Aufwändiger Prozess

Gruppenvergewaltigung: Fünf Angeklagte, zwölf Verteidiger

Drei der fünf Angeklagten sitzen seit ihren Festnahmen im Frühjahr in Untersuchungshaft.

Drei der fünf Angeklagten sitzen seit ihren Festnahmen im Frühjahr in Untersuchungshaft.

Foto: Michael Kleinrensing (Archiv)

Kleve/Kreis Wesel/Krefeld/Neuss/Duisburg.  In Neuss, Duisburg und Kleve verhandelt die Justiz gegen fünf Männer, die junge Frauen missbraucht haben sollen. Am Freitag startet der Prozess.

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Sie nannten sich „Jamal“, „Sammy“, „Momo“, „Memo“ oder „Bilal“: In wechselnder Beteiligung sollen fünf Männer aus Moers, Krefeld, Dinslaken und Wesel junge Frauen gemeinsam betäubt und dann schwer missbraucht haben. Ihre Opfer lernten sie wohl in einer Diskothek in Düsseldorf kennen. Ab Freitag wird dem Quintett im Alter von 24 bis 29 Jahren der Prozess gemacht. Den Männern werden unter anderem vollendete und versuchte Vergewaltigung vorgeworfen. Das Verfahren, das die Justiz ihnen unter anderem in Neuss macht, wird sehr aufwändig, soviel ist schon jetzt klar.

Gewöhnlich tagt die in diesem Fall zuständige Auswärtige Strafkammer des Landgerichts Kleve am Amtsgericht in Moers, aus Kapazitätsgründen sei dies bei dem Umfang dieses Prozesses aber nicht möglich, erklärt Mediendezernent Alexander Lembke: „Das würde aus allen Nähten platzen.“ Allein die fünf Angeklagten ließen sich von zwölf Verteidigern vertreten. Sieben Sachverständige habe die Kammer im Vorfeld beauftragt. Sechs von ihnen sollen auch im Prozess Angaben machen. Die beiden Frauen, die von den Angeklagten vergewaltigt worden sein sollen, nähmen als Nebenkläger an dem Verfahren teil und ließen sich ebenfalls von Anwälten vertreten.

Ein Urteilsspruch des Landgerichts vor Weihnachten wäre möglich

Tatort der beiden Vergewaltigen soll laut Anklage die Wohnung des Krefelders gewesen sein. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass die Männer ihren Opfern Betäubungsmittel gaben, bevor sie am 15. Februar und in der Nacht vom 19. März auf dem 20. März über die jungen Frauen hergefallen sein sollen. In letzterem Fall soll das Martyrium über Stunden gedauert haben. Die Übergriffe sollen zudem gefilmt worden sein. Am 2. März scheiterte laut Anklage die Vergewaltigung eines dritten Opfers. Möglicherweise hatten die Betäubungsmitteln in diesem Fall zu stark ihre Wirkung entfaltet.

Nach dem Auftakt am Freitag in Neuss sind in den Räumen des dortigen Amtsgerichts noch fünf weitere Termine angesetzt. Zweimal weicht die Kammer ans Landgericht Duisburg aus. Sechs Verhandlungstage wird es zudem am Klever Landgericht geben. Den Prozess an nur einem Ort abzuhalten, sei nicht möglich gewesen, erklärt Lembke. Es sei bei der Planung zu berücksichtigen gewesen, dass der laufende Betrieb auch an den anderen Gerichten nicht beeinträchtigt werde.

Termine sind zunächst bis zum 20. Dezember angesetzt, ein Urteilsspruch der Kammer kurz vor Weihnachten wäre also möglich. Je nach Fortgang des Prozesses könne sich das aber „nach vorne oder nach hinten“ verschieben, erklärt Mediendezernent Lembke.

Körperverletzungen und Nötigung werden „mitverhandelt“

Auch die Anklage ist umfangreich: Neben den sexuellen Übergriffen werden unter andere eine gefährliche Körperverletzung, der sich einer der Männer in der Enni-Eventhalle in Moers schuldig gemacht haben soll, sowie eine Nötigung „mitverhandelt“. Drei der Anklagten, darunter auch der mutmaßliche Haupttäter, sitzen seit ihrer Festnahme Ende März in Untersuchungshaft. Was die teilweise bereits polizeibekannten Männer zu den Vorwürfen sagen, wurde im Vorfeld des Prozesses nicht bekannt. Für den ersten Verhandlungstag ist bislang nur die Verlesung der Anklage geplant, Zeugen sind noch nicht geladen. Allerdings haben die Männer danach die Möglichkeit, Angaben zu machen.

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