Musenhof

Auch Erwachsene haben großes Interesse am Musenhof in Moers

Im Musenhof gab es jetzt eine Führung für Erwachsene.

Im Musenhof gab es jetzt eine Führung für Erwachsene.

Foto: Norbert Prümen (nop) / FUNKE FotoServices

Moers.  Wo sich sonst Kinder tummeln, haben sich jetzt Erwachsene einen Eindruck vom Leben im Mittelalter gemacht. Das Team des Musenhofs hatte die Idee.

Wo sonst Kinder lernen und erfahren, wie sich das Leben vor mehreren Jahrhunderten im Mittelalter abspielte, haben sich am Mittwochabend gut ein Dutzend Erwachsene getummelt: Das Team des Grafschafter Museums hat zum ersten Mal zu einer Führung durch den Musenhof eingeladen, die sich explizit nur an Erwachsene richtete.

„Die Spiel- und Lernwerkstatt soll in erster Linie Kinder ansprechen, aber wir haben auch gemerkt, dass das Interesse bei den Erwachsenen sehr groß ist“, erklärte Museumsfachkraft Theresa Tischler.

Sie leitete die knapp einstündige Führung durch das rekonstruierte Wohnhaus, die Schmiede oder den Kaufladen.

„Man läuft so oft dran vorbei, sieht die Kinder und geht dann doch nicht unbedingt rein, obwohl man sich selbst auch für die Geschichte interessiert“, sagte auch eine Teilnehmerin. Gespannt hörten sie und die anderen Besucher zu und hatten definitiv nicht weniger interessante Fragen als die kleinen Musenhofgäste.

Theresa Tischler stellte die Gruppe dabei aber auch ein bisschen auf den Prüfstand: Im nachgebauten Wohnhaus sollten sie den Gegenstand finden, für dessen Besitz man im Mittelalter hart bestraft werden konnte. War es vielleicht die Lampe? Die Besucher rätselten. „Eine Lampe zu besitzen, war im Mittelalter zwar ungewöhnlich, aber nicht verboten“, erklärte die Museumsfachkraft.

Dann fanden sie die Lösung: Das Spielbrett, das auf dem Tisch eingeritzt war, konnte eine ganze Familie ruinieren. Die Erklärung: „In Moers waren Glücksspiele verboten. Zur Strafe mussten zehn Gulden bezahlt werden. Das war das Jahresgehalt eines Tagelöhners.“

Vom Wohnhaus ging es zur Schmiede. „Das war früher ein recht langweiliger Job. Ein Schmied stellte meistens nur Hufeisen oder Nägel her“, sagte die Expertin.

Nächste Station war die „Shopping-Mall des Mittelalters“ – der Kaufladen. Gemüse, Wurst oder Eier gab es auch damals schon zu kaufen. Gewürze hingegen waren ein echtes Luxusgut. 500 Gramm Zimt gab es zum Beispiel im Tausch für 27 Gänse. „Die Kaufleute gingen beim Handel mit Gewürzen ein großes finanzielles Risiko ein, weil sie die Waren importieren mussten und im voraus bezahlen mussten, wenn dann ein Schiff unterging, waren sie ruiniert“, erklärte Tischler.

Und wieder hatte sie im Kaufladen eine Frage parat: Was war hier die Besonderheit? Es waren die Glasfenster, die sich nur die reiche Oberschicht leisten konnte. Die restliche Bevölkerung versuchte, sich mit Säcken oder Decken vor den Fenstern vor der Kälte zu schützen.

Anschaulich, kurzweilig und auf einem passenden Niveau führte Theresa Tischler die Gruppe durch den Musenhof. Es war sicherlich nicht die letzte Führung für Erwachsene.

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