Corona und Studium

Vom Hörsaal in die Home-Uni: So ist der Alltag in Meschede

Die Wirtschaftsstudentin Christina Brüggemann hat ihre Home-Uni im Haus ihrer Eltern in Calle eingerichtet. Sie rechnet damit, dass ihr Studium länger dauern werde.

Die Wirtschaftsstudentin Christina Brüggemann hat ihre Home-Uni im Haus ihrer Eltern in Calle eingerichtet. Sie rechnet damit, dass ihr Studium länger dauern werde.

Foto: Privat

Calle/Meschede.  Uni@home ist das Motto für Studierende an der Fachhochschule Südwestfalen in Meschede - das wird in der Corona-Zeit erst einmal so bleiben.

Leere Hörsäle, dennoch (fast) voller Studienbetrieb – so sieht das laufende Sommersemester an der Fachhochschule Südwestfalen in Meschede gerade aus.

Vorlesungen im eigenen Zimmer

Uni@home ist das Motto für die Studierenden. Im eigenen Arbeitszimmer finden seit April Vorlesungen, Seminare und mittlerweile auch Prüfungen statt. Das wird auch so bleiben, laut Ministerium für Kultur und Wissenschaft NRW für das gesamte Sommersemester. Einblicke ins Online-Semester von Studentin Christina Brüggemann und Studierenden-Coach Dr. Torsten Pätzold.

Wie kommen die Studierenden in Meschede damit klar? „Das läuft eigentlich ziemlich gut“, meint Christina Brüggemann. Die Wirtschaftsstudentin hat ihre Home-Uni im Haus ihrer Eltern in Calle eingerichtet. Technisch ist sie gut ausgestattet: Laptop, zweiter Bildschirm, ein Tablet zum Mitschreiben, die Internetverbindung ist ok. Aktuell besucht sie ein Pflichtmodul und mehrere Wahlpflichtfächer.

Die Mehrheit der Dozenten bemüht sich aus ihrer Sicht, die Studierenden bestmöglich zu unterstützen. „Am besten gefällt mir im Moment das Fach Konfliktmanagement“.

Die Dozenten kommunizierten per Videokonferenz sehr angenehm und auf Augenhöhe mit den Studierenden. Und da der Unterricht per Videokonferenz aufgezeichnet wird, könne sie sich im Nachgang noch einmal anschauen, was sie nicht verstanden habe. „Im Hörsaal ist hingegen das gesprochene Wort nach der Veranstaltung weg.“

Nicht zu viel vornehmen

Einige Wermutstropfen gibt es dennoch. Vor allem vermisst Brüggemann den persönlichen Kontakt zu anderen Studierenden. Nicht in allen Fächern bekommt sie die Unterstützung, die sie sich wünscht. Einzelne Professoren setzen sehr aufs Selbststudium, geben Aufgaben aber kaum Rückmeldungen zur Lösung. Die Prüfungssituation ist lange unklar geblieben. Mittlerweile steht zwar fest, wie ausgefallene Prüfungen aus dem Wintersemester nachgeholt werden können.

Präsenzprüfungen sollen Ende des Sommersemesters stattfinden, mit strengen Distanz- und Hygieneregeln. Christina Brüggemann erwartet aber, dass ihr Studium länger dauert: „Insgesamt ist die Prüfungslast bei mir hoch und einige Klausuren sind durch Hausarbeiten ersetzt worden.“

Mehr Lebenszeit fürs Studium

Deshalb wird sie die eigentlich für den nächsten Winter anstehende Bachelorarbeit verschieben und ihr geplantes Masterstudium voraussichtlich ein Semester später beginnen können. Die Landesregierung hat die individuelle Regelstudienzeit um ein Semester verlängert, das findet sie gut und fair. Trotzdem investiert sie mehr Lebenszeit ins Studium. „Aber das ist dann halt so“, sagt Brüggemann.

Sich nicht zu viel vorzunehmen, empfiehlt auch Studierenden-Coach Dr. Torsten Pätzold. „Insbesondere Studierende in der Schlussphase ihres Studiums neigen jetzt dazu, sich zu überfordern.“ Pätzold kennt die Sorgen und Nöte der Studierenden. Auslandspraktika sind ausgefallen. Studienverläufe oder auch die nach dem Studium angestrebte Arbeitsstelle sind unsicher – der Druck auf manchen Studierenden ist hoch.

Fahrten fallen weg

Etwas entspannter erscheine ihm die Situation bei Studierenden in den niedrigeren Semestern. Vor allem Studierende, die weiter entfernt wohnten, empfänden den Online-Unterricht oft als positiv, weil die Fahrten zur Hochschule wegfielen. Das gelte aber nicht für alle. „Manche haben Schwierigkeiten zu Hause zu lernen, weil ihnen der geordnete Tagesablauf an der Hochschule fehlt oder sie zu Hause gestört werden“, berichtet Pätzold. Er rät in jedem Fall, sich Lernpläne zu erstellen und eine sinnvolle Tagesstruktur zurechtzulegen.

Bei Christina Brüggemann klappt das, auch wenn ihr Biorhythmus aktuell mehr den Takt vorgibt als sonst. Sie schläft bis zum Vormittag und lernt dafür häufig bis nachts. „Wenn ich das erzähle, werde ich häufig komisch angeguckt“, sagt sie, „aber eigentlich fahre ich damit ganz gut.“

>>>HINTERGRUND<<<

Die FH Südwestfalen befindet sich seit dem 19. März im geregelten Notbetrieb. Alle arbeiten im Home-Office. Die Gebäude dürfen nur in unabdingbaren Fällen und unter Auflagen betreten werden. Der Wachdienst führt Listen.

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