Landwirtschaft

Ministerin nennt Milchviehhof in Kamp-Lintfort vorbildlich

Landwirtschaftsministerin Ursula Heinen-Esser mit Landwirt Kevin Anhamm, (rechts) und Kaspar Thormod Nielsen.

Landwirtschaftsministerin Ursula Heinen-Esser mit Landwirt Kevin Anhamm, (rechts) und Kaspar Thormod Nielsen.

Foto: Sivani Boxall / FUNKE Foto Services

Kamp-Lintfort.  In den Augen von NRW-Landwirtschaftsministerin Ursula Heinen-Esser leistet der Hof von Kevin Anhamm vorbildliche Arbeit im Bereich des Tierwohls.

Eine Nutztierhaltung, die dem Tierwohl, dem Umweltschutz, den Bedürfnissen der Verbraucher und der ökonomischen Überlebensfähigkeit der Tierhalter gerecht wird, ist das erklärte Ziel der nordrhein-westfälischen Landwirtschaftsministerin. „Wir wollen unsere mittelständische Struktur in der Landwirtschaft in NRW erhalten“, sagt Ursula Heinen-Esser (CDU). „Und wir wollen den Landwirten mit einer Strategie helfen, wie sie mehr Tierwohl erreichen, aber auch nachhaltig und zukunftsfähig werden.“ Im Rahmen ihrer Sommertour besuchte sie gestern den Milchviehhof Anhamm in Hoerstgen, um sich über diesen „schwierigen Umstellungsprozess“ zu informieren.

Der Familienbetrieb des 34-jährigen Kevin Anhamm, der den Hof mit seiner Frau und zwei Kindern bewohnt und zusammen mit seinen Eltern, einem Gesellen, einem Auszubildenden und Hilfskräften betreibt, sei im Bereich eines konventionellen Milchviehbetriebes dabei ein positives Beispiel der zukunftsfähigen Nutztierhaltung, so das Ministerium. 215 Milchkühe leben hier und produzieren rund 12.000 Liter Milch. Aber Kevin Anhamm sagt: „Unser Fokus liegt ganz auf dem Tierwohl und der Tiergesundheit, denn dann ist die Milchproduktion nachhaltig.“

Der CO2-Fußabdruck

Die europäische Molkereigenossenschaft Arla Foods, an die er seine Milch liefert, honoriert die Bemühungen: „Wir wissen, dass die Landwirte, die sich um Tierwohl und Tiergesundheit kümmern, nicht nur nachhaltiger und umweltfreundlicher produzieren, sondern auch das bessere Geschäft machen“, so Kasper Thormod Nielsen von Arla Foods. Den Landwirten gibt das Unternehmen für eine umweltfreundlichere und effizientere Produktion ein Werkzeug an die Hand: den Arla-Klimacheck. Damit werden die Hof-Daten zu Energie, Fläche, Milch und Kühen, Stallsystemen und Futtermitteln zusammengestellt, um einen CO2-Fußabdruck des Betriebes zu ermitteln und Verbesserungen vorzuschlagen, auch für den Einsatz von Düngemitteln, das Gülle-Management und das Tierwohl.

„Auf dem Hof von Kevin Anhamm hat neben der tierwohlgerechten Haltung auch der Schutz unseres Klimas Priorität. Die Tiere können sich frei bewegen und haben in einem offenen Stall frische Luft. Eine solche Haltungsform hat Vorbildcharakter“, sagte Ministerin Heinen-Esser bei ihrem Besuch. Alle Kühe auf dem Hof sind mit einem Responder ausgerüstet, der die Aktivitäten der Tiere in auswertbare Daten umwandelt. „Eine Tierwohldatenbank, wie sie bei Arla bereits existiert, wollen wir auch in NRW aufbauen“, sagt Heinen-Esser.

Probleme kommen zur Sprache

Beim Besuch kamen aber auch die Probleme der Landwirte zur Sprache. Wie zum Beispiel Rechtssicherheit. „Wenn die Gülleverordnung innerhalb von fünf Jahren dreimal geändert wird, will doch niemand einen Kredit für einen neuen Güllepott aufnehmen, von dem er dann nicht weiß, ob er noch den gesetzlichen Anforderungen entspricht, sobald er diesen abbezahlt hat“, sagte Kevin Anhamm.

Diese ungünstigen Rahmenbedingungen zu beseitigen und Planungssicherheit zu geben sei das Ziel der Nutztierstrategie, so die Ministerin. „Nordrhein-Westfalen soll bei der Gestaltung einer zukunftsfähigen Tierhaltung zu einer Modellregion werden“, wünscht sie sich. Dass sie ihr Vorhaben, bei dem sich das Ministerium auch mit Bundes- und EU-Gesetzgebung konfrontiert sieht, dennoch umsetzen kann, davon ist sie überzeugt. Wenngleich „vielleicht auch nicht in allen Bereichen und sofort, aber Schritt für Schritt“.

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