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Velmede: Wo die Pendler die Kassen klingeln lassen

Durchgangsverkehr auf der Bundesstraße - während Anwohner weniger begeistert sind, profitieren Bäckereien und Imbisse an der viel befahrenen Strecke von Autofahrern und Fernfahrern. Denn: Nicht jeder packt sich vor Antritt der Fahrt eine Brotdose mit geschmierten Stullen auf den Beifahrersitz.       

Foto: Frank Selter

Durchgangsverkehr auf der Bundesstraße - während Anwohner weniger begeistert sind, profitieren Bäckereien und Imbisse an der viel befahrenen Strecke von Autofahrern und Fernfahrern. Denn: Nicht jeder packt sich vor Antritt der Fahrt eine Brotdose mit geschmierten Stullen auf den Beifahrersitz.        Foto: Frank Selter

Velmede/Bestwig.   Für Bäcker, Imbissbetreiber und auch Metzger lohnt sich der Verkehr auf der Bundesstraße. Wir haben drei von ihnen besucht.

Des einen Freud, des anderen Leid: Lange Autofahrten sind für denjenigen, der hinterm Steuer sitzt, in der Regel kein Vergnügen. Ob Pendler, Fernfahrer oder Handwerker auf dem Weg von einem Kunden zum anderen - irgendwann bekommen sie alle Hunger. Und wer keine Brotdose mit geschmierten Stullen auf dem Beifahrersitz stehen hat, wird froh sein, dass es Bäckerein und Imbisse an der Strecke gibt.

Weiterbau der A 46

Und damit sind wir bei den Pendel-Profiteuren. Für Bäcker, Imbissbetreiber und auch Metzger lohnt sich der Verkehr auf der Bundesstraße. Wir haben drei von ihnen besucht und mit ihnen gesprochen. Dabei ging es auch um die Frage, was passiert, wenn der Weiterbau der A46 abgeschlossen ist und viel Verkehr über die neue Autobahn und damit nicht mehr durch den Ort rollt.

Bäckerei Adolph:

Stockt der Verkehr, sinkt der Snack-Umsatz

Pendeln mag für den Pendler ein Problem sein, aber für die Bäckerei Adolph bedeutet es Bares. Direkt an der Hauptstraße gelegen, halten viele Hungrige an der Bäckerei, um den Hunger mit belegten Brötchen und Teilchen zu stillen.

Peter Junker ist Inhaber der Bäckerei Adolph in Velmede. Sein Geld verdient er nicht nur mit Brot und Brötchen für den Frühstückstisch, sondern auch mit fertigen Snacks. Für viele Pendler ist das eine beliebte Möglichkeit, um unterwegs etwas zwischen die Zähne zu bekommen. Wie sehr sein Umsatz von den Pendlern abhängt, kann Junker nicht genau sagen. Aber: „Was mir auffällt, ist, dass viele Handwerker von Betrieben hier durchfahren, die sich dann was Schnelles auf die Hand holen“, sagt Junker.

Die Verkehrslage sei entscheidend, betont er. Stockt der Verkehr, habe seine Bäckerei weniger Umsatz im Snackbereich. „Solange der Verkehr fließt, verdienen wir durch die Pendler“, sagt Junker. Dass sich die Situation durch die Fertigstellung der A 46 stark verschlechtern wird, bezweifelt der Bäckermeister. „Wir müssen mit Einbußen rechnen, aber wenn die Verkehrslage sich generell beruhigt, bin ich zuversichtlich, dass auch mehr Leute anhalten werden und bei uns etwas kaufen.“

Metzgerei Ernst:

„Die Pendlerquote ist ein Gewinn“

Das Bäckereien und Imbisse in Velmede überhaupt ihre Currywürste und Salamibrötchen anbieten können, liegt auch an Michael Ernst und seiner Metzgerei. Er versorgt sie mit Fleisch und Wurst. In einer Seitenstraße in Velmede liegt die Metzgerei Ernst - hier entstehen die Würstchen, die woanders auf dem Grill landen.

Auch wenn die Metzgerei nicht an der Hauptstraße liegt, klingelt die Kasse häufig mit, da Ernst zahlreiche Betriebe beliefert. Die hohe Pendlerquote hält der Metzger für einen Gewinn: „Die Läden an der Straße haben selbstverständlich Profit von den Pendlern. Die halten dann kurz an und holen sich hier etwas zu essen und dadurch, dass ich die Betriebe beliefere, lohnt es sich indirekt auch für mich.“

Laut Ernst sind die Pendler aber nicht in ganz Velmede unterwegs, sondern bleiben in der Ortsmitte. Dass sich die Fertigstellung der Autobahn großartig auf die Pendlersituation auswirken wird, glaubt Michael Ernst nicht: „Ich denke, wenn sich die Lage eingespielt hat, wird es halb so wild sein. Die Pendler werden größtenteils immer noch hier her fahren, vielleicht zehn Prozent weniger. Lkw wird man dann aber weniger hier sehen, das ist bitter für den Imbiss.“

Dürings Imbiss:

Inhaber blickt kritisch auf Eröffnung der A 46

Wer durch Velmede fährt, kommt auch an Dürings Imbiss vorbei. Eine willkommene Gelegenheit für viele Pendler, den Stress des Tages bei einer Currywurst zu vergessen. Ingo Düring betreibt seinen Imbiss schon seit einigen Jahren - vor allem bei Fernfahren ist sein Imbiss beliebt.

Sein Verhältnis zu Pendlern ist in zweierlei Hinsicht geprägt: Zum einen ist die Lage des Imbisses, direkt an der Straße, ideal für sämtliche Auto- und Lkw-Fahrer, die durch Velmede müssen und zum anderen hat Düring selbst Mitarbeiter die pendeln müssen. „Hier kommen vor allem Leute hin, die in Ruhe etwas essen wollen und mal für eine Viertelstunde Pause haben wollen, das sind Fernfahrer, aber auch Pendler“, sagt Ingo Düring.

Wie sein Geschäft im Einzelnen von den Pendlern abhängt, kann Düring nicht genau sagen, jedoch stehe fest, dass sie einen sehr wichtigen Bestandteil am Umsatz haben. Kritisch sieht der Betreiber deshalb auch die kommende veränderte Verkehrslage: „Wenn Pendler und Lkw-Fahrer nicht mehr durch Velmede müssen, sondern die Autobahn weiter fahren können, kann das für mich bis zu 30 Prozent Verlust bedeuten. Eher noch mehr als weniger“, fürchtet Düring.

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