Paare

Wie ein Ei dem anderen: Spannende Pärchen aus dem Sauerland

Wie ein Ei dem anderen: Winfried und Michael Gerold (rechts,55) aus Bestwig. 

Wie ein Ei dem anderen: Winfried und Michael Gerold (rechts,55) aus Bestwig. 

Foto: Ilka Trudewind

Unter dem Motto „Wie ein Ei dem anderen“ haben wir für Ostern Pärchen aus dem Stadtgebiet aufgespürt. Dazu gehören Orte, Kirchen und Zwillinge.

Als Zwilling geboren im Sternzeichen Zwilling, Vater von Zwillingen und Patenonkel eines Zwillingsmädchens. Und im Kegelclub gab’s damals innerhalb von drei Jahren gleich drei Mal Zwillinge zu feiern. Man könnte sagen, dass sich bei Winfried Gerold ein gewisses Thema nahezu aufdrängt... Ein Besuch in Bestwig.

Am Tisch sitzen die doppelten Gebrüder Gerold: Die Zwillinge Michael und Winfried (55) und Winfrieds Söhne Sven und Jörn (23). Ähnlich ja, wie ein Ei dem anderen? Nein. „Als Kinder war das extremer, da hatten wir auch die gleichen Sachen an“, sagt Jörn, der acht Minuten ältere.

„Eineiig oder zweieiig?“, diese Frage wurde Winfried Gerold oft gestellt, wenn er den Zwillingswagen durch Bestwig schob. Manch ältere Dame, es sei ihm nach 23 Jahren verziehen, verschaukelte er damals: „Oh ja, sogar viereiig!“ Die Verschaukelten reagierten mit Bewunderung. „Ach, das gibt es auch?“

Den Witz haben die erwachsenen Söhne schon oft gehört, für sie wird er

nicht besser. „Ach Papa.“ Zwillings-Onkel Michael Gerold (55) lacht. „Den Humor teile ich mit meinem Bruder. Tief schwarz, manchmal nah an der Grenze.“ Wann die überschritten ist? „Wenn alle schweigen.“ Aber das sei selten. Dafür sind die Gerolds auch zu sympathisch. Wer mit den Augen lachen kann, dem wird schnell verziehen.

Sonstige Ähnlichkeiten? Michael Gerold hatte früher lange Locken, sein Bruder glattes Haar. „Mit dem Alter werden wir uns wieder ähnlicher“, sagt der einst Glatthaarige und streicht über graues Haar. Beide lieben die Natur, der eine (Michael) erfüllte sich den Traum einer „Ranch“ mit Schafen und einem Esel, der andere erläuft, erwandert und beradelt sie.

Und bei den Frauen? Ja, da gäbe es auch eine Auffälligkeit: Ihre Geburt trennt nur ein Tag. Die Mütter lagen sogar auf einem Zimmer im Krankenhaus.

Das große und das kleine Kückelheim

Es gibt das große und das kleine Kückelheim. Beide zusammen haben knapp 420 Einwohner: Das eine gehört zur Gemeinde Eslohe und das andere zu Arpe. Denn Schmallenberg-Kückelheim sagt niemand.

„Das kommt noch aus Zeiten, als Kückelheim auf keiner Karte zu finden war. Arpe hingegen schon“, erklärt Ortsvorsteher Johannes Trippe (37).

Früher habe man jedoch noch eine gewisse Feindschaft zu den Arpern gepflegt, das sei heute nicht mehr. So werde es durchaus geduldet, dass er als gebürtiger Kückelheimer nun in Arpe lebe.

Im großen Kückelheim wohnen etwa 335 Menschen, der jüngste kam im Februar dazu, im kleinen sind’s „circa 90“, so Trippe. Straßennamen gibt’s keine. Die Häuser sind nummeriert, insgesamt 27, kunterbunt verteilt. Trippe warnt: „Ohne einen Familiennamen könnte man bei uns verloren gehen.“

Verwechslungen von Ortsunkundigen gab es jedoch schon viele: Security, die eine Party in Kückelheim (-Arpe) bewachen sollte, und plötzlich in der Kückelheimer Ehrenamtskneipe Kübel stand. Oder Autofahrer, die „mal wieder auf der Suche nach dem großen Erdbeerfeld in Kückelheim sind“, beschreibt Hans-Jürgen Reimann aus dem großen Kückelheim. Die Erdbeeren gibt es jedoch im kleinen Kückelheim – bei Arpe. Bei Trippes Bruder übrigens.

Auch der Name Kückelheim hat mit Beeren zu tun. Reimanns

Nachforschungen ergaben: Das große Kückelheim, 1543 erstmals erwähnt, hieß einst Kuickelheim. „Kuickel war die Bezeichnung für die Preisel- oder Johannisbeere, welche auf kargen Boden gedeiht. Dieses lässt vermuten, dass Kückelheim der Ort ist, der auf dürftigen Boden gebaut wurde“, so Reimann.

Diesem kann nur widersprochen werden: Da in Kückelheim nebst Erdbeeren auch Weihnachtsbäume und Weltmarktführer gedeihen (siehe Oster-Rätsel in dieser Ausgabe).

Barocke Hauben in Wormbach und Eversberg

Dieses Zwillingspaar trennen 33 Kilometer: Die Pfarrkirchen St. Peter und Paul in Wormbach und St. Johannes Evangelist in Eversberg sind eng verwandt.

Besonders die dreigestuften Kirchtürme ähneln sich stark, weil sie vom

gleichen Baumeister entworfen wurden. Meister Conrad Hesse setzte gleich mehreren Türmen auf westfälischem Boden eine barocke Haube auf. Auch im Hessischen gibt es Hallenkirchen dieses Typs.

Da der Baumeister aus Hallenberg kam, steht dort auch sein Urtyp: Der Turm der Pfarrkirche St. Heribert wurde 1708/09 auf alten Fundamenten erreichtet.

Es folgten im Jahr 1712 der wuchtige Westturm in Eversberg und 1731 der ebenfalls prächtige, achtseitige Barockhelm in Wormbach.

Die Geschichte Wormbachs ist im Sauerland jedoch herausragend: Wormbach gehört zu den Urpfarreien des oberen Sauerlandes und wurde 1072 dem Kloster Grafschaft einverleibt.

Bei Ausgrabungen wurden die Fundamente zweier Vorgängerbauten gefunden - eine davon aus Mitte des 9. Jahrhunderts. Die jüngsten Aufzeichnungen zur Eversberger Kirche stammen aus dem Jahr 1247 – damals erhielt die Gemeinde Pfarrrechte

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