Vergiftung

Warnung vor giftigem Knollenblätterpilz auf Mescheder Wiesen

Der tödliche Knollenblätterpilz wächst auch in Meschede häufig gleich neben Champignons und Co.

Der tödliche Knollenblätterpilz wächst auch in Meschede häufig gleich neben Champignons und Co.

Foto: Klaus Hengesbach

Meschede/Freienohl.  Freienohler Pilz-Kenner warnt: Der Knollenblätterpilz sieht dem Champignon sehr ähnlich, der Verzehr kann aber gravierende Folgen haben.

Es war wieder einmal keine ertragreiche Pilzsaison. Die Trockenheit hat es den beliebten Sorten wie Steinpilz oder Pfifferling schwer gemacht und auch ihr hochgiftiger Artgenosse der Grüne Knollenblätterpilz ist in diesem Jahr nicht übermäßig gut gedeiht. Dennoch wurde er von Klaus Hengesbach aus Freienohl häufig flächendeckender als üblich entdeckt. Wer jetzt noch die letzten Pilze sammelt, sollte also besonders vorsichtig sein.

„Knollenblätterpilze sowie essbare Boviste und Champignons habe ich schon auf Kinderspielplätzen im Stadtgebiet Meschede gefunden. Dort wuchsen sie manchmal gleichzeitig“, berichtet Hengesbach.

Das Heimtückische am Knollenblätterpilz ist, dass er von oben durchaus mit dem essbaren Champignon vergleichbar ist. Beide Arten wachsen teils gemeinsam auf Wiesen, sodass die Verwechslungsgefahr für ungeübte Pilzsammler oder Kinder steigt. Der größte Unterschied zwischen tödlichem Knollenblätterpilz und leckerem Champignon ist die Farbe der Lamellen: Während diese beim Champignon braun sind, sind sie beim giftigen Artgenossen weiß.

Doch was passiert, wenn man aus Versehen doch einen hochgiftigen Knollenblätterpilz zu sich nimmt? Der Grüne Knollenblätterpilz beinhaltet ein Zellgift, das vor allem die Zellen im Magen-Darm-Trakt und in der Leber angreift. Es gibt drei Phasen des Vergiftungsverlaufs. In der Latenzphase, die sechs bis 24 Stunden nah Verzehr des Pilzes eintritt, zeigen sich häufig noch gar keine Symptome. Erst in der so genannten gastrointestinalen Phase treten bei Betroffenen meist Durchfall, Erbrechen, Magenkrämpfe und Fieber auf. Und erst in einer dritten Phase, die 24 bis 48 Stunden nach Verzehr des Knollenblätterpilzes eintritt, greift das Gift die Leber an und kann sich auf die Niere und weitere Organe übertragen - und im schlimmsten Fall zum Tod führen.

Nie nur auf Bücher und Apps verlassen

So weit muss es aber nicht kommen. Stadtsprecher Jörg Fröhling rät vor allem unerfahrenen Pilzsammlern, sich nie ausschließlich auf Bücher oder Pilz-Apps zu verlassen, sondern zunächst mit einem erfahrenen Pilzexperten loszuziehen. „Grundsätzlich kann ich aber sagen, dass die Gefahr durch Knollenblätterpilze in Meschede im Vergleich zu den Vorjahren nicht angestiegen ist. Durch die Trockenheit hatten wir hier wieder ein schlechtes Pilzjahr“, erklärt Fröhling.

Keine Hausmittel bei Vergiftung

Die Deutsche Gesellschaft für Mykologie (Pilzwissenschaft) gibt zudem Tipps, wie man sich bei einer drohenden Pilzvergiftung am besten verhält. Es wird dringend davon abgeraten, eine etwaige Pilzvergiftung mit Hausmitteln zu bekämpfen. „Milch trinken ist immer falsch, aber auch Salzwasser trinken, um Erbrechen zu fördern oder Kohletabletten, um Durchfälle zu lindern, können schwere Nachteile mit sich bringen und die Prognose bis hin zum Tod verschlechtern“, heißt es von der Deutschen Gesellschaft für Mykologie. Wer davon ausgeht, sich eine Pilzvergiftung zugezogen zu haben, solle möglichst schnell einen Arzt oder eine Giftzentrale kontaktieren. Zudem sei es hilfreich, Pilzreste oder sogar ggf. Erbrochenes für eine spätere Untersuchung aufzubewahren.

„Ich habe mit der Zeit gelernt, Pilze zu unterscheiden und beobachte den Knollenblätterpilz hier schon seit Jahrzehnten. Vor allem wenn er ganz klein ist, kann man ihn schlecht von einem kleinen Champignon unterscheiden“, berichtet Klaus Hengesbach von seinen Erfahrungen. Daher ist es dem Freienohler wichtig, dass vor allem Eltern mit Kindern beim Pilze sammeln besonders gut darauf achten, dass nicht aus Versehen der tödliche Knollenblätterpilz im Sammelkörbchen landet.

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