Übersetzung

Wiener Dolmetscher schalten sich ins Schmallenberger Rathaus

Laptop und Kamera sind startklar: Carmen Oberstadt und ihre Kollegen vom Sozialamt nutzen den Dienst der Videodolmetscher, wenn Englisch keine Option ist.

Laptop und Kamera sind startklar: Carmen Oberstadt und ihre Kollegen vom Sozialamt nutzen den Dienst der Videodolmetscher, wenn Englisch keine Option ist.

Foto: Katrin Clemens

Schmallenberg.   Per Video-Konferenz können Mitarbeiter im Schmallenberger Sozialamt schwierigere Gespräche dolmetschen lassen, etwa bei Asylangelegenheiten.

Ein paar Klicks auf dem Laptop, schon erscheint per Video ein Dolmetscher auf dem Bildschirm. „Guten Tag, was kann ich für Sie tun?“ Er sitzt in einem Wiener Büro, virtuell jetzt aber auch an einem Schreibtisch im Schmallenberger Sozialamt. Er ist einer von zahlreichen Dolmetschern, die ein österreichisches Unternehmen beschäftigt, um Kunden innerhalb weniger Minuten einen Übersetzungsdienst zu bieten. Arabisch, Farsi, Bulgarisch, Türkisch – die Liste der angebotenen Sprachen ist lang.

Sprachbarrieren bestehen häufig

Seit Juni sind die Dolmetscher aus Wien auch regelmäßig ins Schmallenberger Rathaus zugeschaltet. Als ihres Wissens erste Kommune im Hochsauerlandkreis hat die Stadt das Videodolmetschen getestet und jetzt einen Vertrag mit einer Laufzeit von zunächst einem Jahr abgeschlossen. Carmen Oberstadt vom Sozialamt ist vom Konzept überzeugt. „Mit Händen und Füßen“ habe die Verständigung bisher in schwierigen Fällen funktionieren müssen. „Wir führen sehr viele Gespräche auf Englisch, aber einige Asylbewerber sprechen eben kein Englisch“, sagt Oberstadt.

Besonders kritisch sind Sprachbarrieren, wenn es um wichtige rechtliche Angelegenheiten oder auch sehr vertrauliche Dinge geht, etwa Gespräche über häusliche Gewalt. Offiziell könnten sich die Mitarbeiter schlicht darauf berufen, dass Deutsch die offizielle Amtssprache ist. So kommen sie in ihrer Arbeit aber nicht weiter. Zugang zu Integrationskursen bekommen nur anerkannte Flüchtlinge, aber gerade in der Phase zuvor, in der Asylanträge bearbeitet werden, gilt es komplexe Dinge zu regeln.

Online-Dienst soll Ersparnisse bringen

„In Einzelfällen haben wir auch schon auf ehrenamtliche Übersetzer zurückgegriffen, aber dabei stößt man auch an seine Grenzen“, sagt Oberstadt. „Wenn man außerdem nicht genau weiß, was übersetzt wird, kann man keine entsprechende Rechtssicherheit schaffen.“ Eine solche Rechtssicherheit bieten die Videodolmetscher. Sie sind geschult in behördlichen Angelegenheiten, kennen sich mit entsprechenden Fachbegriffen aus und sind dem Datenschutz verpflichtet.

„Mit der Videoübersetzung können wir auch komplizierte Sachverhalte in einem einzigen Gespräch regeln, für die wir ansonsten unter Umständen noch drei oder vier Folgetermine vereinbaren müssten“, sagt Oberstadt. Etwa vier bis fünf Mal pro Woche wird der Dienst bislang genutzt. Übersetzungen in gängige Fremdsprachen wie Arabisch und Türkisch können spontan genutzt werden, Gespräche in selteneren Sprachen müssen vorher angemeldet werden. Abgerechnet wird eine Grundgebühr und eine Gebühr pro Gesprächsminute, bei den seltener angefragten Sprachen ist sie höher.

Städte- und Gemeindebund begrüßt die Methode

Mit Blick auf die Vertragsverhandlungen will die Stadt die genauen Kosten nicht nennen. Aus Oberstadts Sicht lohnt sich die Investition, sie bedeute eine Entlastung der Mitarbeiter und vor allem Zeitersparnis für beide Seiten. „Wir reden auch nicht von netten Plaudereien, sondern von gut vorbereiteten und strukturierten Gesprächen“, sagt sie.

„Mittlerweile ist das gängige Praxis“, erklärt auch Martin Lehrer, Sprecher des Städte- und Gemeindebundes NRW, „landesweit hat sich das aus der Not heraus entwickelt. Die Technologie gibt es ja. Wir begrüßen das.“ Aus seiner Sicht spart der Dienst erhebliche Kosten ein. „Niemand muss mehr für ein 20-minütiges Gespräch extra anreisen“, weiß Lehrer. Ausländerbehörde des Kreises und Polizei nutzen weiterhin Dolmetscher vor Ort.

>> 30 VERSCHIEDENE SPRACHEN

  • 350 Flüchtlinge betreuen die Mitarbeiter des städtischen Sozialamts aktuell, sowohl Asylbewerber als auch bereits anerkannte Personen.
  • 18 Mitarbeiter sind derzeit insgesamt im Sozialamt der Stadt Schmallenberg beschäftigt.
  • 30 verschiedene Sprachen sind es, mit denen sie im Alltag in Kontakt kommen. In der Regel können Gespräche auf Deutsch oder Englisch geführt werden.

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