Ehrenamt

Wie sich Maria Henke für die Menschen in Mexiko einsetzt

Maria Henke setzt sich seit 25 Jahren für den Verkauf von fair gehandelten Produkten im Stadtgebiet ein - so auch Tatico-Kaffee aus Mexiko, der auf dem Tisch vor ihr liegt.

Maria Henke setzt sich seit 25 Jahren für den Verkauf von fair gehandelten Produkten im Stadtgebiet ein - so auch Tatico-Kaffee aus Mexiko, der auf dem Tisch vor ihr liegt.

Foto: Laura Handke

Schmallenberg.  Maria Henke aus Schmallenberg setzt sich auch mit 80 Jahren noch für die Menschen in Mexiko ein. Sie hat schon Schockierendes gesehen.

Ein dickes, schwarzes Fotoalbum liegt vor Maria Henke auf dem Tisch. Es ist voll mit Fotos aus Mexiko und fein säuberlich eingeklebten Fahrkarten oder Flugtickets. 1999 hat der Kolpingvorstand 50 Kilogramm Kaffee in Schmallenberg und Umgebung verkauft, 2019 waren es schon 500 Kilo. Die 80-Jährige setzt sich seit 25 Jahren für den Verkauf von fair gehandelten Produkten im Stadtgebiet ein, unter anderem Tatico-Kaffee aus Mexiko. Für sie ist das eine Herzensangelegenheit. Sie blickt zurück auf bewegte Jahre und erzählt, wie sich der „Eine Welt Verkauf“ in Schmallenberg entwickelt hat.

Sie verkaufen seit mehr als 25 Jahren fair gehandelte Produkte in Schmallenberg, um Gutes zu tun. Wie kam es überhaupt dazu?

Maria Henke: Zwischen dem Kolpingwerk Diözesanverband Paderborn und den Kolpingwerken in den Partnerländern in Mittelamerika bestehen schon weit länger Partnerschaften. Mit Mexiko hat alles im Jahr 1995 begonnen. Grundlage ist ein Vertrag, der eine langfristige Zusammenarbeit garantiert. Das bedeutet für die mexikanischen Bauern eine sichere Zukunftsperspektive. Finanzielle Vorschüsse sorgen dafür, dass ihnen vor und während der Erntezeit ausreichende Mittel zur Verfügung stehen, um Erntehelfer zu bezahlen und ihre Familien zu versorgen. In dem Jahr kam das Projekt auch nach Schmallenberg - und damit der Tatico-Kaffee. Als die Firmbewerber etwas Soziales tun sollten, habe ich das Projekt in die Hand genommen, um es gemeinsam mit den Firmbewerbern zu machen. Danach bin ich nie wieder davon weggekommen, ich war immer mit ganzem Herzen dabei.

Warum bedeutet das Projekt für Sie so viel?

In meiner Familie wurde „Helfen“ schon immer groß geschrieben. Schon in jungen Jahren fing mein ehrenamtliches Engagement an. Man lebt nicht alleine auf der Welt, deswegen ist es wichtig, für andere Menschen da zu sein. In den Kolpingzeitschriften konnte man damals immer wieder traurige Berichte über Mexiko lesen. Deshalb habe ich mich richtig in die Arbeit reingekniet und versucht, so viel Kaffee wie möglich hier zu verkaufen. In meinem Leben hat das Projekt eine wirklich große Rolle gespielt.

Und warum haben Sie sich nun dazu entschieden, aufzuhören?

Ich habe immer gesagt, dass ich mit 80 Jahren mein Auto abgeben werde. Das habe ich getan. Jetzt bin ich nicht mehr so mobil, um alles zu den Verkaufsaktionen zu transportieren. Außerdem habe ich eine tolle Nachfolgerin gefunden: Petra Zimmer, die schon seit vielen Jahren eine gute Kundin ist und ihre drei Kinder sehr gute „Eine Welt Verkäufer“ sind. Ich kann also mit gutem Gewissen ihr die Federführung überlassen - ganz aufhören tue ich natürlich nicht. Einige Verkäufe und die Zusammenarbeit mit den Firmen und Geschäften übernehme ich weiter.

