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Weiterer Einzelhändler gibt sein Geschäft in Meschede auf

Es läuft schon der Räumungsverkauf: Mit dem Herrenausstatter Christian Leisse gibt ein weiterer Einzelhändler in Meschede auf.

Es läuft schon der Räumungsverkauf: Mit dem Herrenausstatter Christian Leisse gibt ein weiterer Einzelhändler in Meschede auf.

Foto: Oliver Eickhoff

Meschede.   Eine weitere schlechte Nachricht für Meschede: Der nächste Einzelhändler gibt auf. Wie kann der Trend gestoppt werden?

Ein weiterer Einzelhändler wird sein Geschäft in Meschede schließen. Der Herrenausstatter Christian Leisse gibt seine Filiale am Von-Stephan-Platz nach nur wenigen Monaten auf. Zum Ende dieses Monats, spätestens aber im März ist Schluss, kündigte er an. Damit droht ein weiterer Leerstand in der Innenstadt.

„Im Moment trifft es uns hart“, gibt Bürgermeister Christoph Weber zu: das CAB-Bücherstudio, „Eva’s Modeladen“, Spiel- und Lederwaren König und jetzt Herrenausstatter Leisse – gleich vier Geschäfte, die von Inhabern geführt waren, sind bereits geschlossen oder werden in Kürze aufgeben.

Generationenwechsel

„Jede einzelne Entscheidung ist für sich genommen nachvollziehbar“, sagt Weber. „Meistens ist es der Generationenwechsel, der nicht vollzogen wird. Leider ist zurzeit niemand da, der sagt: Ich probiere es jetzt.“ In Pessimismus will Weber allerdings nicht verfallen: „Ich glaube an den Einkaufsstandort Meschede“, betont der Bürgermeister.

Er höre regelmäßig für Lob für die Aufenthaltsqualität in der umgestalteten Innenstadt mit der freigelegten Henne, vor allem von Auswärtigen. Auch um den Zuschnitt der Fußgängerzone werde Meschede beneidet, und dort gehen die Pläne für eine baldige Modernisierung voran. Zugleich registriert Weber viele Anfragen von großen Filialisten. Sie suchen Flächen ab 1000 Quadratmetern – diese Angebote sind in Meschede rar.

Vorbild IMW

Für den Bürgermeister stellt sich an der Stelle die Frage: „Was wollen wir? Welcher Branchenmix ist gewünscht? Welche Perspektiven gibt es?“ Rat und Verwaltung seien bereit, darüber bei Bedarf intensiver mit der Werbegemeinschaft „Meschede aktiv“ zu sprechen.

Weber nennt als Vorbild die Zusammenarbeit mit der Interessengemeinschaft Mescheder Wirtschaft (IMW) – diese verlaufe sehr erfreulich: „Da diskutieren wir viel.“ Allerdings räumt Weber ein, dass die Werbegemeinschaft anders als der Zusammenschluss der Unternehmer unterschiedlichere Interessen unter einem Dach vereinen müsse – vom Kaufmann mit Eigentum bis zum Existenzgründer als Mieter.

Wie überall in Deutschland

Weber sieht einen Wandel in Meschede von einer Stadt, die bislang sehr stark von Fachhändlern und Eigentümern als Betreiber geprägt war, hin zu mehr Filialisten. Er geht davon aus, dass – wie überall in Deutschland – auch künftig Geschäfte schließen werden, „die im stationären Einzelhandel nicht zu halten sind.“

Zugleich warnt er vor dem Glauben, dass mit der Eröffnung des Henne-Ruhr-Marktes am Winziger Platz „die gute alte Zeit in Meschede für alle wiederkommt“. Weber: „Die kommt so nicht wieder. Die Parameter haben sich verändert.“ Er wirbt daher dafür, gemeinsam mit der Werbegemeinschaft alle Einflussfaktoren für Meschede als Einkaufsstandort zu nutzen.

Existenzgründern eine Chance geben

Andre Wiese, der Vorsitzende von „Meschede aktiv“, sieht die derzeitige Entwicklung als kein spezielles Problem dieser Stadt an – „es ist der Lauf der Branche momentan.“ Wer etwas wage, der habe allerdings auch Erfolge. Als Beispiel nennt er den Umzug des „Paradiesvogels“ in die Steinstraße.

Wiese räumt ein, dass zu hohe Mieten ein Problem in Meschede seien, speziell in der Ruhrstraße. „Es lässt sich nicht pauschalisieren, aber es gibt Eigentümer, die auf einem hohen Ross sitzen.“ Er wünsche sich, dass auch Existenzgründer eine Chance bekämen. Wiese würde sich wünschen darüber verstärkt ins Gespräch zu kommen, beispielsweise mit dem Arbeitskreis der Eigentümer Ruhrstraße, die sich um die Umgestaltung der Fußgängerzone kümmert.

Nichts schlecht reden

Herrenausstatter Christian Leisse möchte sich nicht zur Aufgabe seiner Filiale in Meschede äußern. Er möchte nicht wirken wie jemand, der etwas schlecht redet und dann geht. Nur so viel: Seine Läden in Brilon und Willingen bleiben bestehen. Dort läuft aus Sicht von Leisse manches besser, auch in der Zusammenarbeit aller Akteure vor Ort.

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