Pandemie

Wie die Corona-Angst private Feiern in Meschede einschränkt

Familie Vollmer aus Calle. Stefan Vollmer, Inhaber von Grewen Mühle, blickt neben anderen auf die neuen Einschränkungen für private Feiern.

Familie Vollmer aus Calle. Stefan Vollmer, Inhaber von Grewen Mühle, blickt neben anderen auf die neuen Einschränkungen für private Feiern.

Foto: Alexander Jürgens

Meschede/Calle.  Wenn die Corona-Zahlen steigen, sollen private Feiern weiter eingeschränkt werden. Das sagen betroffene Mescheder dazu.

Nur noch 50 Gäste, sobald es mehr als 35 Neuinfektionen in der Woche gibt - noch sind es 150. Wie ein Damoklesschwert schweben die neuen Einschränkungen der Bundes- und Landesregierung über allen, die feiern wollen und über denen, die mit Feiern und Gästen ihr Geld verdienen. Wir haben vier Mescheder befragt, wie sie von den neuen Einschränkungen betroffen sind. Sie alle spüren vor allem die große Verunsicherung ihrer Gäste und ihnen fehlt jegliche Planungssicherheit. Und das obwohl die Zahlen zurzeit im HSK noch weit entfernt von kritischen Werten liegen (siehe Infobox).

Der Caterer

„Wer jetzt im Oktober noch feiern will, feiert“, ist Stefan Vollmer überzeugt. Doch was danach kommt, das weiß er auch nicht. Vollmer ist Inhaber von Grewen Mühle, der Hochzeitsscheune in Calle und betreibt gleichzeitig ein Caterer-Geschäft. Im Oktober hat er noch zwei Hochzeiten mit 70 und 100 Gästen, die ihren Termin schon vom Mai verschoben hatten.

Auch das übrige Caterer-Geschäft sei deutlich kleiner geworden, sagt Vollmer. 50. Geburtstage in Schützenhallen gebe es gar nicht mehr, Weihnachts- und Betriebsfeiern sind abgesagt. Kommunionen würden zu Hause im kleinen Kreis gefeiert. „Und auch da gab es schon Absagen.“ Den Sommer über hatte erfolgreich mit einem à la carte-Geschäft draußen vor der Scheune gegengesteuert. Doch jetzt müsste der Umzug ins Haus erfolgen. Dafür hat Vollmer in Technik investiert, die die Luft filtert und auch Viren abtötet. „Wir können ja nicht dauerlüften und die Gäste müssen im Wintermantel hier sitzen.“ Insgesamt sei die Lage angespannt. „Wir hoffen auf einen Impfstoff, aber selbst der verhindert nicht, dass die Gesellschaft zweigeteilt bleibt, in die, die verunsichert sind, und in die, die total entnervt sind.“

Die Event-Agentur

Dirk Joachimsmeier plant und organisiert mit Eventtechnik Südwestfalen, die großen Messen und Konzerte, aber auch Firmenfeiern, Hochzeiten und verleiht Ausrüstung - wie Boxen und Strahler - an kleinere Hobby-DJs. Er sagt: „Das Geschäft geht gegen Null.“ Gerade erst hat ein Brautpaar ein Zelt und Stühle abbestellt, die Feier wird von 200 auf 140 Gäste verkleinert. „Vor allem ältere Verwandte hatten aus Sorge um ihre Gesundheit abgesagt.“

Joachimsmeier gibt dem Bonner Virologen Hendrik Streeck recht: „Die Menschen sind total verunsichert.“ Verstehen kann er die meisten. Besonders wenn es Erkrankungsfälle im näheren Umfeld gab. „Ich würde im Moment auch auf keine Spaß-Veranstaltung gehen, wo sich alle in den Armen liegen. Zukunftsträchtig sind meiner Meinung nach nur Veranstaltungen mit einem guten Hygienekonzept. Ich kann es mir nicht leisten, wegen einer Corona-Infektion auch noch meinen Betrieb komplett lahmzulegen.“

Die Gastronomin

Was dann passiert, wenn tatsächlich eine Corona-Infektion im Betrieb auftauchen sollte, das wagt sich Brigitte Kotthoff vom Hennedamm-Hotel auch nicht vorzustellen. „Aber ich habe auch keinen Informationen dazu. Denn wir können hier natürlich nicht in zwei Teams arbeiten.“

Schon jetzt sei eine Planung immer nur kurzfristig möglich. „Wochenpläne für die Einteilung des Personals sind schwierig.“ Denn es gebe immer wieder Absagen. Eine grundsätzliche Verunsicherung vermag sie aber nicht festzustellen. „Die Menschen gehen sehr unterschiedlich damit um.“ Zur Not könne sie eine große Feier über mehrer Räume verteilen. Kleinere Familienfeiern, wie die Kommunionen hätten zuletzt stattgefunden. „Aber selbst bei Beerdigungen wird auf das anschließende Kaffeetrinken oft verzichtet.“ Runde Geburtstage seien direkt zu Beginn von Corona oft komplett abgesagt worden oder fänden jetzt nur noch im kleinen Kreis statt. „Wer 80 wird, verlegt die Feier nicht ins nächste Jahr.“

Die Schützen

„Private Feiern“, Andreas Wrede, Hauptmann der St.-Georgs-Schützen, schüttelt dem Kopf, „die finden in unserer Schützenhalle quasi nicht mehr statt.“ Die Halle ist groß, 600 bis 800 Gäste wären kein Problem. Deshalb ist sie bei tamilischen und türkischen Hochzeitsgesellschaften normalerweise beliebt. 150 Gäste sind jetzt nur erlaubt. „Doch wen sollen die Familien ausladen?“ So finden in der Schützenhalle im Moment IHK-Prüfungen, die Probe des Musikzuges der Feuerwehr und die Kurse des Hegerings statt. „Es gibt immer mal wieder Anfragen für private Feiern“, sagt Wrede.

Für runde Geburtstage, Treffen von Kegelclubs oder Betriebsfeiern, aber immer im Konjunktiv. „Und dass die Organisatoren dann dem Ordnungsamt ein Hygienekonzept vorlegen und die Gästeliste einreichen müssen, das schreckt ab.“ Das sei schon eine signifikante Einnahme, die der Bruderschaft da fehle. „Ich habe bereits im März das Jahr 2020 gedanklich komplett abgeschrieben, alles was jetzt noch reinkommt, ist Gewinn.“

>>>HINTERGRUND

Über die neuen bundesweiten Einschränkungen soll das Infektionsgeschehen lokal und regional eingeschränkt und gesteuert werden. So die Erklärung der Ministerpräsidenten nach dem Treffen mit der Kanzlerin. Die Beschlüsse:

Steigt die 7-Tage-Inzidenz über 50 Neuinfektionen, dürfen im öffentlichen Rahmen nicht mehr als 25 Personen feiern, bei mehr als 35 Neuinfektionen dürfen es maximal 50 Personen sein. Im privaten Rahmen, so lautet die Empfehlung sollten es entsprechend nicht mehr als 10 oder 25 Personen sein.

Die 7-Tage-Inzidenz im HSK liegt aktuell bei 4,6 Neuinfektionen, berichtet Martin Reuther, Pressesprecher des HSK. Seit der Einführung dieser Zahl als Grundlage für Verbote, sei der HSK nicht mal in die Nähe des Risikowertes gekommen.

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