Schuldenberatung

1400 Menschen suchten Hilfe bei der Awo-Schuldenberatung

Frank Werner (li.), Vorstandsmitglied der Sparkasse, überreicht eine Geldspende an Carsten Welp, Awo-Schuldenberatung (r.), und Awo-Vorstandsvorsitzende Elke Dohmann-Jurkewicz.

Frank Werner (li.), Vorstandsmitglied der Sparkasse, überreicht eine Geldspende an Carsten Welp, Awo-Schuldenberatung (r.), und Awo-Vorstandsvorsitzende Elke Dohmann-Jurkewicz.

Foto: Martin Möller / FUNKE Foto Services

Mülheim.  Die Mülheimer Schuldenberatung wird unter anderem durch die Sparkasse finanziert. Viele Menschen brauchen Hilfe für ein geordnetes Leben.

1400 Menschen wurden in der Awo-Schuldenberatung allein im vergangenen Jahr betreut. Jährlich gibt es 780 bis 820 neue Schuldner. Damit die Beratung auch finanziert werden kann, überreichte die Sparkasse Mülheim der Arbeiterwohlfahrt am Montag einen Check über 28.680 Euro. Die Schuldenberatung finanziert sich neben der jährlichen verpflichtenden Spende der Sparkasse durch kommunale Mittel und Landesmittel.

Wie lange eine Person in der Beratung bleibt, ist unterschiedlich und „kommt ganz auf den Beratungsfall an“, berichtet Carsten Welp, Ansprechpartner der Schuldenberatung. Manche kommen nur ein bis zwei Mal, manche regelmäßig über sechs bis zwölf Monate. Gerade bei einer häufigen Ursache für Verschuldungen, bei Suchproblematiken, gibt es häufige Rückfälle. Aber: „Es gibt auch einige Fälle, wo Menschen mit Schulden leben können“. Denn auch dazu berät die AWO, wie man sich auch trotz Schulden ein geordnetes Leben aufbauen kann.

Geld ist für Personal- und Verwaltungskosten sowie Präventionsangebote gedacht

Das Geld, welches die Awo erhält, fließt in Personalkosten und Verwaltungskosten, aber auch in Präventionsangebote. So informiert die Awo bei Projekttagen an Berufskollegs über Finanzmanagement. Denn: Ein Großteil der Beratungssuchenden ist gerade mal um die 25 Jahre. „Erstes eigenes Geld, erste eigene Wohnung“ - das muss zu koordinieren gelernt werden. Neben den offensichtlichen Ausgaben wie Miete oder Vereinsbeiträgen „vergisst man vielleicht, welche notwendigen Lebenserhaltungskosten noch dazu kommen“, so Carsten Welp. Die Awo empfiehlt jungen Leuten dann häufig, sich einen Haushaltsplan anzulegen, um „zu sehen, was so zusammenkommt“. Auch Trennungsphasen und Scheidungen führen oft zu Verschuldungen.

Bei Ratsuchenden kämen „nicht so viele von der Sparkasse“, so Welp. Sparkassenvorstand Frank Werner: „Wir versuchen immer, etwas Puffer zu fördern.“ Gefährlich sei der Trend zum sofortigen Konsum und die damit häufig verbundene Ratenzahlung, meint Werner. Die Sparkasse rate, erst anzusparen und dann zu kaufen. Ein häufiger Einstieg in die Schulden ist oft mit teuren Handyverträgen verbunden. Auch im Internet lauern durch Monatsbeiträge für Musik Streaming Dienste oder ähnliches viele Schuldenfallen, auf welche gerade Kinder und Jugendliche schnell hereinfallen. Eine Lücke im Schulsystem: Nirgends lerne man, richtig mit Geld umzugehen. Die Awo würde gern noch mehr machen. Dafür fehlen ihnen aber noch die finanziellen Mittel.

Viele sind sich auch über die Dauer einer erfolgreichen Schuldenbewältigung nicht bewusst. „Ich möchte Insolvenz machen“, hört Carsten Welp immer wieder und erntet oftmals entgeisterte Blicke, wenn er einen zeitlichen Ablauf von drei bis sechs Monaten ankündigt. Das erwarten viele nicht, denn „bei Peter Zwegat dauert das nur 45 Minuten!“ Trotzdem zeigt sich Carsten Welp zuversichtlich und gibt Schuldnern mit auf den Weg: „Es geht, man kommt da wieder raus, man muss nur die richtigen Hinweise annehmen.“

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