Schützenfest

Vogelschießen mit Armbrust: Von einer besonderen Tradition

Mit der Armbrust wird in Brabecke auf den Vogel gezielt.

Mit der Armbrust wird in Brabecke auf den Vogel gezielt.

Foto: Eric Steinberg / WP

Brabecke.  Beim Schützenfest in Brabecke wird noch mit einer Armbrust geschossen. Die Geräte werden jedes Jahr von Raimund Gruner kontrolliert.

Für fast alle Schützenvereine gehört es zur Normalität, den König mit dem Gewehr zu ermitteln. Anders ist das in Brabecke: Dort wird der Vogel mit der Armbrust von der Stange geschossen. Einer, der diese Tradition von Beginn an miterlebt hat, ist Raimund Gruner. Der ehemalige Polizeibeamte kümmert sich im Männergesangverein, der auch die Aufgaben eines Schützenvereines übernimmt, um das Schießen. Im Interview erklärt der 63-Jährige, wie es zu dem Brauch mit der Armbrust kam und was unter der Vogelstange besonders zu beachten ist.

Warum schießt man in Brabecke mit der Armbrust?

Raimund Gruner: Früher wurde der Vogel mit Holzknüppeln abgeworfen. Einige aus dem Dorf haben das aufgrund ihres Alters irgendwann nicht mehr geschafft, deswegen sind wir umgestiegen. Letztendlich hat man sich dazu entschlossen, Armbrüste zu bauen. Die erste Variante war noch aus purem Holz und mit sehr einfacher Abzugsmechanik. Die heutigen Armbrüste gab es ab 1985, sie sind viel genauer.

Wo liegt der Unterschied zum Gewehr?

Gewehre sind damals nicht angeschafft worden, weil man waffenrechtlich Probleme bekommen hätte. Gerade, weil wir als

dörflicher Verein keine richtige Vogelstange besaßen und es schlicht zu kostenpflichtig gewesen wäre, das Waffenrecht zu erwerben und neue Gewehre anzuschaffen. An der Vogelstange wäre durch umliegende Wohnhäuser auch gar kein Einsatz von Gewehren mehr möglich.

Welche Armbrüste kommen zum Einsatz?

Im Prinzip sind sie marktüblich, aber komplett selbst zusammengebaut. Der Holzschaft wurde von Franz Theune geschliffen, auch die Sehnenbahnen hat er aufgebaut. Die Einspannvorrichtungen waren im Handel frei verkäuflich und gut zu bekommen. So sind die Exemplare entstanden, mit denen auch heute noch geschossen wird. Lediglich ein Rotpunktvisier wurde ergänzt. Die Vorgängermodelle wurden 1972 angeschafft, waren am Ende aber viel zu ungenau, um ein Vogelschießen damit zu veranstalten.

Wie oft werden die Waffen überprüft?

Die Armbrüste werden von mir persönlich kontrolliert. Jedes Jahr vor dem Schützenfest werden sie auseinander gebaut und die Abzugsmechaniken auf Verschleiß überprüft. Danach wird geschaut, ob man eventuell mit Ersatzteilen nachbessern muss. Kurz vor dem Fest werden sie dann wieder zusammengebaut.

Besteht trotzdem Gefahr beim Schießen?

Es ist vor allem wichtig, dass die Ladevorrichtung korrekt bedient wird. Zudem muss man ziemlich aufpassen, dass diejenigen, die das Ziel anvisieren, nicht mit Fingern auf die Laufbahn der Sehne kommen, sonst besteht Verletzungsgefahr. Zu Unfällen ist es in 46 Jahren allerdings noch nicht gekommen. Auch unser Kugelfang wurde erneuert, damit keine Rückpraller entstehen. Die Technik hat sich bewährt und funktioniert seit Jahren tadellos und fehlerfrei.

Wer darf die Geräte an der Schießanlage bedienen?

Theoretisch darf das jeder, der eine Einweisung bekommen hat. Jedoch gibt es Sicherheitsmerkmale, die beachtet werden müssen. Es gibt zum Beispiel die Lafette, die eingespannt und befestigt werden muss, da sie nicht wegrutschen darf. Außerdem muss die Zielvisierung so eingestellt sein, dass sie nicht aus dem Geschossfangkasten heraus zielt.

Wie einzigartig ist die Tradition des Armbrustschießens?

Nach meinem Wissen sind wir der einzige Verein im Umkreis, der ein Schützenfest mit der Armbrust bestreitet.

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