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Zukunftskonzept für Eversberg mit schlechtem Start

Für den historischen Ortskern von Eversberg werden neue Ideen gemacht, um zum Beispiel auch ein modernes Wohnen und Arbeiten zu ermöglichen.

Für den historischen Ortskern von Eversberg werden neue Ideen gemacht, um zum Beispiel auch ein modernes Wohnen und Arbeiten zu ermöglichen.

Foto: Blossey

Eversberg.   Für Eversberg wird von der Stadt Meschede ein Zukunftskonzept entwickelt. Aus der Politik und von Bürgern gibt es aber Bedenken.

Der Mescheder Stadtrat will am Donnerstag ein Zukunftskonzept für Eversberg beschließen. Allerdings gibt es dagegen vor Ort bei den Betroffenen in Eversberg offenbar immer noch Bedenken. Das wurde im Ausschuss für Stadtentwicklung deutlich. Die SPD stimmte dort gegen das Konzept.

Blumenstrauß aus Ideen

In diesem „Integrierten städtebaulichen Entwicklungskonzept“ steht, wie sich Eversberg bis 2030 entwickeln könnte. Wie berichtet, ist es ein ganzer Blumenstrauß aus Ideen, was gemacht werden könnte. Etwa, wie alte Gebäude im historischen Ortskern für neue Wohnformen fit werden. Oder: Der Abriss vergammelter und nicht denkmalgeschützter Häuser, um Gemeinschaftsgaragen oder -stellplätze zu verwirklichen. Denn, so Fachbereichsleiter Klaus Wahle: „Ohne Stellplätze kriegen Sie keine leer stehenden Häuser vermietet.“

Oder als Option: Die Schaffung von Parkhäusern. Der August-Pieper-Platz soll verändert werden, das kleine Ladenzentrum im Ortskern soll zeitgemäß umgebaut werden können. Die Aufstellung eines Konzeptes ist wiederum Voraussetzung dafür, dass die Stadt Meschede überhaupt Fördergelder erhält, um solche Projekte in Eversberg umzusetzen. Mitfinanzieren müsste dann beispielsweise der Bergstadtverein eine Umsetzung – und betroffene Bürger selbst.

Gestaltungssatzung überarbeiten

Ein besonders strittiger Punkt ist in das Konzept eingeflossen: Die mögliche Überarbeitung der Gestaltungssatzung. Sie reglementiert bislang streng, was in Eversbergs historischem Ortskern an baulichen Veränderungen möglich ist und was nicht – zum Beispiel, wie Obergeschosse zum Wohnen genutzt werden können oder die Frage von Solaranlagen. Jetzt sollen Experten des Landschaftsverbandes nach Eversberg eingeladen werden: Der „Mobile Baukulturbeirat“ soll dann im Detail untersuchen, ob die Gestaltungssatzung angepasst werden könnte – „man packt das Thema von außen an“, so Wahle.

Ratsmitglied Alfred Brüggemann (SPD) nannte die Ziele des Konzeptes lediglich eine „Konservierung des alten Stadtkerns“: „Es bleibt alles, wie es ist – nur um Fördertöpfe anzugraben.“ Er warb für eine „Reduzierung der Gestaltungssatzung auf ein Minimum“. Ziel müsse „eine Neubelebung des historischen Ortskerns“ sein.

Ausgelegt wurde das Konzept im Ladenlokal Dröge in Eversberg in der Weihnachtszeit, außerdem im Mescheder Technischen Rathaus, zu sehen war es auch im Internet. „Mehr Bürgerbeteiligung geht nicht. Mehr kann man nicht machen“, sagte Klaus Wahle für die Verwaltung. Das sahen die Eversberger anders: Danach mussten doch noch zwei Bürgersprechstunden gemacht werden, um das Konzept zu erläutern. Aus Sicht der Verwaltung wurde dabei „inhaltlich wenig diskutiert“ – vielmehr wurde besagte Gestaltungssatzung kritisiert, die aber mit dem Zukunftskonzeptstreng genommen nichts zu tun habe.

Kritik aus der Politik

Die Politik schließt sich der Kritik an, wie das Konzept den Eversbergern vermittelt wurde. SPD-Fraktionschef Jürgen Lipke sieht ein „Kommunikationsdefizit zwischen Bürgern und Verwaltung“. Er forderte (vergeblich), in eine weitere Bürgerbeteiligung einzusteigen, um über die einzelnen angedachten Maßnahmen zu diskutieren. Alfred Brüggemann warnte: „Die Betroffenen haben Angst, vor vollendete Tatsachen gestellt zu werden.“

FDP-Fraktionschef Ingrid Völcker bestätigte: „Die Menschen in Eversberg waren sehr aufgebracht. Schlimmer und schlechter hätte man es nicht anfangen können.“ CDU-Fraktionschef Marcel Spork warnte davor, die Gestaltungssatzung aufzugeben: Man solle prüfen, ob sie verändert werden könne – aber gleichzeitig das Zukunftskonzept beschließen, um „nicht die Chance auf Fördergelder aufzugeben“.

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