Comedy

Abdelkarim: „Oberhausen – das ist die Bronx von Mülheim“

„Und was machst du so?“ Abdelkarim gab den Staatsfreund Nr. 1 im Ringlokschuppen.

„Und was machst du so?“ Abdelkarim gab den Staatsfreund Nr. 1 im Ringlokschuppen.

Foto: Tamara Ramos / FUNKE Foto Services

Mülheim.  Der Comedy-Abend mit Abdelkarim ist wie ein Treffen mit einem lang nicht gesehenen Freund – und plötzlich fällt auf: Dafür gibt es gute Gründe.

„Und – was macht ihr so?“ Manchmal sind Comedy-Abende wie ein zufälliges Treffen mit einem lang nicht gesehenen Freund. Und mittendrin fällt einem ein, dass es dafür gute Gründe gegeben hat. Der Donnerstagabend mit Comedian und Staatsfreund Nr. 1, Abdelkarim, im Ringlokschuppen ist so eine dieser Begegnungen.

„Dümpten? Ich mag Dümpten – hört sich gut an: Düüümpt’n!“

Einen nicht unerheblichen Teil verbringt man mit Small Talk, woher man kommt, was so passiert ist: Hier der gebürtige Bielefelder mit marokkanischem Pass, dort der Dümptener, der nicht so gern nach Styrum ziehen möchte. „Dümpten? Ich mag Dümpten – hört sich gut an: Düüümpt’n!“ – so hangelt sich Abdelkarim als „einziger Wahl-Duisburger Deutschlands“ mit einem satten Schlag Lokalkolorit durch einen guten Teil der Show, wie bei jenen erwähnten Treffen unter Freunden, bei dem einem partout nichts mehr einfallen will.

„Magst du Deutschrap? Was esst ihr nach der Show?“ Das Fischen am Bühnenrand nach Verwertbarem bringt viel anekdotischen Beifang, zieht auch mal einen ordentlichen Lacher an Land. Dass Oberhausen „die Bronx von Mülheim“ sein soll, kann man beschmunzeln – der Gag kommt aus dem Publikum. Unweigerlich fühlt man sich an die alte Anglerregel erinnert: Der Wurm muss nicht dem Angler schmecken.

Witzehäppchen mit Migrationsgeschmack

Und nicht wenige finden durchaus Vergnügen bei Witzehäppchen mit Migrationsgeschmack und Hipster-Bart. Etwa bei den Bemühungen seiner marokkanischen Freunde, nach dem furchtbaren Attentat von Anis Amri für einen Umzug einen LKW zu mieten. „Sorry, ich habe nur Fahrräder“, wehrt der Verleiher ab. Die auch medial geschürte Angst vor „Konvertiten“ und „Gefährdern“ treibt seltsame Blüten.

Die konnte man allerdings schon beim jungen, damals noch frechen Kaja Yanar und beim heute noch immer bissigen Serdar Somuncu ernten. Abdelkarim fügt dem leider nur wenig Neues hinzu. Doch es gibt an diesem Abend auch erhellende Beobachtungen, auf die man lang gewartet hat: Beim Bahnfahren warnt Abdelkarim einen Dunkelhäutigen, den er für einen Schwarzfahrer hält, vor einem Kontrolleur. Der bedankt sich. „Mich hat er nicht gewarnt“, mault der blonde Weiße neben ihm. Ein schönes wie entlarvendes Beispiel für die absurden Auswüchse von Vorurteilen auf beiden Seiten.

Abdelkarim besitzt die bemerkenswerte Gabe der Selbstironie

„Ich bin ein Deutscher mit Migrationsoptik“ – Abdelkarim besitzt diese bemerkenswerte Gabe, diese Leichtigkeit der Selbstironie. Und den scharfen Blick: Warum gibt es offenbar keine Marokkanischstämmige Moderatoren im deutschen TV? Wieso werden Islamexperten oft auch als Terrorexperten bezeichnet? Davon hätte man im Ringlokschuppen gerne mehr erfahren.

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