Krebsdiagnose

Moerser Chefarzt erklärt neue Diagnosemethode für Brustkrebs

Dr. Jeanette Klok-Ditges und Dr. Peter Tönnies untersuchen Saskia Krause.

Dr. Jeanette Klok-Ditges und Dr. Peter Tönnies untersuchen Saskia Krause.

Foto: Norbert Prümen

Moers.   Ein Bluttest könnte Diagnosemöglichkeiten verbessern. Dr. Peter Tönnies, Chef des Brustzentrums Bethanien, hält aber eine Ergänzung für wichtig.

Die Nachricht macht jetzt Furore: Mit einem Bluttest können Mediziner der Universität Heidelberg sehen, ob eine Patientin Brustkrebs hat oder nicht. Seither häufen sich die Nachfragen auch am Krankenhaus Bethanien. Dr. Peter Tönnies, Chef des Brustzentrums Bethanien: „Die Idee ist wohl, so etwas wie den Prostata-Bluttest zu bekommen. Aber so weit wird es wohl nicht kommen.“

Die Studie der Heidelberger Ärzte beziehe sich zunächst auf 500 kranke und 400 gesunde Frauen. Man wolle wegen geltender Standards aber auf 2000 Frauen kommen. Der Test solle etwa im Herbst auf dem Markt sein. „Das ist schon sehr sportlich“, meint der Chefarzt.

Bei dem neuen Test stelle man im Labor gewisse Chromosom-Veränderungen fest, die beim Zerfall der Tumorzellen auftauchen. „Man findet die Stoffe gewissermaßen im Schrott der Tumorzellen“, erläutert Dr. Peter Tönnies. Grundsätzlich hält Tönnies die Methode für hilfreich. „Besonders, wenn sie durch Ultraschall und Mammografie ergänzt wird.“ Allerdings ergebe der Test bei Frauen über 50 Jahren nur eine 60 prozentige Sicherheit, für jüngere Frauen liege die Quote bei 86 Prozent, was hoch sei. „Vor allem, weil gerade jüngere Frauen, wenn sie betroffen sind, oftmals aggressive Tumore haben.“

Leben mit ungewissem Befund

Aber: Positiv getestete Frauen, die noch keine Tumore in Ultraschall oder Mammografie zeigten, müssten engmaschig überwacht werden. Dies sei sicher eine große Belastung, die Frauen müssten eine Zeit lang mit ungewissem Befund leben. „Da ist dann auch das MRT ein angezeigtes Verfahren.“ Die Frage sei indes, ob die Kassen dies bezahlten. Grundsätzlich sei jeder Krebs, je früher er erkannt werde, um so besser heilbar. „So gesehen, bietet der neue Test einen Benefit für die betroffenen Frauen.“

Die Heilungschancen gerade bei Brustkrebs seien heute sehr hoch. „Wir sprechen von 70 000 Neuerkrankungen im Jahr.“ Im Stadium 1 des Karzinoms liege die Überlebensrate auf zehn Jahre gerechnet bei über 95 Prozent. „Das hängt aber auch von der Art des Tumors ab.“ Man habe allerdings in den letzten Jahren in der Tumorbiologie große Fortschritte gemacht. „Wir untersuchen die Genetik des Tumors.“ Daraus folgten eine viel zielgenauere Chemotherapie, die nur minimale Nebenwirkungen habe. „Wir hoffen, dass diese Untersuchungen im Labor bald für die Patienten kostenfrei sein werden“, berichtet der Chefarzt mit Blick auf die Kassen. Leider werde auch der neue Bluttest wohl vorerst nicht von den Kassen bezahlt. Der Fachmann zu den Kosten: „Ich rechne mit einer mittleren dreistelligen Summe, die die Frauen selbst tragen müssten. Alles andere würde sich wohl nicht rechnen – auch wenn ich mich damit hier aus dem Fenster lehne.“

Schonende Operationen

Passgenaue Chemotherapien, die den Tumor verkleinerten, würden heute oft schon vor der Operation verabreicht, so Tönnies. „Sie sorgen für brusterhaltende und schonende Operationen.“ Auch bei der Entfernung von Lymphknoten gehe man dank Tumor-Gentest heute anders vor. „Entweder entfernt man nur den Wächterknoten oder begnügt sich mit der Stanzbiopsie, einer Gewebeprobe, um einen Befall festzustellen.“

Grundsätzlich könne der neue Test jedoch hilfreich sein – er sei immerhin in dem landesweit anerkannten Deutschen Krebsforschungszentrum an der Universität Heidelberg entwickelt worden. „Eine wichtige Rolle kann der Test aber vor allem in der jahrelangen Nachsorge von Brustkrebs-Patientinnen spielen“, unterstreicht Chefarzt Dr. Peter Tönnies.

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