Streit um Kiesabbau

Alternativen für Kies rücken plötzlich in den Mittelpunkt

In der Debatte um den Kiesabbau am Niederrhein rücken plötzlich andere Betrachtungsweisen in den Vordergrund. Der Bürgerdialog in Kamp-Lintfort gab dazu den Ausschlag.

In der Debatte um den Kiesabbau am Niederrhein rücken plötzlich andere Betrachtungsweisen in den Vordergrund. Der Bürgerdialog in Kamp-Lintfort gab dazu den Ausschlag.

Foto: Roland Weihrauch / dpa

Kamp-Lintfort.  Der Kreistag spricht sich für eine entsprechende Konferenz aus. Den Impuls lieferte der Bürgerdialog in Kamp-Lintfort. Die CDU stimmt dagegen.

Nach dem Bürgerdialog in Kamp-Lintfort am vergangenen Dienstag wird das Thema Kiesabbau plötzlich von einer komplett anderen Seite betrachtet. Und das könnte den Druck auf die Landesregierung und auch auf die CDU im Kreis deutlich erhöhen.

In seiner Sitzung am vergangenen Donnerstag beauftragte der Kreistag mehrheitlich mit den Stimmen von Landrat, SPD, Grünen, Linken, und FDP/VWG die Kreisverwaltung damit, Land und RVR zu kontaktieren, um gemeinsam und möglichst noch im ersten Halbjahr 2020 eine Konferenz mit dem Thema „Alternativen zur Abgrabung. Für einen ökologischen Umbau im Kreis Wesel“ zu veranstalten.

Forschungszentrum könnte an Fachhochschule angekoppelt werden

Die Konferenz soll möglichst breit aufgestellt sein. Die Bürgerinitiativen im Kreis Wesel sowie Umweltverbände, Wissenschaftler/innen, die Kreiskommunen sowie die Kreistagsfraktionen sind zur Konferenz einzuladen. Außerdem soll vom Land beziehungsweise vom RVR geprüft werden, ob ein Forschungszentrum für alternative Baustoffe in Ankopplung an bestehende Anstalten, Zentren oder Institute wie zum Beispiel eine Fachhochschule eingerichtet werden kann. Der gesamte Beschluss geht auf einen Antrag der Linken im Kreistag zurück, die die Durchführung einer Konferenz zu alternativen Baustoffen zu Kies forderten und dazu vor allem die Erkenntnisse zugrunde legten, die der Bürgerdialog im Kamp-Lintforter Ratssaal gebracht hatte.

Dort hatte ein Ingenieur und Umweltexperte erklärt, wie man mit recyceltem Beton bis zu 45 Prozent des Kiesanteils ersetzen und die Abgrabungsflächen am Niederrhein massiv reduzieren könnte. Eine anderer Vorschlag war, im Kreis Wesel ein Forschungsinstitut zu etablieren. All das nahm die Mehrheit des Kreistages nun auf, um den Gesprächsfaden zur Landesregierung unter Spannung zu halten.

Dass der Bürgerdialog, den er zusammen mit dem Aktionsbündnis Niederrheinappell auf die Beine gestellt hatte, so ertragreich war , freute Kamp-Lintforts Bürgermeister Christoph Landscheidt gestern im Gespräch mit der NRZ. Vor allem auch, „weil es uns gelungen ist, den Vorwurf des Gesprächsboykotts zu widerlegen“.

Die Stadt hält an der Klage gegen den Landesentwicklungsplan fest

Nachdem sie ihre Teilnahme an der Abgrabungskonferenz in Wesel abgesagt hatten, mussten sich Landscheidt und Aktionsbündnis vorwerfen lassen, nicht gesprächsbereit zu sein. Der Bürgermeister bekräftigte dagegen seinen Willen zum Dialog, war aber nicht damit einverstanden, dass das Gespräch in Wesel nicht ergebnisoffen geführt werden sollte. Das Ende ist bekannt. Kamp-Lintfort und Niederrheinappell richteten ihr eigenes Dialogformat aus, dessen Ergebnisse nun die Grundlage für weitere Diskussionen bilden soll. Wobei der Ausgang der Gespräche mit der Landesregierung noch alles andere als klar ist. Deshalb halte man auch an der Klage gegen den Landesentwicklungsplan fest, so Landscheidt. Man nutze vorher nur die letzte Gesprächschance. „Das ändert aber nichts an unserer klaren Haltung.“ Und die heiße: „Weniger Kiesabbau im Kreis Wesel.“

Für die CDU könnte durch die Entwicklung im Kreistag der Druck unterdessen steigen. Sie stimmte am Donnerstag gegen den Beschluss - genauso wie die AfD.

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