Corona

Über den Corona-Alltag bei einem Mescheder Zahnarzt

Aktuell setzt er den Mundschutz gar nicht mehr ab in der Praxis:  Zahnarzt Dr. Yi Marcus Alm – der übrigens ein großer Udo-Lindenberg-Fan ist, wie hier in seinem Behandlungszimmer zu sehen ist

Aktuell setzt er den Mundschutz gar nicht mehr ab in der Praxis: Zahnarzt Dr. Yi Marcus Alm – der übrigens ein großer Udo-Lindenberg-Fan ist, wie hier in seinem Behandlungszimmer zu sehen ist

Foto: Jürgen Kortmann

Meschede.  Die Corona-Krise wirkt sich auch auf den Alltag in der Zahnarztpraxis aus. Damit es weitergeht, hat der Mescheder Dr. Yi Marcus Alm sich gerüstet.

Das ist jetzt der Arbeitsplatz mit einer der höchsten Infektionsgefahren: Der Behandlungsstuhl beim Zahnarzt. Jeder weiß, hier fliegen im Normalfall die Tröpfchen nur so. Darüber könnte sich nun aber das Coronavirus verbreiten. Dr. Yi Marcus Alm unternimmt gerade alles für die Sicherheit. Er hat die Hygiene-Anforderungen ausgeweitet.

Selbst Details müssen dabei bedacht sein – deshalb wird jetzt zum Beispiel sogar die Krankenversichertenkarte desinfiziert. Wer in die Praxis kommt, muss sich die Hände desinfizieren. Im Wartezimmer stehen nicht mehr acht, sondern nur noch vier Stühle, einer in jeder Ecke. Es heißt auch hier: Abstand wahren. Die Spielecke ist abgebaut.

Wobei: Ziel ist eigentlich, gar nicht mehr ins Wartezimmer zu kommen, sondern direkt ins Behandlungszimmer zu gehen. Im Wartezimmer soll nur noch die Jacke aufgehängt werden. Begleitpersonen sind in der Praxis nur noch für Kinder, Behinderte oder Ältere zugelassen.

Vorher noch den Mund ausspülen

Wer einen Atemwegsinfekt hat, ältere Patienten und Risikopatienten, sollten gerade den Besuch vermeiden oder verschieben. Yi Marcus Alm hat seine Arbeit umgestellt: Die professionelle Zahnreinigung mit Pulverstrahlgeräten entfällt und die Zahnsteinentfernung geschieht allenfalls mit Handinstrumenten, nicht mit dem Ultraschall – „bis die Lage besser ist“.

Denn beim Geräteeinsatz entstehen Tröpfchen. Alm hat auf eigene Kosten eine Idee umgesetzt. Jeder Patient muss vor seiner Behandlung 30 Sekunden lang den Mund mit einem Schluck Chlorhexamed ausspülen: „Das reduziert die Keime um 90 Prozent.“ Die Kunden verstehen das, der Zahnarzt überlegt, dies dann auch nach der Corona-Zeit beizubehalten: „Auch in normalen Zeiten hat man schließlich Keime im Mund.“

Der 55-Jährige setzt seinen Mundschutz in der Praxis gar nicht mehr ab. Auch die Mitarbeiterinnen tragen ihn jetzt ständig, auch beim Telefonieren. Nur im Aufenthalts- oder in dem Büroraum dürfen sie ihn unter Wahrung der Abstandsregeln absetzen.

Am Anfang der Krise sterilisierte Alm nach Dienst den Mundschutz mit: Denn Nachschub war knapp, obwohl er große Vorräte hatte. Mittlerweile hat ihm sein Großhändler wieder 200 Stück geliefert. Das reicht bis Ostern. Zuletzt waren dessen Bestände leer gewesen: Alles war nach Asien geliefert worden. Dort scheint die Krise nachzulassen, deshalb kann der heimische Markt wieder versorgt werden. Klar auch: Der Mundschutz hat sich natürlich inzwischen verteuert.

Die Erkältungszeit war überschaubar

Absolut vollständig kann sein Schutz nicht sein. Beim Bohren lässt es sich nun einmal nicht vermeiden, dass Tröpfchen fliegen. Immerhin: Bei ihm arbeitet der Bohrer „nur“ mit Maschinenkraft, die höhertouringen Turbinen werden nicht eingesetzt. Eigentlich sei es 2020 nicht schlimm mit den Erkältungen gewesen, meint Alm.

Die letzte Welle beobachtete er von September bis in die Adventszeit hinein. Er hat seine persönliche Theorie zum Coronavirus: Auch wenn es ein neuer Virustyp sei, gibt es hierzulande statistisch gesehen auffällig wenig Sterbefälle bei den Covid-19-Erkrankten. In Deutschland wiederum würden die Krankenkassen die Grippeschutzimpfung bezahlen und es gibt seit Jahrzehnten große Impfkampagnen – anders als in anderen Ländern wie Italien: „Vielleicht gibt es da über Kreuzresistenzen einen Zusammenhang? Das wäre mal eine Studie wert.“

Zumindest finanziell muss sich der Zahnarzt nicht sorgen – falls er sich doch anstecken würde. Würde das Gesundheitsamt die Praxis verdachtsweise unter Quarantäne stellen und schließen, würde ihm offiziell ein Ausfall gezahlt. Zusätzlich hat er seit Jahren in eine „Praxisbetriebsunterbrechungsversicherung“ eingezahlt, die ihn und die Gehälter seiner Angestellten finanzieren würde, wenn er krank wäre. Genutzt hat er sie nie: „Eigentlich wollte ich die schon lange kündigen.“

Das lässt er jetzt gerade besser. Seit letzter Woche stellt Alm mehr Absagen von Terminen fest: „Wer nicht muss, der verschiebt offenbar. Aber Schmerzpatienten, Kontrollen von festen Zahnspangen und nach Operationen finden weiterhin statt.“

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