Was waren Höhepunkte in den vielen Jahren?

Sicherlich das Jahr 2006. Dort war ich gemeinsam mit einer Gruppe von Kolpingmitgliedern in Mexiko, um Hilfsprojekte zu besichtigen, die wir unterstützen. Im Rahmen der Reise haben wir auch die Kaffeeanbauer besucht, die den Tatico-Kaffee herstellen. Ich war total beeindruckt, aber auch total schockiert. Die Lebensbedingungen vor Ort waren ärmlich, hatten sich aber schon in den vergangenen 10 Jahren deutlich verbessert. Das hat mich noch einmal mehr darin bestärkt, dass die Arbeit die ich mache, genau die richtige ist. Ein weiterer Höhepunkt war der 22. November 2012. Das Kolpingwerk Paderborn hatte einen Wettbewerb ausgeschrieben: „Wer verkauft an einem öffentlichen Ort, mit einer bekannten Persönlichkeit, den meisten Tatico-Kaffee. Ich habe im Schmallenberger Rathaus gemeinsam mit dem Bürgermeister den Kaffee verkauft - und den Kolpingkuchen gewonnen. Das hat mich sehr gefreut und auch sehr stolz gemacht.

Wie wird das Angebot in Schmallenberg angenommen?

Mittlerweile sehr gut. Es gibt hier viele Stammkunden, die ohne ihren Tatico-Kaffee nicht mehr leben wollen, dazu zähle ich auch mich selbst (lacht). Es hat ein bis zwei Jahre gedauert, bis es hier richtig angekommen ist und sich etabliert hat. Waren es anfangs nur vier bis sechs Päckchen im Monat, steigerte es sich jedes Jahr. Nach einigen Jahren wurde die Aktion auf Gleidorf, Lenne, Fleckenberg, im Lenninghof und bei zusätzlichen besonderen Veranstaltungen ausgeweitet. Auch Geschäfte werden jeden Monat einmal direkt beliefert.

Aber Sie verkaufen ja nicht nur Kaffee, richtig?

Genau. Verkauft werden fair gehandelte Produkte aus Ländern, in denen das Kolpingwerk soziale Projekte unterstützt. Zum Beispiel verkaufen wir auch Tee, Kakao, Schokolade, Honig oder Gebäck. Mit den Erlösen werden die sozialen Projekte unterstützt.

Was hat Sie so lange dabei gehalten?

Ehrenamtliches Engagement finde ich sehr wichtig. Das ist für mich eine echte Herzensangelegenheit. Auch die Unterstützung der Kaffeeanbauer aus Mexiko. Ich habe das Leid vor Ort gesehen und hoffe, dass sich dadurch etwas ändert. Außerdem war mir auch die Unterstützung durch meine Familie und meinen Mann sehr wichtig, das hat mir Halt gegeben und mich darin bekräftigt, nicht aufzugeben. Früher hatte ich mal 80 ehrenamtliche Stunden im Monat, da musste ich dann etwas zurückfahren, aber ansonsten bin ich immer dabei geblieben, weil es mir Spaß macht und mir wichtig ist.

  • Maria Henke ist 80 Jahre alt, wohnt in Schmallenberg, ist Mutter von drei Kindern und stammt gebürtig aus Mittelsorpe.
  • Ihr ehrenamtliches Engagement beschränkte sich nicht nur auf den Verkauf fair gehandelter Waren. Sie war bereits 12 Jahre lang ehrenamtlich im Pfarrgemeinderat tätig, leitete 20 Jahre den Seniorentreff Schmallenberg, war 30 Jahre lang Mitarbeiterin der Caritas (und 12 Jahre lang Vorsitzende), leitete fünf Jahre lang eine KJG-Gruppe und einige Vorbereitungskurse für die Firmlinge.
  • Folgende Projekte wurden in Mexiko finanziert: Bau eines Kaufladens, 20 Kurse für Handwerker, Bau einer Cafeteria, 10 Kleinkredite für Handwerker, eine Maismühle, eine Nähmaschine plus Stoffe.
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