Theater

„Zenario“ aus Bestwig begeistert in Ungarn

Heimgekehrt aus Ungarn, die Kostüme sind noch gar nicht weggeräumt: Schauspieler und Macher der Theatergruppe „Zenario“.

Heimgekehrt aus Ungarn, die Kostüme sind noch gar nicht weggeräumt: Schauspieler und Macher der Theatergruppe „Zenario“.

Foto: Jürgen Kortmann

Bestwig.   Mit tollen Eindrücken sind die jungen Schauspieler von „Zenario“ zurück in Bestwig. Erstmals war die Theatergruppe auf Tournee - in Ungarn.

Dieses Wort geht ihnen ganz schnell und wie selbstverständlich über die Lippen: „Hamupipöke“. Das ist ungarisch, der Name für unser „Aschenputtel“. Mit diesem Märchen waren Bestwiger Jugendliche jetzt unterwegs: Eine Woche lang in Ungarn. Es war die erste Tournee der jungen Theatergruppe „Zenario“.

Schauspieler dachten erst an Witz

Ausgerechnet Ungarn? Andrea Kárpáti, Lehrerin an der Realschule in Bestwig, ist Leiterin der Theatergruppe. Und sie stammt aus einer donauschwäbischen Familie in Ungarn. Nach den Sinti sind die Deutschen die größte Minderheit im Land. Beim Heimatbesuch saß sie beim Eisessen ausgerechnet neben einem deutschen Theater – und, genau, dadurch kam etwas ins Rollen: Warum nicht mal mit der eigenen Theatergruppe hier auftreten?

Eine fixe Idee? Nein. Karin Borggrebe, ehemalige Leiterin der Realschule, unterstützt die Theatergruppe heute noch: Sie bahnte Kontakte an – und erschloss Fördermittel zur Umsetzung. Das Land NRW unterstützte die Auslandstournee finanziell, ein bisschen sperrig nennt sich das dann „Förderung von Exportmaßnahmen im Aufgabenbereich der internationalen Kulturpolitik“. Bei den jungen Schauspielern, zwischen 16 und 20 Jahren alt, rannte Andrea Kárpáti ohnehin offene Türen ein – auch wenn die ihren Vorschlag, doch mal auf Tournee zu gehen, erst einmal als Witz verstanden.

Überwältigende Gastfreundschaft

Von wegen Witz. Eine Woche war „Zenario“ unterwegs in Ungarn. 1250 Kilometer mit dem Bus in 17 Stunden, eine Tour. Requisiten, Kostüme und Technik waren mit im Gepäck. Ziel waren die Städte Tolna und Szekszárd, beide mit deutschen Minderheiten. Dort wird Deutsch schon im Kindergarten gelernt, an den Schulen ist Deutsch nach Englisch die zweite Fremdsprache. Lehrer Klaus Schmücker, zuständig unter anderem für die Technik bei „Zenario“, schwärmt wie die Schüler von dem Aufenthalt: „Die Gastfreundschaft war der Hammer.“

Der Bürgermeister war zu Besuch, es gab Geschenke, immer reichlich zu essen, Applaus sowieso von den dankbaren Zuschauern. Schauspieler Pascal Hartmann ist rundum glücklich gewesen: „Ein sehr schönes Land, eine sehr schöne Fahrt.“ Schauspielerin Katharina Wigge schwärmt: „Das hat mich voll berührt.“ Kollegin Lisa Engler beispielsweise war beeindruckt von dem historischen Hintergrund, den sie wahrnehmen konnte.

Eine Gruppe voller Energie

Theaterspielen verbindet, untereinander: „Die Gruppe hat solch eine Energie“, lobt Andrea Kárpáti. All diese Energie, dieses Vermögen, etwas darstellen zu können und zu müssen, kann man aufnehmen, nachher in der Schule, später in der Ausbildung weiter verwenden. „Theaterspiel ist ein Mannschaftsspiel“, sagt Klaus Schmücker: „Jeder muss sich auf den anderen verlassen können.“ Theaterspielen verbindet auch miteinander, mit dem Publikum. Da musste die Bestwiger Truppe berücksichtigen, dass sie es nicht mit Muttersprachlern zu tun haben würden, die nur gebannt den Worten folgen würden: „Wir mussten mehr gestikulieren und einfacher sprechen“, sagt Schmücker.

Neben der Sprache kam es eben auch auf Tänze an, auf Effekte, auf Musik – es gab bei „Hamupipöke“ immer wieder solche Überraschungsmomente für das Publikum, die Regisseurin Beate Ritter eingebaut hatte. Durch die Schauspielkunst fanden die Zuschauer immer wieder schnell ins Stück zurück, auch wenn sie einmal einen Satz womöglich nicht verstanden hatten. „Zenario“ versteht es, Menschen einzubinden: Mit in Ungarn waren auch Tania Giovo, eine Tänzerin aus den USA, die für die Choreographie mit zuständig war, und der Australier Tom Pagliaro, der eine Dokumentation gefilmt hat – beide hatten die Realschule und damit „Zenario“ in der Vergangenheit kennen gelernt, weil sie als englische Muttersprachler dort unterrichtet hatten.

Das Erbe der Realschule

Belohnt für die gelungenen Auftritte haben sich die Schauspieler mit einem Abstecher nach Budapest. Dort konnten sie das bedeutende Theater Vigszinház besichtigen, die bekannte Intendantin und Schauspielerin Enikö Eszenyi nahm sich Zeit für die Gruppe.

Bei „Zenario“ spielen nicht nur Realschüler, sondern Sekundarschüler, Schüler vom Bergkloster, auch Ehemalige mit. 2019 läuft die Realschule in Bestwig bekanntlich aus. „Zenario“ hat aber weiter eine Zukunft: „Wir wollen gerne das Erbe unserer Realschule sein“, sagt Klaus Schmücker. Theater soll nämlich weiter gespielt werden: „Diese Gemeinde hat so viele talentierte Jugendliche“, lobt Andrea Kárpáti.

>>>HINTERGRUND<<<

„Aschenputtel“ wird auch dem heimischen Publikum von „Zenario“ präsentiert.

Aufführungen sind geplant am 2. und 3. März in Bestwig sowie am 10. und 11. März in Bigge.

Mitspielen wird auch der bekannte Zauberer Marc Dolle.

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