er sich ab 1994 dafür ein, die ehemalige Synagoge in ein Bürgerzentrum umzubauen. Wilfried Oertel gefiel buntes Leben: Er interessierte sich für Menschen, die in Deutschland leben, aber unterschiedlichen Kulturen, Religionen und Nationen angehören. Er verbrachte ein Gast-Semester in einer Gemeinde der United Church of Christ in den USA. Nach seiner Pensionierung lebte er ein Vierteljahr in einem Kibbuz in Israel.

Schweigemarsch ins Leben gerufen

Im Kirchenkreis war er einer der Beauftragten für den Dialog mit dem Islam. Intensiven Kontakt pflegte er zu den Mescheder Moscheegemeinden, einen Hodscha unterrichtete er in der deutschen Sprache und nahm selbst Unterricht in türkischer Sprache. Er wollte verstehen, was unterscheidet und was verbindet. Oertel rief mit anderen den Mescheder „Schweigemarsch zum Gedenken an die Pogromnacht“ am 9. November 1993 ins Leben.

Antwort auf die Frage: „Wer war unser Opa?“

Er wollte Glauben vermitteln an Gott, auf den sich Menschen verlassen können. Das zeigten seine Gottesdienste in der Schul- und in der Mescheder Kirchengemeinde. Sollten seine Enkel einmal fragen: Wer war unser Opa? Das Lied „Jesus, du bist mein Freund“ kann ihnen Antwort geben. Wilfried Oertel hatte etwas von dem Jesus dieses Liedes, der mit klaren Worten Menschenherzen öffnet und verwandelt, Spaß am Leben und Angst vor Schmerz und Einsamkeit hat, Stolze zurechtweist und Kinder gern hat.

Trauerfeier am Donnerstag, 3. Januar

Die Trauerfeier für Wilfried Oertel ist am Donnerstag, 3. Januar, um 10 Uhr im Gemeinsamen Kirchenzentrum. Sie wird gehalten von Alt-Superintendent Lothar Kuschnik. Die Urnenbeisetzung findet zu einem späteren Zeitpunkt statt.

Anstelle von Blumen wird um eine Spende gebeten für die Mescheder Flüchtlingshilfe,

IBAN: DE10 3506 0190 2114 8160 38, Stichwort „W. Oertel“.

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