Suchtprävention

In Kamp-Lintfort setzen Schüler eine Rauschbrille auf

Die Rauschbrille vermittelt beim „Alk-Parcours“ einen Eindruck von Betrunkenheit.

Die Rauschbrille vermittelt beim „Alk-Parcours“ einen Eindruck von Betrunkenheit.

Foto: Volker Herold / FUNKE Foto Services

Kamp-Lintfort.  Für viele gehört Alkohol zum Feiern dazu, auch an Karneval. Durch einen „Alk-Parcours“ vermittelt die Europaschule die möglichen Gefahren.

Die Siebtklässler der Europaschule Kamp-Lintfort laufen wankend durch den Raum. Sie stoßen immer wieder aneinander, stolpern, und ein Mädchen reißt wie im Rausch eine Plakatwand um. Doch zum Glück handelt es sich nur um eine Simulation mit einer „Alkoholbrille“.

Sobald die Schülerinnen und Schüler die Brille wieder absetzen, ist der Rausch vorbei. Die Erfahrungen konnten die Schülerinnen und Schüler am Donnerstag dieser Woche machen.

„Kinder kommen sehr früh mit Alkohol in Berührung. Durch die Eltern, Freunde oder auch im Straßenkarneval. Deswegen ist früh einsetzende Suchtprävention so wichtig. “, erklärt Kristina Kaiser von der Drogenberatungsstelle Kamp-Lintfort. Sie arbeitet mit der Ginko-Stiftung zusammen, die den so genannten Alk-Parcours entwickelt hat.

An fünf Stationen können Kinder und Jugendliche die Welt des Alkohols spielerisch aber kritisch und begleitet erleben. „Wir erklären den Workshop zum Schutzraum, da trauen sich die Schüler auch offener zu reden als im Klassenzimmer mit Lehrpersonal“, erklärt Kaiser.

Hier an der Europaschule gibt es eine regelmäßige Auseinandersetzung mit dem Thema Sucht. Jedes Jahr beschäftigt sich ein Jahrgang mit Themen wie Medien, Cannabis, Essstörungen oder auch Alkohol.

„Es geht uns nicht darum, Alkohol zu verteufeln,“ erklärt Schulleiterin Barbara Mennekes, „Er spielt aber nach wie vor eine große Rolle bei den Jugendlichen und der richtige Umgang ist entscheidend, gerade jetzt an Karneval.“

Am vergangenen Donnerstag nahm die siebte Klasse am Alk-Parcours teil. Denn Prävention ist beim Umgang mit dem Rauschmittel von großer Bedeutung. In kleinen Gruppen erforschen die Jugendlichen dann die Stationen.

Besonders gut kommt die „Rauschbrille“ bei den Teilnehmenden an. Die Brillen erinnern an Schutzbrillen aus dem Chemieunterricht. Sie simulieren einen Alkoholgehalt von 0,8 sowie 1,5 Promille im Blut. Der so genannte Tunnelblick entsteht schon bei zwei großen Bier, für die 1,5 Promille müsste ein Mann gut zwei Liter Bier trinken.

Beim Präventionstag geht es auch um Flirt und Anmache

Mit eingeschränktem, verwackeltem Sichtfeld sollen die Schülerinnen und Schüler nun versuchen, ein Schloss aufzuschließen und auf einer geraden Linie laufen. Schon bei 0,8 Promille gar nicht so einfach. Zwei Jungs versuchen sich aufgeregt an einem Handschlag mit Klassenlehrerin Kerstin Büren – und treffen nur die Luft.

Die Schülerinnen und Schüler finden die Übung interessant. „Es ist so schwer, Sachen zu suchen und zu finden. Mir war auch total schwindelig und das macht keinen Spaß,“ meint ein 14-Jähriger. Ein Mädchen möchte gerne noch warten, bevor sie anfängt Alkohol zu trinken. „Ich finde es gut zu lernen, wie wenig Promille sich schon komisch anfühlen.“ Sie sorgt sich darüber hinaus auch um die Gefahren des Alkohols.

Für Lehrerin Kerstin Büren ist eine Sache besonders wichtig

„Wie möchtest Du gerne angemacht werden?“ Dieser Frage stellt sich eine Gruppe an einer anderen Station. Alkohol kann helfen, beim Flirten locker zu werden, aber Grenzen des guten Benehmens verschwimmen. Deshalb sammeln die Schülerinnen und Schüler hier „Go’s“ und „No-Go’s“ bei Flirt und Anmache.

Lehrerin Kerstin Büren zieht sich von dieser Station zurück. „Den Schülerinnen und Schülern ist das unangenehm. Die Themen Flirten und Alkohol werden für die Klasse gerade erst relevant.“ Ihre Schüler haben sich aber sehr auf den Tag gefreut, sagt sie. Büren ist aber noch unsicher, ob ihre Klasse nicht zu viel Spaß an den Rauschbrillen hätte.

„Ich halte eine Nachbereitung des Tages für total wichtig. Um das Erlebte einzuordnen und zu begleiten. Aber das erste Feedback ist positiv.“ Oder, wie Schulleiterin Mennekes es zusammenfasst: „Dieser Tag wird bei den Schülerinnen und Schülern nachhaltig im Gedächtnis bleiben. Und darum geht es doch auch in der Schule.“

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