Viele Gesundheitsgefahren durch Feinstaub

„Feinstaub ist eine Seifenblase der Forschung“.   Sehr geehrter Herr Prof. Dieter Köhler, ich verstehe Ihren Wunsch nach mehr Sachlichkeit in der Diskussion um den Diesel-Skandal, Luftverschmutzung und sich eventuell daraus ergebende politische Maßnahmen. Mit ihren Aussagen missachten Sie jedoch Erkenntnisse und Fortschritte jahrzehntelanger Forschung und bieten „alternative Fakten“ für all jene, die einen einfachen Ausweg suchen. Daher fühle ich mich gezwungen, hier zumindest die Argumente der Gegenseite und den, meiner Meinung nach, aktuellen Wissensstand darzustellen – auch wenn Sie diesen gerne als ideologisiert abtun möchten. Im Gegensatz zu den von Ihnen genannten Zahlen und Studien, legen aktuelle Forschungsergebnissen sehr wohl eine Dosisabhängigkeit zwischen Feinstaubbelastung und Gesundheitsgefahren nahe. Aktuelle Schätzungen gehen dabei von etwa drei Millionen Toten weltweit aufgrund von Luftverschmutzung aus, wovon etwa 34 000 vorzeitige Todesfälle auf Deutschland entfallen. Zum Vergleich: Verkehrstote machen in Deutschland nur ungefähr ein Zehntel dieser Zahl aus. Was sich in dieser Hochrechnung noch nicht widerspiegelt, und von Ihnen ebenfalls verschwiegen wird, sind die Gesundheitsgefahren, die nicht zum Tode führen. So geht man heutzutage zum Beispiel auch davon aus, dass Luftverschmutzung Allergien gegenüber Pollen fördert. Des Weiteren enden die in der Luft enthaltenen Feinstaubpartikel nicht nur in die Lunge: So wurden feinste Partikel unlängst auch in Blut und Hirn nachgewiesen und stehen aktuell in Verdacht, Erkrankungen wie Alzheimer auszulösen oder zumindest zu begünstigen. Ich gebe Ihnen Recht, dass die politische Debatte häufig zu stark auf den Verkehrssektor, und hier vor allem den Diesel, bezogen ist. So wird der Beitrag von privaten Kaminfeuern, Heizungen, Kohlegrills, etc. und insbesondere auch der Landwirtschaft gern unter den Tisch gekehrt. Außerdem richten sich die aktuellen Grenzwerte lediglich nach der Masse des Feinstaubs in der Luft, nicht aber nach dessen Zusammensetzung oder Herkunft. Die Grundlage dieser Debatte, nämlich die Verringerung von Luftverschmutzung und den Schutz der menschlichen Gesundheit, anzugreifen, finde ich jedoch falsch, fahrlässig und nicht gerechtfertigt. Dr. Martin Brüggemann

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Sehr geehrter Herr Prof. Dieter Köhler, ich verstehe Ihren Wunsch nach mehr Sachlichkeit in der Diskussion um den Diesel-Skandal, Luftverschmutzung und sich eventuell daraus ergebende politische Maßnahmen. Mit ihren Aussagen missachten Sie jedoch Erkenntnisse und Fortschritte jahrzehntelanger Forschung und bieten „alternative Fakten“ für all jene, die einen einfachen Ausweg suchen.
Daher fühle ich mich gezwungen, hier zumindest die Argumente der Gegenseite und den, meiner Meinung nach, aktuellen Wissensstand darzustellen – auch wenn Sie diesen gerne als ideologisiert abtun möchten. Im Gegensatz zu den von Ihnen genannten Zahlen und Studien, legen aktuelle Forschungsergebnissen sehr wohl eine Dosisabhängigkeit zwischen Feinstaubbelastung und Gesundheitsgefahren nahe. Aktuelle Schätzungen gehen dabei von etwa drei Millionen Toten weltweit aufgrund von Luftverschmutzung aus, wovon etwa 34 000 vorzeitige Todesfälle auf Deutschland entfallen. Zum Vergleich: Verkehrstote machen in Deutschland nur ungefähr ein Zehntel dieser Zahl aus.


Was sich in dieser Hochrechnung noch nicht widerspiegelt, und von Ihnen ebenfalls verschwiegen wird, sind die Gesundheitsgefahren, die nicht zum Tode führen. So geht man heutzutage zum Beispiel auch davon aus, dass Luftverschmutzung Allergien gegenüber Pollen fördert. Des Weiteren enden die in der Luft enthaltenen Feinstaubpartikel nicht nur in die Lunge: So wurden feinste Partikel unlängst auch in Blut und Hirn nachgewiesen und stehen aktuell in Verdacht, Erkrankungen wie Alzheimer auszulösen oder zumindest zu begünstigen. Ich gebe Ihnen Recht, dass die politische Debatte häufig zu stark auf den Verkehrssektor, und hier vor allem den Diesel, bezogen ist. So wird der Beitrag von privaten Kaminfeuern, Heizungen, Kohlegrills, etc. und insbesondere auch der Landwirtschaft gern unter den Tisch gekehrt. Außerdem richten sich die aktuellen Grenzwerte lediglich nach der Masse des Feinstaubs in der Luft, nicht aber nach dessen Zusammensetzung oder Herkunft. Die Grundlage dieser Debatte, nämlich die Verringerung von Luftverschmutzung und den Schutz der menschlichen Gesundheit, anzugreifen, finde ich jedoch falsch, fahrlässig und nicht gerechtfertigt.


Dr. Martin Brüggemann

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