Interview

“Ziegenmilch ist besser für Menschen mit Laktose-Intoleranz“

Florian Droste holt jeden Abend die Ziegen von der Weide um sie zu melken, dabei hilft ihm seine Border Collie Hündin Luna.

Florian Droste holt jeden Abend die Ziegen von der Weide um sie zu melken, dabei hilft ihm seine Border Collie Hündin Luna.

Foto: Foto: Isabelle Silberg

Almert.  Florian Droste bewirtschaftet mit seiner Familie einen Hof mit rund 260 Ziegen in Almert. Er gibt einen Einblick in die Arbeit.

Die kleine Ortschaft zwischen Oberkirchen und Grafschaft ist schon lange dafür bekannt, dass dort mehr Tiere als Menschen leben. Neben Hühnern und Kühen leben auf der Almert seit fünf Jahren mehr als 200 Milchziegen. Im Interview gibt es einen Einblick in die Arbeit und die Unterschiede zwischen Milchkühen und -ziegen.

In fast jedem Ort gibt es in Schmallenberg Milchkühe. Wie sind Sie auf Milchziegen gekommen?

Florian Droste: Mein Bruder und ich hatten beide eine landwirtschaftliche Lehre abgeschlossen und haben Alternativen für unseren Familienbetrieb gesucht, um ihn zukunftsfähig auszubauen. Durch einen befreundeten Berufskollegen sind wir dann auf Milchziegen gekommen. Wir haben uns umfassend über die Haltung und Nutzung von Milchziegen informiert und relativ schnell eine Entscheidung dafür getroffen.

Wie viele Ziegen leben auf Ihrem Hof?

Wir haben 260 Milchziegen, von denen 200 gemolken werden. Die anderen sind Jungziegen, Lämmer oder Böcke. Wir melken hauptsächlich bunte deutsche Edelziegen und ein paar Toggenburger Ziegen.

Haben Milchziegen irgendwelche Vorteile gegenüber Milchkühen?

Einerseits ja, weil man Ziegen gut in Altgebäuden halten kann, das war für uns ein großer Vorteil. Allgemein haben sie außerdem wenig Ansprüche an die Stallungen. Aber sie brauchen sehr viel Platz, da sie eine stark ausgeprägte Rangordnung haben. Außerdem kann man Ziegen mehrere Jahre lang melken, ohne dass sie jährlich ein Lamm bekommen müssen.

Was mögen Ziegen gar nicht gerne?

Unsere Ziegen mögen keinen Regen. Das liegt aber eher daran, dass sie aus gesundheitlichen Gründen während Regenphasen nicht rauskommen. Daran haben sie sich schon so gewöhnt, dass sie rein wollen sobald es regnet. Ziegen sind nämlich echte Gewohnheitstiere, deshalb sind sie auch sehr empfindlich was Futterumstellungen angeht, dann meckern sie auch mal (lacht).

Wie viele Liter gibt eine Milchziege am Tag?

Momentan liegen wir bei 2,5 Liter im Jahresdurchschnitt, das ist natürlich saisonal bedingt. Nach der Lamm-Zeit geben sie mehr als im Herbst oder Winter. Auf das Jahr gerechnet sind das also 800 Liter pro Ziege.

Wer nimmt die Milch ab?

Wir haben uns einer holländischen Vermarktungsgenossenschaft angeschlossen, das ist ein Zusammenschluss aus über 50 Landwirten aus Deutschland, Holland und Belgien. In Sachen Milchziegen sind die Niederlande echte Vorreiter.

Schmeckt Ziegenmilch wie Ziege riecht?

Ganz klar: Nein. Der Geschmack hängt mit der Lagerung der Milch zusammen, sie nimmt wahnsinnig schnell Gerüche an. Wenn der Tank natürlich in unmittelbarer Nähe der Ziegen steht, dann könnte das passieren. Allgemein schmeckt Ziegenmilch etwas süßlicher als Kuhmilch. Allerdings wird sie eher nicht als Trinkmilch verarbeitet, obwohl sie gerade für Menschen mit Laktose-Unverträglichkeit interessant ist, da sie als besser verträglich gilt.

Besser verträglich mit Laktose-Intoleranz, woran liegt das?

Das liegt daran, dass in Ziegenmilch ein geringerer Laktosewert ist als in der Kuhmilch.

Vermarkten Sie diese ab Hof?

Ja, neben unseren Hühnereiern, kann man bei uns auch Ziegenmilch kaufen, allerdings als Rohmilch. Sie muss vor dem Verzehr abgekocht werden. Hauptsächlich wird Ziegenmilch zu Käseprodukten und Babynahrung verarbeitet, diese verkaufen wir natürlich nicht ab Hof (lacht).

Gibt es eine Lieblingsziege auf dem Hof?

Eine besondere Ziege ist unsere „Joana“ . Dazu gibt es noch eine lustige Geschichte: witziger Weise ist ihre Kenn-Nummer die Telefonnummer unserer Familie.

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