Flüchtlinge

Handwerk baut mit Flüchtlingen an der Zukunft

Giakarigia Samake (links) aus Mali und Sedik Redjouh aus Algerien bereiten sich im Vredenhof auf einen Ausbildungsplatz vor.

Giakarigia Samake (links) aus Mali und Sedik Redjouh aus Algerien bereiten sich im Vredenhof auf einen Ausbildungsplatz vor.

Foto: Markus Weissenfels

Moers/Kreis Wesel.   Die Lehrwerkstatt der Kreishandwerkerschaft in Moers bereitet junge Flüchtlinge auf Lehrstellen für den Bau vor. Die Erfolgsquote ist hoch.

Es hat eigentlich alles von einer richtigen Baustelle: Kellen sind im Einsatz, Wasserwaagen, Sicherheitsschuhe und Knieschoner, Reihe für Reihe errichten zwei junge Männer Mauern aus Kalksandsteinen.

Tatsächlich aber arbeiten Sedik Redjouh (18) und Giakarigia Samake (20), die aus Algerien und Mali nach Deutschland geflüchtet sind, auf einer „Lernbaustelle“ im Vredenhof an der Römerstraße, der Lehrwerkstatt der Kreishandwerkerschaft. Sie absolvieren hier eine Art Ausbildung für die Ausbildung. Ziel des Handwerks ist es, Lehrlinge zu bekommen und dem Fachkräftemangel vorzubeugen.

Deutsch und Mathe stehen auf dem Stundenplan

Sedik und Giakarigia sind zwei von acht Flüchtlingen, die derzeit die sechsmonatige Maßnahme „Perspektiven für jungen Flüchtlinge im Handwerk“ durchlaufen. Seit August kommt die Truppe montags bis freitags von 8.15 bis 15 Uhr in den Vredenhof. An drei Tagen erhalten sie praktische Kenntnisse im Mauern, Fliesen, Malern und im Trockenbau, an zwei Tagen stehen Deutsch und Mathe auf dem Stundenplan. Beteiligt sind die Kreishandwerkerschaften im Kreis Wesel und in Duisburg sowie die Arbeitsagentur. Zwei Ausbilder und eine Sozialpädagogin kümmern sich um die jungen Leute.

30 Teilnehmer unterzeichnen Ausbildungsverträge

Die bisherige Bilanz ist denkbar positiv. Acht „Perspektiven“-Lehrgänge mit Flüchtlingen sind seit 2016 abgeschlossen worden, 30 von 40 Teilnehmern waren anschließend so fit, dass sie reguläre Ausbildungsverträge unterschreiben konnten, berichtet Kreishandwerksmeister Günter Bode. Rudolf Rosenberger, Obermeister der Bauinnung, lobt die jungen Männer zudem als „zuverlässig, pünktlich und motiviert“. Und übrigens: „Theater mit der Religion“ habe man noch nicht erlebt, ergänzt Frank Bruxmeier, Geschäftsführer des Handwerk-Bildungszentrums Duisburg. Es gebe keinerlei besondere Rücksichtnahmen oder Sonderrechte. Das Handyverbot am Arbeitsplatz beispielsweise gilt für die Flüchtlingsgruppe ebenso wie für die jungen Männer, die in derselben Halle ihr erstes Lehrjahr in Bauhandwerk absolvieren.

Günter Bode betont im Übrigen, dass hier niemandem eine Lehrstelle weggenommen werde. Das Handwerk habe eher das Problem, überhaupt seine Lehrstellen zu besetzen: „Der Ausbildungsmarkt ist sehr wohl in der Lage, Flüchtlinge aufzunehmen.“

Insofern hätten die Maßnahmen nicht nur den gesellschaftspolitischen Wert der Integration. Nach Überzeugung von Frank Bruxmeier liegen sie im Interesse des Handwerks selbst: „Was wir hier tun, lohnt sich. Es ist eine Investition in unser Personal von morgen.“

Verantwortliche hoffen aufs Einwanderungsgesetz

Bleibt das Problem des Aufenthaltsrechts: Was, wenn die jungen Männer Deutschland wieder verlassen müssen oder wollen. Je nach Status dürfen sie fünf Jahre als Lehrlinge und Gesellen bleiben. Darüber hinaus hoffen Handwerk und Arbeitsagentur, dass die Zeit die notwendigen Änderungen und ein Einwanderungsgesetz bringen. Frank Bruxmeier: „Hoffen wir, dass die Jamaika-Koalition das entspannt sieht.“

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