ERMITTLUNGEN

Was hinter dem Brand-Anschlag von Meschede steckt

Eine wichtige Beweis-Szene für die Ermittler: Ein Molotow-Cocktail zündet an der Hauswand - diese Szene stammt aus dem Bekenner-Video zu dem Brandanschlag.

Eine wichtige Beweis-Szene für die Ermittler: Ein Molotow-Cocktail zündet an der Hauswand - diese Szene stammt aus dem Bekenner-Video zu dem Brandanschlag.

Meschede.   Es gibt ein Bekenner-Video, es gibt einen Zeugen: Das Motiv für den Brandanschlag in Meschede scheint eindeutig zu sein.

Zu sehen sind zwei dunkel gekleidete Menschen. Sie haben Kapuzen über den Kopf gezogen. Auf einmal flackern Flammen in der Nacht auf, jetzt werden Molotow-Cocktails entzündet. Sie verfehlen ein Fenster nur knapp und werden mit Wucht an die Hauswand geworfen. Ein greller Feuerschein blitzt auf.

Es sind Szenen aus einem Bekenner-Video zum Brandanschlag in der Nacht zum Sonntag auf das türkische Vereinsheim am Lanfertsweg in Meschede.

PKK bekennt sich

Im Internet ist der Film auf verschiedenen Seiten zu sehen, präsentiert von kurdischen, zum Teil militanten Kreisen. Für Polizei und Staatsanwaltschaft ist das Video eine der wichtigsten Spuren in diesem Fall: Der Anschlag ist detailliert zu sehen, der Tatort ist klar zu erkennen. Gleichzeitig gibt das Video einen Hinweis auf das Motiv: den politischen Konflikt zwischen Kurden und Türken.

Bekannt zu der Tat hat sich zum einen die PKK, die verbotene Arbeiterpartei Kurdistans. Sie kämpft als Untergrundorganisation für politische Autonomie in den Teilen der Türkei, die von Kurden besiedelt sind. Deutschland hat die PKK als terroristische Vereinigung eingestuft. Zum anderen ist von einer deutsch-kurdischen „Antifa“ die Rede und von Jugendlichen, die „eine Aktion gegen einen Verein der Grauen Wölfe in Meschede durchgeführt haben.“

Heulender Wolf an der Wand

Auch dieser Hinweis passt ins Bild: Die „Grauen Wölfe“ sind türkische Rechtsextreme, und wer sich auf der Facebook-Seite des „ATF Meschede Ülkü Ocağı“ - so der offizielle Name - umschaut, wird schnell fündig: Fotos mit dem heulenden Wolf sind zu sehen.

Das Symbol der türkischen Rechtsextremisten ist auf die Wand des Vereinsheims am Lanfertsweg gemalt. 2011 war der Verein in die frühere Kneipe „Landsknecht“ gezogen. Zu sehen sind auch Bilder von Männern, die das Wolfszeichen machen - ein weiteres Symbol der nationalistischen Bewegung.

Bis hierhin scheint der Brandanschlag aufgeklärt: militante kurdische Kreise haben eine Attacke auf türkische rechtsextreme Kreise verübt. „Wir ermitteln in diese Richtung“, bestätigte Oberstaatsanwalt Thomas Poggel. Hinweise auf andere Motive, beispielsweise deutsche Rechtsradikale als Täter, gibt es nicht.

Als möglich gilt dagegen auch ein Zusammenhang mit weiteren Anschlägen in der Nacht zum Sonntag in mehreren Orten in Deutschland auf türkische Moscheen und Einrichtungen. War es eine gezielte, koordinierte Aktion? „Die Ermittlungen laufen“, sagt Oberstaatsanwalt Poggel. Die Ermittler gehen verschiedenen Spuren nach.

Festgenommene auf freiem Fuß

Was sie nicht mehr haben: konkrete Tatverdächtige. Zunächst hatte es danach ausgesehen, als könnten Staatsschutz und Staatsanwaltschaft einen schnellen Ermittlungserfolg vermelden: Noch in der Nacht waren nach dem Brandanschlag drei Männer festgenommen worden, die sich in einem Auto in der Nähe aufhielten.

Es handelte sich um Syrer im Alter von 26 und 30 Jahren. Sie bestritten die Tat von Beginn an und wurden am Montagmittag wieder auf freien Fuß gesetzt. „Es liegt kein dringender Tatverdacht vor“, teilte Oberstaatsanwalt Poggel mit. Einer der Syrer wohnt in dem Viertel, in dem sich das türkische Vereinsheim befindet. Das Trio könnte zufällig zur falschen Zeit am falschen Ort gewesen sein.

Zwei Gruppen am Tatort

Für die Ermittler bedeutet das: Es könnten zwei Gruppen am Tatort gewesen sein. „Ein Zeuge hat vier Personen gesehen - drei am Tatort und eine am Auto“, erklärte Oberstaatsanwalt Poggel. Ermittelt wird wegen versuchter Brandstiftung.

Auch wenn der Sachschaden am Gebäude gering war und niemand verletzt worden ist, weil nur einer der drei Molotow-Cocktails zündete: Es drohen Freiheitsstrafen. Nach dem Gesetz können bis zu 15 Jahre Haft verhängt werden.

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