Prozess

Raserprozess Moers: Sema S. kämpfte 40 Stunden um ihr Leben

Frau bei Autorennen in Moers getötet: Urteil wird am Montag erwartet

Zwei Männer aus Duisburg müssen sich wegen dem tödlichen Raserunfall in Moers vor dem Klever Landgericht verantworten. Das Urteil wird am Montag erwartet.

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Moers/Kleve.  Am zweiten Tag im Moerser Raserprozess offenbarte eine Gerichtsmedizinerin Details zum Tod von Sema S. Ärzte kämpften 40 Stunden um ihr Leben.

Nach einem mutmaßlichen illegalen Autorennen in Moers, bei dem im April 2019 die unbeteiligte Sema S. getötet wurde, geht am Mittwoch der Prozess gegen zwei junge Männer in den zweiten Verhandlungstag. Die beiden 22-Jährigen aus Duisburg haben sich laut Anklage im vergangenen April mit ihren über 500 PS starken Autos ein Rennen geliefert - I. saß in einem Range Rover. K., der mit dem Fahrzeug des Opfers zusammenstieß, in einem Mercedes. Eine Gerichtsmedizinerin offenbarte grausige Details zum Tod von Sema S.

Eine Gehirnschwellung, ausgelöst durch einen dramatischen Blutverlust, war demnach die Ursache für den Tod von Sema S. Das sagte die Gerichtsmedizinerin Dr. Elke Otto als Sachverständige vor Gericht. Der rückwärtige Aufprall habe massive Einblutungen in Lendenwirbelbereich verursacht, außerdem sei durch Rippenbrüche die Lunge perforiert worden.

40 Stunden kämpften die Ärzte um das Leben des Unfallopfers, doch die Frau konnte auch durch eine Notoperation am Kopf nicht mehr gerettet werden. Die Medizinerin schätzte, dass Sema S. infolge des Unfalls rund 1,5 Liter Blut verloren hatte. Die Tatsache, dass sie nicht angeschnallt war, war nach Auffassung der Medizinerin nur von untergeordneter Bedeutung, weil der Aufprall von hinten erfolgte.

Videos und Chatprotokolle offenbaren Entwicklungen bis zum Unfall

Videos und Chatprotokolle, die im Gerichtssaal gezeigt und verlesen wurden, offenbaren die fatale Entwicklung bis zu dem tödlichen Unfall am Ostermontag. Das erste Video, vermutlich am Tag vor der Tat aufgenommen, hat der Fahrer des Range Rover aufgenommen. Er hält das Handy in der Hand und filmt einige Sekunden die Straße vor ihm und den Tacho – er ist mit Tempo 245 auf einer deutschen Autobahn unterwegs. Das Filmchen wird von Jauchzen begleitet.

Am Tattag um 12:19 Uhr sendet I., der Fahrer des Range Rover, eine Mitteilung an eine Bekannte: „Gleich AMG vs Range Rover“ – die Ankündigung des Rennens. Gegen 21:30 Uhr wird I. im Wagen des Range Rover gefilmt. Das Auto steht auf einem Parkplatz, er sitzt am Steuer und lässt den Motor aufheulen. Wieder sind jauchzende Laute des Entzückens zu hören.

Bruder meldet den Unfallwagen als gestohlen

Um 21:50 Uhr wird aus dem Range Rover heraus der andere an dem Rennen beteiligte Wagen, ein Mercedes AMG, gefilmt. „Was geht ab, K.?“, ist aus dem Range Rover zu hören. K. ist der Fahrer des Unfallwagens. Um 21:52 Uhr stößt K. auf der Bismarckstraße in Moers mit dem Kleinwagen von Sema S. zusammen.

Um 21:58 Uhr meldet der Bruder von K. bei der Polizei den Mercedes AMG als gestohlen. Zwischen 21:20 Uhr und 21:30 Uhr sei das Auto entwendet worden. So berichtet es ein Polizeibeamter als Zeuge – offenbar der Versuch, das Geschehen zu verschleiern.

Beifahrerin will nichts von einem Rennen mitbekommen haben

Am Mittwochvormittag hatte bereits die Ex-Verlobte des Fußballprofis, dem der weiße Range Rover (das zweite an dem Rennen beteiligte Fahrzeug) gehört, ausgesagt. Sie war Beifahrerin – und will von einem Rennen nichts mitbekommen haben. Man sei wegen einer medizinischen Versorgung in Moers auf dem Weg von einem Krankenhaus zum anderen gewesen, als es plötzlich zu dem „Vorfall“ gekommen sei.

„Das sind Lügengeschichten“, herrscht der Vorsitzende Richter die Zeugin an. Den 500 PS starken Mercedes AMG, der mit dem Kleinwagen zusammenstieß, will sie nur als „dunkles Auto“ wahrgenommen haben, das plötzlich aufgetaucht sei. Dagegen hielt der Anwalt der Nebenkläger der Zeugin vor, dass es ein Video wenige Minuten vor dem Unfall gebe, in dem aus dem Range Rover zum Mercedes gerufen worden sei: „Was geht ab, K.?“

K. ist der Fahrer des Unfallwagens. Er muss sich wegen Mord und die Teilnahme an einem verbotenen Kraftfahrzeugrennen mit Todesfolge verantworten. Der andere Fahrer, I., ist der Teilnahme an einem verbotenen Kraftfahrzeugrennen mit Todesfolge angeklagt. Die Fahrerin des Kleinwagens (43) starb drei Tage nach dem Unfall.

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