Bewegen hilft

1:28 beim Schach mit Elisabeth Pähtz in Neukirchen-Vluyn

Profispielerin Elisabeth Pähtz spielt in Neukirchen-Vluyn zugunsten der Aktion Bewegen hilft Schach.

Profispielerin Elisabeth Pähtz spielt in Neukirchen-Vluyn zugunsten der Aktion Bewegen hilft Schach.

Foto: Veranstalter / NRZ

Neukirchen-Vluyn/Niederrhein.  Eine Herausforderung: Die Schach-Profispielerin Elisabeth Pähtz tritt in Neukirchen-Vluyn gegen 28 Schachspieler gleichzeitig an. Wer ist dabei?

28 Spieler treten gegen Schachprofi Elisabeth Pähtz an. Soweit so gut, doch es ist kein simples 1:1-Turnier, das da am Samstag, 7. September, um 14 Uhr im kleinen Sitzungssaal des Rathauses startet. Man könnte es wohl eher als ein 1:28-Turnier bezeichnen, denn Pähtz tritt in einer Simultanveranstaltung zeitgleich gegen alle 28 Gegner an.

Die Idee dazu hatte Ulrich Geilmann, Technischer Beigeordneter der Stadt Neukirchen-Vluyn und Vize-Präsident der deutschen Schachbundesliga, im vergangenen Jahr – aus einer Laune heraus, wie er erzählt. „Ich kam mit Guido Lohmann ins Gespräch und dachte mir, die Aktion ‘Bewegen hilft’ kann man ja um geistige Bewegung erweitern.“ 2018 war es dann aber zu kurzfristig, ein solches Turnier auf die Beine zu stellen. Dieses Jahr hat es aber geklappt.

Unterstützt wird Geilmann dabei vom Schachverein Neukirchen-Vluyn 1927 unter der Schirmherrschaft von Bürgermeister Harald Lenßen.

Das Startgeld dient als Spende für Bewegen hilft

Als Startgeld wird an diesem Tag eine Spende in Höhe von 25 Euro für „Bewegen hilft“ erhoben. Alle Spieler sitzen gleichzeitig an ihren Brettern. Die internationale Frauenmeisterin Pähtz geht von Brett zu Brett und macht ihren Zug. „Je mehr Spieler ausscheiden, desto schneller ist Pähtz auch wieder bei einem, so entsteht sogar ein bisschen Druck“, erklärt Geilmann, der kürzlich erst selbst gegen Pähtz gespielt hat.

Als Profi habe man jedes einzelne Spiel schnell im Blick, weiß der Vize-Präsident. Mitmachen kann jeder Hobbysachspieler, der sich traut, gegen den Profi anzutreten. Die Regeln des Schachs sollten aber sitzen. Bisher haben sich Schüler, aber auch viele ältere Spieler angemeldet. „Das wird eine ganz bunte Mischung“, sagt Geilmann.

Es sind noch ein einige wenige Plätze frei. Wer also mitspielen möchte, muss sich beeilen.

Den Kreuzbund gibt es seit 2003

Anmeldungen können per Mail an ulrich.geilmann@neukirchen-vluyn.de oder telefonisch unter 02845/391–252 erfolgen. Einer von 23 Vereinen, der in diesem Jahr von solchen Aktionen im Rahmen von „Bewegen hilft“ profitiert, ist der Kreuzbund Sonsbeck – eine Selbsthilfegruppe für alkohol- und medikamentenabhängige Menschen und Angehörige. Theo Willems hat sie 2003 gegründet.

Einmal pro Woche trifft sich die Gruppe. 22 Mitglieder, von den 17 regelmäßig teilnehmen, zählt der Kreuzbund Sonsbeck heute. „Die meisten leiden an einer Alkoholsucht oder sind trockene Alkoholiker“, erklärt Gruppenleiterin Gabriele Offermanns. Aber auch Drogen-, Internet- oder Spieleabhängige gehören zu den Teilnehmern. „Wir machen jedes Mal einen Stuhlkreis, sprechen über die vergangenen Tage und widmen uns dann einem Thema: Gefühle oder Ängsten zum Beispiel.“ Aber nicht nur reden, sondern auch Freizeitaktivitäten wie gemeinsames Grillen oder Ausflüge stehen auf dem Programm der Gruppe – und da kommt „Bewegen hilft“ ins Spiel.

Die Freizeitaktionen beim Kreuzbund sind wichtig

„Diese Freizeitaktivitäten sind wichtig, weil sie zeigen, dass das Leben auch ohne Alkohol lebenswert ist“, sagt die Gruppenleiterin. Aber: Viele Betroffene sind finanziell schwachaufgestellt, sie können bereits den Mitgliederbeitrag nicht zahlen und sind freigestellt. „Bei uns darf jeder in die Gruppe, dann übernehmen wir die Kosten.“ Geld für zusätzliche Ausflüge stellen dann eine besonders große Herausforderung dar. Die Betroffenen sollen zu diesen auch ihre Partner oder Kinder mitbringen. Der Kreuzbund möchte Familien so wieder zusammenführen.

Es ist das erste Mal, dass die Vereinigung von „Bewegen hilft“ finanziell unterstützt wird. „Das ist eine tolle Sache für uns“, sagt Offermanns. Die Arbeit des Kreuzbundes sei heute wichtiger denn je, denn die Suchterkrankungen haben zugenommen. Besonders die Zahl der Internet- und Spielsüchtigen steige.

„Wir können fast allen helfen, denn sie haben den gleichen Lebensweg: Sie verlieren Geld, Arbeit und Freunde. Sich einer Selbsthilfegruppe anzuschließen, ist eine gute Entscheidung. Es ist statistisch bewiesen, dass die Mitgliedschaft in einer Gruppe das Risiko, rückfällig zu werden, mindert.“

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