Zu Besuch

Ulrich Hengesbach gibt der Kultur in Meschede ein Gesicht

Ein Leben für die Kultur in Meschede: Ulrich Hengesbach.  

Ein Leben für die Kultur in Meschede: Ulrich Hengesbach.  

Foto: Sabina Butz

Meschede.   Zu Besuch bei Ulrich Hengesbach: Ein Gespräch über die Kultur in Meschede und über Generationen von Familien.

Als Ulrich Hengesbach 1944 in Meschede geboren wurde, konnte er auf eine beachtliche Genealogie zurückblicken: Der Name Heng(e)sbach geht auf den Ort Hengsbeck (bei Eslohe) zurück. Dort gab es 1430 (16 Generationen vor Ulrich Hengesbach) den ersten namentlich erwähnten Vorfahren: Johann Schulte aus Hengsbeck.

Um 1600 bürgerte sich dann der Name Hengesbeck bzw. Hengesbach ein. Der Ort Hengsbeck gehörte zu den Fronhöfen des Stiftes Meschede. Wem diese Definition für einen Poahlbürger zu weit geht, der mag sechs Generationen Hengesbacher abwarten, danach ließ sich die Familie in Eversberg nieder. Dann wäre Ulrich Hengesbach „nur“ Poahlbürger in elfter Generation.

Schulmusik in Köln studiert

Er legte am Gymnasium der Benediktiner in Meschede sein Abitur ab und studierte an der Musikhochschule Köln Schulmusik. Nach seinem Abschluss arbeitete er einige Jahre als Organist, bevor er 1980 Leiter der Musikschule Meschede wurde. Nach der Übernahme der Musikschule durch den Hochsauerlandkreis im Jahr 2002 arbeitete Ulrich Hengesbach bis zum Ruhestand 2005 im Kulturamt der Stadt Meschede.

Seine Kulturverbundenheit äußerte sich schon im Schulalter. Zunächst verkaufte er Eintrittskarten für den Kulturring und die VHS, ab den 70er-Jahren gehörte er dem Programmbeirat des Kulturrings an, 1983 wurde er Geschäftsführer und seit 2002 bis heute ist er Vorsitzender des Kulturrings. Die Stadt Meschede konnte den Kulturring bis 1996 großzügig finanziell unterstützen. Der Gesamtetat: 400.000 D-Markt, der zur Hälfte von der Stadt und zur anderen Hälfte durch die Einnahmen des Kulturrings inklusive vielfältiger Spenden aufgebracht wurden.

Großzügiger Kulturetat

Ab 1996 konnte sich die Stadt einen so großzügigen Kulturetat nicht mehr leisten. „Aber es ist nicht nur das fehlende Geld, sondern auch das mangelnde Kulturbedürfnis der Bevölkerung“, erklärt Ulrich Hengesbach: „Der Kulturring hatte einmal 800 Abonnenten. Die Abonnements wurden inzwischen ganz abgeschafft. Es gibt einfach keinen Bedarf mehr.“

Dann überwiegt wieder seine optimistische Einsatzbereitschaft: „Wenn man etwas kann, soll man sich einbringen, und wir vom Kulturring können etwas: Wir werden auch in Zukunft den Orgelsommer, Ausstellungen und Museumfahrten organisieren.“

Ausstellung in der Alten Synagoge

Zum Beweis führt er die Ausstellung „Heinrich Kniffka, Aquarelle und Gemälde“ (bis 26. Mai 2019) im Bürgerzentrum Alte Synagoge Meschede an. Die Ausstellung organisiert der Kulturring (Vorsitzender: Ulrich Hengesbach), sie findet statt in der Alten Synagoge (seit 2005 Vorsitzender des Vereins „Bürgerzentrum Alte Synagoge“: Ulrich Hengesbach). Text, Gestaltung und layout der Prospekte und Flyer: Ulrich Hengesbach. Hier erübrigt sich die Frage, womit sich der Interviewte in seiner Freizeit beschäftigt.

Gleichwohl benennt er sein großes Freizeithobby: Die Produktion von Schallplatten und CDs, vorwiegend mit geistlicher Musik. Die Anzahl seiner Produktionen kann er nicht benennen.

Redaktion, Satz und Gestaltung

Nebenbei fällt im Gespräch seine „natürlich ehrenamtliche“ Buchgestaltungsexpertise: Als Beispiel für viele: Bei der „Mescheder Geschichte Bd 1“, herausgegeben vom Heimatbund der Stadt Meschede, lagen Redaktion, Satz und Gestaltung in der bewährten Hand von Ulrich Hengesbach.

Wen wundert es jetzt noch, dass der ehemalige Chorleiter des Mescheder Stifts-Chors und des Collegium vocale sowie des Kirchenchors Belecke diese zeitaufwändigen Ehrenämter zu erwähnen vergisst, ganz zu schweigen von seiner heutigen Tätigkeit im Expertenteam des Kulturamtes der Stadt Meschede?

Akustischer Höhepunkt

„Meschede ist die Heimat meiner Vorfahren seit Jahrhunderten und damit auch meine Heimat, für die sich jeder Einsatz lohnt.“ Abschließend bietet Ulrich Hengesbach noch einen akustischen Höhepunkt: Eine kleine, barocke Melodie auf dem wunderschön zarten, Clavichord, die leider nicht verbal wiedergegeben werden kann.

>>> Lebenslauf

Ulrich Hengesbach, 1944 in Meschede geboren, studierte nach dem Abitur am Gymnasium der Benediktiner an der Musikhochschule Köln Klavier, Chorleitung und Gesang.

Nach Abschluss seines Schulmusikstudiums arbeitete er einige Jahre als Organist und Chorleiter in Belecke, bevor er von 1980 bis 2002 die Städtischen Musikschule in Meschede leitete.

Als die Städtische Musikschule 2002 neu organisiert wurde, wechselte Ulrich Hengesbach in Altersteilzeit in das Kulturamt der Stadt Meschede.

Ulrich Hengesbach ist verwitwet, hat zwei Kinder und zwei Enkel und lebt in mindestens der elften Generation in Meschede.

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