Theater

In Moers wird die Geschichte der Frauenbewegung lebendig

Die Oberhausener Theatergruppe im Landratsamt.

Die Oberhausener Theatergruppe im Landratsamt.

Foto: Oleksandr Voskresenskyi / FUNKE Foto Services

Moers.  Im Alten Landratsamt hat es am Samstag eine sehenswerte Reise durch die Zeit der Frauenbewegung gegeben. Bezüge zu heute sind unverkennbar.

Über Jahrhunderte hinweg haben sich Frauen engagiert, um ihre Rechte gekämpft. Sie mussten dabei oft Grenzen sprengen. Das, was nach verstaubter Vergangenheit klingt, ist aktueller denn je. Am Samstagabend zeigte das Kultur-Theaterkonzept „Geschichte wird gemacht, es geht voran!“ im Alten Landratsamt, wie eigensinnig, kraftvoll und frauenbewegt Vergangenheit und Gegenwart sind.

Die Veranstaltung gehörte zum Rahmenprogramm der aktuellen Sonderausstellung „Wählen und Wühlen, Frauen- und Demokratiebewegung am Niederrhein vor 100 Jahren“ im Grafschafter Museum. Kooperationspartnerin war die Gleichstellungsstelle der Stadt. Viele Interessierte kamen in den Sitzungssaal des Alten Landratsamts.

Schauspielerinnen als Demonstrantinnen

Frauen der Oberhausener Theatergruppe schlüpften in die Rolle von Demonstrantinnen. Auf ihren Schildern stand „Heraus mit dem Frauenwahlrecht“, „Den Frauen ihr Recht“ und „Nie mehr Menschen zweiter Klasse“. Clara Zetkin, die bis 1917 in der SPD aktiv war, wird schauspielerisch zum Leben erweckt. Sie appellierte, für das Frauenwahlrecht und gerechte Löhne zu kämpfen: „Wir arbeiten in Tabakfabriken, als Schneiderinnen und Buchbinderinnen. Und Zuhause? Schuften wir weiter bis Mitternacht.“

1918 wurde schließlich das Frauenwahlrecht durchgesetzt. „Raus aus dem Korsett, rein in Hemd und Hosenträger“, sang die Essener Schauspielerin Veronika Maruhn und entführte in die 1920er Jahre. Entsprechend gekleidet sang sie das Lied „In der Bar zum Krokodil“, das von heimlichen, weiblichen Liebschaften handelt.

„Benjamin, ich hab’ nichts anzuziehen“, war das Lied, zu dem die Kölner Schauspielerin Sabine Paas mit roter Federboa und Samthandschuhen sang. Sie kokettierte mit der Naivität und verdeutlichte, wie das Leben einer Frau auf äußere Schönheiten reduziert wurde und häufig noch wird. Begleitet von Winni Slüters am Klavier ging die Reise durch die Frauengeschichte weiter.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben