Zu Besuch

Warum Bruno Peus jetzt auch noch zum Winzer wird

Bruno Peus - Ehrenhauptmann von St. Georg und früherer Bürgermeister von Meschede.        

Bruno Peus - Ehrenhauptmann von St. Georg und früherer Bürgermeister von Meschede.        

Foto: Sabina Butz

Meschede.   Zu Besuch beim früheren Bürgermeister von Meschede: Jetzt geht Bruno Peus auch noch unter die Winzer.

„Das Handwerk, die Kommunalpolitik und das Vereinsleben haben mein Leben geprägt.“ So antwortet Bruno Peus auf die Frage, was ihm im Leben wichtig sei.

Angefangen hat es mit dem Handwerk. In der elterlichen Tischlerei ließ er sich ausbilden, arbeitete anschließend in unterschiedlichen Betrieben im Lüdinghausen, Beckum, Dortmund und Bochum. Als 23-Jähriger legte er als Jahrgangsjüngster in Arnsberg seine Meisterprüfung ab, um anschließend wieder in den elterlichen Betrieb einzusteigen. In diesem Betrieb ist er auch heute noch täglich anzutreffen, auch wenn die Führung auf seinen Sohn Thomas übertragen ist.

St.-Georgs-Kapelle am Mescheder Südfriedhof

Bruno Peus liebt seinen Beruf: „Aus Holz etwas zu schaffen, ist wunderschön.“ Wo er die Zeit für seine unzähligen Nebenbeschäftigungen hergenommen habe, beantwortet er so: „Da sieht man etwas, was getan werden muss, und dann tut man es.“ Wie zum Beispiel die Restauration der St.-Georgs-Kapelle am Mescheder Südfriedhof in der Steinstraße, die er 1986 innerhalb der Bruderschaft St. Georg maßgeblich mitgestaltete. Der Bruderschaft verdankt die Kapelle auch ihren Namen. Da dort niemand war, der die Glocken läuten konnte oder wollte, übernahm Bruno Peus dieses Amt gleich mit. Zu Anfang noch dreimal täglich, heute nur noch einmal.

Die St.-Georgs-Kapelle lebt wieder. Zum Beweis führt Peus den Kreuzweg an, der dort im März unter Pater Julian zelebriert wurde.

Zu seinem Alltag teilt er mit, dass er den Haushalt allein bewältigt, allerdings mit Unterstützung bei den reinen Putzarbeiten. Außerdem sei er ja täglich im Betrieb, und dann sind da auch immer noch ein paar Aufgaben, die er verfolgt: „Besonders am Herzen liegt mir der Arbeitskreis für die Aufarbeitung historischer Belange in St. Walburga, dem ich angehöre. Jedes alte Gebäude verdient es, erhalten zu werden, zumindest sollte sorgfältig abgewogen werden, bevor etwas komplett ersetzt wird.“

Vielseitiges Vereinsleben

Auch das kulturelle Angebot in Meschede sei vielseitig und interessant, ebenso wie das Vereinsleben in den zahlreichen Clubs und Vereinen der Stadt. „Allerdings muss man sich schon selbst einbringen, also auf die Dinge zugehen, das gilt für Kultur und Vereine.“, spricht hier wieder der Pragmatiker. „Wer immer nur wartet, dass die anderen etwas tun, der verpasst am Ende alles. Das Miteinander sollte wieder mehr in den Vordergrund gerückt werden. Solidarität heißt dabei für mich, dass auch kontroverse Standpunkte ausgehalten werden müssen. Gemeinsam kann man fast alles lösen, allein fast nichts.“

Leichtfertiges Versprechen

Zum Thema Selbstkritik schmunzelt Bruno Peus: „Also, da habe ich einmal, als ich Schützenhauptmann geworden war, etwas leichtfertig versprochen, dass ich demjenigen, dem als erster ein Sohn geboren wird, der dann auch noch Georg getauft wird, ein 100 Liter Fass Bier persönlich zustellen würde. Der Fall trat ein, der kleine Georg wohnte in Enste, und ich habe das Fass gerollt und gerollt und gerollt. Ich habe mein Wort gehalten.“

Bruno Peus wird noch einmal nachdenklich ernst: „Der 1906 in Meschede geborene und 1986 verstorbene Schriftsteller Hannes Tuch hat sich im Rahmen der 500-Jahrfeier der St.-Georg-Schützenbruderschaft sehr für uns eingesetzt. Seit der Zeit war ich mit Ihm freundschaftlich verbunden, weshalb er mir schon zu seinen Lebzeiten sein Grabkreuz vermacht hat. Dieses Grabkreuz habe ich 1986 auf der Beerdigung von Hannes Tuch für die St.-Georg-Schützenbruderschaft auf dem Mescheder Südfriedhof aufgestellt. Jetzt ist die Ruhefrist abgelaufen, und das Kreuz wird auf mein Familiengrab auf demselben Friedhof versetzt. Das ist doch eine schöne Geste für seine und meine Heimatstadt Meschede.“

Schalk aus den Augen

Dann blitzt der Schalk wieder aus den Augen: „Ach ja, ein neues Hobby habe ich jetzt total vergessen: Seit 2018 bin ich unter die Winzer gegangen. Kein Witz. Der Beweis sind die Reben, die man vom Wohnzimmerfenster am Ufer der Henne betrachten kann. „Letztes Jahr war erst nur ein Probelauf, ab 2019 wird der Hennetal-Wein aus der Winzerei Bruno Peus bestimmt ein Hit. Vielleicht reicht er dann zu meinem 100ten Geburtstag, zu dem ich ja ganz Meschede auf den Kaiser-Otto-Platz eingeladen habe, für ein Schlückchen für jeden Gast.“

Er sagt das ganz ernst, aber seine Augen lachen dabei so, als ob er sich selbst durchaus nicht immer nur ernst nehmen würde.

>>> Biografie

Bruno Peus wurde 1933 in Meschede geboren. Als Sohn eines Tischlermeisters (der elterliche Betrieb wurde 1857 gegründet, da erübrigt sich die Frage nach dem Poahlbürger) ließ er sich im elterlichen Betrieb ausbilden.

Anschließend arbeitete er in Lüdinghausen, Beckum, Dortmund und Bochum. In Arnsberg legte er seine Meisterprüfung ab, als 23-Jähriger und somit Jahrgangsjünster Tischlermeister.

Bruno Peus war Bürgermeister von Meschede (1969 bis 1974, 1998 bis 1999), stellvertretender Bürgermeister und Fraktionsvorsitzender der CDU. 29 Jahre vertrat er die CDU im Stadtrat, 19 Jahre war er Hauptmann der St.-Georgs-Schützenbruderschaft, heute Ehrenhauptmann. Seit 70 Jahren ist er Mitglied im SSV.

1986 wurde ihm das Verdienstkreuz am Bande der BRD verliehen, 1994 der Ehrenring der Stadt Meschede.

Bruno Peus ist verwitwet und lebt in Meschede.

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