Kommunalwahl

Kamp-Lintfort: Landscheidt tritt an und zieht Klage zurück

Der SPD-Ortsvereinsvorsitzende René Schneider gratulierte dem einstimmig gewählten Kandidaten Christoph Landscheidt als erster.

Der SPD-Ortsvereinsvorsitzende René Schneider gratulierte dem einstimmig gewählten Kandidaten Christoph Landscheidt als erster.

Foto: Sivani Boxall / FUNKE Foto Services

Kamp-Lintfort.  Einstimmig wählt die Kamp-Lintforter SPD Christoph Landscheidt zum Bürgermeisterkandidaten. Thema des Abends ist auch Umgang mit rechter Hetze.

Christoph Landscheidt hat sich entschieden und seine Partei steht geschlossen hinter ihm: Der amtierende Bürgermeister von Kamp-Lintfort wird für die SPD noch einmal als Stadtoberhaupt kandidieren. Die Klage auf einen Waffenschein zieht er zurück.

Seine Bewerbungsrede quittierten die knapp 80 Gäste am Donnerstagabend in Wellings Parkhotel mit stehenden Ovationen. Die Delegierten stimmten mit 65 von 65 gültigen Stimmen für Landscheidt. Zwei Wahlzettel wurden nicht abgegeben. „Ich bin überwältigt“, sagte Landscheidt nach der Auszählung. „Lasst uns einen guten Wahlkampf machen.“

Nach den Ereignissen der letzten Tage war das Medieninteresse auch am Donnerstag hoch. Zuvor war bekannt geworden, dass Landscheidt seit einigen Tagen Personenschutz erhält.

In seiner Ansprache an die Parteimitglieder sagte Landscheidt, er habe seine Anwälte beauftragt, seine Klage auf Erteilung eines großen Waffenscheins zurückzuziehen.

Die öffentliche Diskussion um die Gefährdung von Amts- und Mandatsträgern und deren Schutz sei nun in vollem Gange. Damit sei sein Ziel erreicht, allerdings verspreche er sich von diesem Schritt auch „eine Versachlichung der Diskussion, in der es dann hoffentlich nicht mehr um meine Person, sondern um das gesellschaftliche Problem geht, wie wir Hetze, Hass und Bedrohungen möglichst verhindern und uns dagegen besser schützen können“, so Landscheidt.

Die nun auch vom Staatsschutz bestätigte Bedrohung von Rechts ist für ihn offenbar aber kein Grund, nicht mehr als Bürgermeisterkandidat anzutreten. Der rechtsradikale, faschistische Mob auf der Straße sei ein Problem, aber das Hauptproblem seien vielmehr die Vertreter der Parteien, die jetzt schon in den Parlamenten säßen und diesem Potential eine vermeintlich demokratische Stimme geben wollen, so Landscheidt. Radikalen Kräften könne man am besten mit einer guten Stadtpolitik Paroli bieten.

Dass er sich erst Mitte Januar zu seiner Kandidatur äußern würde, hatte Landscheidt schon früh angekündigt. Er habe sich für seine Entscheidung Zeit nehmen wollen, um für sich einige Fragen zu beantworten, erklärte er erneut. Nachdem es in den vergangenen Jahren gelungen sei, einen „einzigartigen Strukturwandel unter schwierigsten Bedingungen“ zu gestalten, wolle er dort anknüpfen und es „noch besser machen“. Er habe sich auch gegen eine berufliche Neuorientierung entschieden: „Ich habe dem Aschenputtel versprochen, eine Prinzessin aus ihm zu machen – und jetzt wollen wir sie tanzen sehen.“

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